1. Mai in Wien – Internationalistische Demo von der Oper (Treffpunkt ca. 10 Uhr)

19. April 2012

Di 1.5. Demonstration: Roter 1.Mai.

Alle auf die Straße gegen Ausbeutung, Arbeitslosigkeit und Ausländerfeindlichkeit!

WANN: Dienstag, 1. Mai 2012, 10 Uhr

WO: vor der Oper (in der Nähe von U1, U2, U4 Karlsplatz)

Gemeinsamer Widerstand – Gegen Sparpakete und Krieg!

Aufruf für eine breite, internationalistische 1. Mai-Demonstration!

Als Ausdruck unseres ungebrochenen Widerstandes gegen Sparpakete, Rassismus und Krieg rufen auch heuer zahlreiche Organisationen mit AktivistInnen aus Österreich, der Türkei, Kurdistan, Iran und Lateinamerika und anderen Ländern zu einer breiten, internationalistischen 1. Mai-Demonstration auf.

Gemeinsamer Widerstand ist dringender denn je. Die SPÖ/ÖVP-Bundesregierung beschließt ein weiteres brutales Sparpaket. Die Last tragen einmal mehr die Lohnabhängigen, die MigrantInnen, die PensionistInnen, die alleinerziehenden Mütter, Jugendliche und Arbeitslose. Doch anstatt dagegen den notwendigen breiten Widerstand auf der Straße und in den Betrieben zu leisten, erklärt die ÖGB-Spitze ihre grundsätzliche Zustimmung zum Sparpaket.

Gemeinsamer Widerstand ist aber auch international dringender denn je: überall begehren die Werktätigen und Unterdrückten zu Recht gegen die Herrschenden auf: in Nordafrika und dem Nahen Osten, in Indien, Pakistan und den Philippinen, im südlichen Afrika oder in Chile. Die imperialistischen Großkonzerne, Banken und ihre Regierungen versuchen vor diesem Hintergrund ihre Profite und ihre Einfluß abzusichern. Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück, mit Sanktionen und Kriegen zu drohen. Insbesondere droht ein neuer Angriffskrieg von Israel und den USA gegen den Iran.

Gemeinsamer Widerstand gegen all diese Angriffe ist das Gebot der Stunde – in Österreich und international! Für Solidarität und Internationalismus! Kommt alle zur 1. Mai-Demonstration in Wien!

Treffpunkt: 1. Mai, 9.30 Uhr bei der Oper (U4 Karlsplatz)

 

Folgende Organisationen rufen zur internationalistischen 1. Mai-Demonstration auf:

ADHF – Demokratische Rechte Föderation für alle Volksgruppen in Österreich

AGII – Initiative der ArbeitsmigrantInnen in Österreich

ATIGF – Föderation der ArbeiterInnen und Jugend aus der Türkei in Österreich

Avusturya Halk Cephesi (Volksfront Österreich)

ArbeiterInnenstandpunkt (AST)

Initiative für eine Revolutionär-Kommunistische Partei (IA*RKP)

Linke iranische AktivistInnen in Wien-Österreich

Kommunistische Initiative (KI)

Kommunistische Gewerkschaftsinitiative – International (KOMintern)

Kommunistische Jugend Österreichs – Ortsgruppe Wien (KJÖ Wien)

Kommunistische (Maoistische) Partei Afghanistans

Neue Demokratische Jugend (YDG)

Revolutionär-Kommunistische Organisation zur Befreiung (RKOB)

RED REVOLUTION

REVOLUTION

Sozialistische Jugend – Stamokap-Strömung

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

18. April 2012

In allen Teilen der Welt erheben sich Arbeiter/innen und Volksmassen gegen Unterdrückung und Ausbeutung. Überall dort, wo sich antiimperialistische und revolutionäre Bewegungen entwickeln, stoßen ihre Organisationen und ihre Akti­vist/innen auf den erbitterten Widerstand der herrschenden Klasse, die ihre Ausbeuterordnung verteidigt, um ihre Profite zu sichern.

Ein wichtiges Mittel der Herrschenden ist ihre Klassenjustiz, sind die bürgerlichen Gerichte, die dazu dienen, das Recht der Kapitalisten auf Ausbeutung zu sichern und alle zu verurteilen, die sich dagegen auflehnen. Die Polizeimaßnahmen und die bürgerliche Klassenjustiz sind das am weitesten verbreitete Mittel der Herrschenden zur Einschüchterung, Isolie­rung und Niederhaltung von Widerstandsbewegungen. Mit scheindemokratischen Gerichtsverfahren, die sich auf Klas­sen­paragrafen stützen und jeden Widerstand gegen die Ausbeuterordnung kriminalisieren, versuchen die Unterdrücker in allen Ländern eine Gerechtigkeit vorzuspiegeln und Teile der Volksmassen zu täuschen.

Nur wenn diese sozusagen “normalen” Mittel der Diktatur der Bourgeoisie nicht mehr ausreichen, werden direkte und offene bewaffnete Unterdrückungsmaßnahmen durch Aufstandspolizei, paramilitärische Verbände und Armee durch­geführt.

Die Situation von politischen Gefangenen in verschiedenen Ländern ist unterschiedlich, aber fast immer stellen sich zwei mit einander verbundene Aufgaben: Einerseits der Kampf für die Verbesserung der Haftbedingungen, andererseits der Kampf für die Freilassung der politischen Gefangenen.

Seit den 1970er Jahren sind verschiedene Formen von Isolationshaft weit verbreitet. Insbesondere in den imperialistischen Metropolen wurde von bürgerlichen Wissenschaftlern ausführlich geforscht, wie die politischen Gefangenen innerlich ge­brochen werden können, wie ihr politisches Bewusstsein geschwächt und ihr revolutionärer Elan erstickt werden kann. Die Experimente in Deutschland an den Gefangenen der Roten-Armee-Fraktion, der Bewegung 2. Juni und der Revolu­tio­nären Zellen mit der weißen Folter der „sensorischer Deprivation“, das heiß konsequentes Abschneiden von äußeren Sinneseindrücken – weiße Zelle ohne Fenster, keine Geräusche usw. -  sind ebenso bekannt wie die wissenschaftlich gesteuerte körperlich-psychische Folter der USA-Imperialisten in Abu-Ghraib und Guantanamo.

Aus diesem Grund sind die Forderungen wie: Schluss mit der Isolationshaft! Zusammenlegung der politischen Gefange­nen in größere Gruppen! wichtige Teilforderungen für viele Länder.

Natürlich geht es uns aber auch darum, unsere Genoss/innen aus den Gefängnissen des Klassenfeinds herauszubekom­men, und deswegen fordern wir: Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Wenn die demokratische und revolutionäre Bewegung in einem Land stark ist, dann ist die Solidarität mit den politischen Gefangenen selbstverständlicher Teil des Kampfes für revolutionäre Demokratie und für eine sozialistische Gesellschaft. Es werden Organisationen der Roten Hilfe aufgebaut, die nicht nur die Angeklagten und Verurteilten vor Gericht und in den Gefängnissen unterstützen, sondern auch die Angehörigen einbeziehen und mobilisieren. In verschiedenen Ländern mit entwickelten Klassenkämpfen gibt es eigene Angehörigen-Komitees der politischen Gefangenen, die eine  große poli­tische Rolle spielen.

Aber auch wenn die Bewegung der Arbeiter/innen und Volksmassen schwach ist, wie z.B. heute in Österreich und in an­de­ren Ländern der EU, ist es eine wichtige und unverzichtbare Aufgabe für die demokratischen und revolutionären Kräf­te, den Kampf für die Unterstützung der politischen Gefangenen zu führen in verschiedenen Ländern zu führen.

Darüber hinaus ist es eine wichtige Aufgabe in der EU, in Österreich und in anderen imperialistischen Ländern, den Kampf für ein demokratisches Asylrecht zu führen. Das heißt wir treten für das  Recht von demokratischen und revo­lutionären Kämpfer/innen ein, in Österreich Schutz vor Verfolgung zu erhalten und nicht in Schubhaft und Abschiebe­lagern eingesperrt zu sein.

Wir Revolutionären Kommunist/innen verstehen unsere Aktivitäten zur Unterstützung der politischen Gefangenen als po­li­tische Aufgabe  im Sinn der internationalen Solidarität und des proletarischen Internationalismus. Nur durch die in­terna­tionale Zusammenarbeit und den internationalen Zusammenschluss der revolutionären Kräfte aller Länder wird auch der Kampf für die proletarische Revolution und die sozialistische Weltrepublik Fortschritte machen.

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Hoch die internationale Solidarität!

IA«RKP

Initiative für den Aufbau einer

Revolutionär-Kommunistischen Partei

Stiftgasse 8, A-1070 Wien, ia.rkp2017@yahoo.com

iarkp.wordpress.com

Kundgebung “Freiheit für alle politischen Gefangenen!” Do 19.4., 17-18 Uhr Stephansplatz

16. April 2012

Donnerstag, 19. April 2012, 17-18 Uhr STEPHANSPLATZ (Wien)

Veranstalter: Netzwerk Politische Gefangene

Weckt die Millionenmassen des Volkes für die bewaffnete Revolution

1. April 2012

Philippinen:

Weckt die Millionenmassen des Volkes für die bewaffnete Revolution

Editorial zum 43. Jahrestag der Gründung der Neuen Volksarmee (NPA) am 29. März in „Ang Bayan“ Nr.6, 21.3.2012 – Organ des ZK der KP Philippinen.

Der vom US-Aquino-Regime prahlerisch beschworene „gerechte Weg“ ist nichts als ein leeres Schlagwort und führt zu einer immer weiteren Kluft zwischen den herrschenden Klassen und den Unterdrückten, zu verstärkter Ausbeutung und schwererem Leiden und Armut für das Volk.

Unter Aquino hat die Politik der Liberalisierung, Deregulierung, Privatisierung und Ent­natio­na­lisierung das philippinische halbkoloniale und halbfeudale System zu einer Krise von solcher Stärke verdammt, wie es sie seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht mehr gegeben hat. Der Landraub greift um sich. Die Arbeitslosigkeit verbreitet sich. Die Löhne werden auf ein extrem niedriges Niveau gedrückt. Die Benzin- und Lebensmittel­preise und die Kosten der grundlegenden Versorgung befinden sich in einer ständigen Aufwärtsspirale. Die Sozialversorgung wird immer weiter gekürzt. Und bedrückend hohe Steuern werden verlangt.

Das US-Aquino-Regime ist blind gegenüber den bitteren Bedingungen des philippini­schen Volkes.

Andererseits unterwirft es sich völlig dem US-Imperialismus und vertritt darüber hinaus die Interessen der großen ausländischen Unternehmen. Es gibt den Öl-Giganten freie Hand für Preiserhöhungen und den großen Bergbau- und Plantagenunternehmen die Freiheit Land an sich zu reißen und die Rohstoffe auszuplündern.

Aquino hat weiterhin ein taubes Ohr für den Ruf nach Löhnen, die zum Leben ausrei­chen. Er lockt große ausländische Kapitalisten an, im Land zu investieren und ihren Vorteil aus den billigen und geduldigen Arbeits­kräften zu ziehen.  Das Aquino-Regime hat eine Kam­pagne gestartet, um die städtischen Armen aus ihren Behausungen zu vertreiben, um Platz zu machen für die Infra­strukturprojekte der großbürgerlichen Kompra­do­ren­freunde von Aquino. Er setzt die ganze Macht der Polizei, des Militärs und der paramilitärischen Gruppen ein, um die demokratische Bewegung des Volkes zu unter­drücken.

Durch die von der Politik der US-Aquino-Regierung hervorgerufene Armut ist das phi­lippi­nische Volk in tiefs­tes Leid gestoßen worden. Es hat sich in Massenkämpfen und Protestaktionen erhoben, um seine kollektive Oppo­sition gegenüber den von der Aquino-Regierung einge­führten Gesetzen und po­litischen Maßnahmen auszu­drücken. Seine kochen­de Wut gleicht einem Vulkan, der vor dem Ausbruch steht und mit mächtiger Kraft dem System der Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende bereiten wird.

Im Wesentlichen werden die Bedingungen für Fortschritte in der bewaffneten Revolution in den Philippinen rasch günstiger. Es ist die Aufgabe der Mitglieder und Kader der Partei und aller revolutionären Kräfte, alle Gelegenheiten zu ergreifen, um die Wut des Volkes gegen das herrschende Regime und das von ihm verwaltete System zu wecken. Die gro­ßen Fortschritte in der bewaffneten Revolution hängen von der ausgedehnten Erweckung und Mobilisierung des Volkes im demokratischen Massenkampf ab.

Wir müssen das Feuer des Agrarkampfes in den weiten ländlichen Gebieten schüren. Wir müssen die kleinbäuerlichen Massen und Landarbeiter/innen aufrufen und mobilisieren und die Agrarrevolution auf höherer und breiterer Ebene vorantreiben.

Wir müssen die Flamme des Massenkampfes in den städtischen Gebieten schüren, die Arbeiter/innen, städtischen Armen, Student/innen und die Masse der Angestellten und anderen demokratischen Sektoren aufrufen und mobilisieren, damit sie sich in die mäch­tigen Massenkämpfe gegen die volksfeindliche und pro-imperialistische Politik des herr­schenden Regimes einreihen. Wir müssen die anti-imperialistischen, antifeudalen und antifaschistischen Kämpfe vorantreiben.

Wecken wir den Patriotismus und das demokratische Bewusstsein des Volkes. Schaffen wir eine breite Bewegung zum Studium der Geschichte und fördern wir die wissenschaft­li­che und revolutionäre Denkweise. Breiten wir uns um ein vielfaches aus und festigen wir kontinuierlich die revolutionären Massenorganisationen. Verankern wir die Partei tief in den Massen.

Bemühen wir uns, die Millionenmassen des Volkes zu erreichen und zu wecken, um die bewaffnete Revolution und den Volkskrieg auf eine höhere Stufe zu heben. Begrüßen wir die Siege, die wir beim Vorantreiben des Volkskriegs erreicht haben, insbesondere beim Vorantreiben der Agrarrevolution und beim Aufbau der neudemokratischen Regierung am Land. Festigen wir unsere Entschlossenheit, alle bisherigen Siege der vergangenen vier Jahrzehnte des revolutionären Kampfes zu überflügeln.

Von der breiten Massenbewegung müssen wir breite Unterstützung für die Neue Volks­armee (NPA) und den Volkskrieg gewinnen. Wir müssen Massenrekrutierungen für neue Rote Kämpfer/innen, insbesondere unter den Reihen der Jugend, durchführen. Dehnen wir die Volksmilizen und Selbstverteidigungseinheiten für das massenhafte Training von neuen Roten Kämpfer/innen aus.

Die Neue Volksarmee ist entschlossen, den bewaffneten Kampf landesweit ständig zu inten­sivieren. In Übereinstimmung mit dem Aufruf der Partei wird die NPA ständig mehr und größere taktische Offensiven gegen die Streitkräfte des reaktionären Staates durch­führen. Die NPA wird ihre Kämpfer/innen und Offizier/innen ständig trainieren, um die Fähigkeiten der Volksarmee in der Schlacht weiter zu erhöhen.

Die NPA verstärkt weiter ihre Fähigkeit sowohl Vernichtungsoperationen als auch Straf­operationen gegen den Feind durchzuführen. Sie richtet sich aus auf die Erbeutung von noch größeren Zahlen von Feuerwaffen aus den Händen des Feindes, um sie Roten Käm­pfer/innen in die Hand zu geben. Die NPA muss Tausende weitere Waffen erbeuten, um Tausende aus den Reihen des Volkes zu bewaffnen, die danach streben, Rote Käm­pfer/in­nen zu werden.

Das philippinische Volk ist entschlossen, den Volkskrieg voranzutreiben. Trotz der quä­len­den Dunkelheit unter dem herrschenden System geht die revolutionäre Bewegung einer strahlenden Zukunft entgehen.

IA«RKP

Initiative für den Aufbau einer

Revolutionär-Kommunistischen Partei

Stiftgasse 8, A-1070 Wien, ia.rkp2017@yahoo.com

iarkp.wordpress.com

Kundgebung Politische Gefangene Wien 17.3., 17 Uhr Albertina

12. März 2012

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir freuen uns, die Gründung eines Netzwerks für politische Gefangene in Wien bekanntgeben zu können.

Es haben sich hierzu VertreterInnen, Organisationen aus verschiedenen Ländern, wie Phillippinnen, Palästina,

Türkei, Irland, Iran, Kuba-Solidarität, Chile, u.a. zusammengeschlossen, um regelmäßige Aktionen für die Unterstützung

der politischen Gefangenen zu organisieren.

Die Notwendigkeit einer solchen Plattform ergibt sich aus der ständig wachsenden Repression,

als Maßnahme und Reaktion der Herrschenden auf den zunehmenden Unmut und den Widerstand

der gesellschaftlichen und politischen Opposition.

Anlässlich des Internationalen Tages der Solidarität mit den politischen Gefangenen (18. März) wollen wir

am Samstag, den 17. März um 17:00 Uhr vor der Albertina zusammenkommen und auf die Situation

der politischen Gefangenen in den genannten und in weiteren Ländern aufmerksam machen.
Wir rufen zur breiten Teilnahme an dieser Aktion auf, der noch viele weitere folgen sollen und werden….

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Schluss mit der Isolationsfolter in den Gefängnissen!

politischegefangene@gmail.com


Fragen zum „Aufruf zur Gründung der mKP“

29. Februar 2012

An http://rote-fahne.over-blog.at/

Liebe Genoss/innen!
Wir haben euren „Aufruf zur Gründung der mKP“ vom Jänner 2012 mit Interesse gelesen.
Wie euch wahrscheinlich allen bekannt ist, stellen wir uns als Initiative in die Tradition bestimmter Parteiaufbau-Organisationen in Österreich seit den frühen 1960er Jahren. Diese verfolg(t)en die politische Linie der 1., 2. und 3. Internationale über die an der großen chinesischen Kulturrevolution orientierten Organisationen bis zu den noch aktiven Parteiaufbauorganisationen, die sich auf diese genannten Lehren stützen und heute einen Weg suchen, damit die revolutionär-kommunistischen Kräfte in der Vorhut des Proletariats zu einer einflussreichen Kraft werden.
Da wir auf eurer Homepage ansonsten keine weiteren Informationen zu eurem Komitee finden, möchten wir auch zur Intensivierung der Diskussion ein paar Fragen stellen, die wir für besonders wichtig halten.

1. Zuerst eine konkrete Kritik an einer Formulierung im Aufruftext, weil wir diese eine Stelle zwar für falsch formuliert, in der Tendenz aber für richtig halten:
Ihr schreibt, dass „die dort (vor allem am Balkan und in Osteuropa) herrschenden Regierungen … nach den Interessen des österreichischen Imperialismus eingesetzt“ sind, und dass „damit der österreichische Imperialismus auch zum wirklichen Hauptfeind der Völker großer Teile des Balkans und Osteuropas“ wird. (5.Absatz unten)
Wir denken uns, dass das so nicht stimmt, denn weder werden die Regierungen dort (nur) nach den Interessen des österreichischen Imperialismus eingesetzt oder ausgewechselt (sondern von mehreren EU-Imperialisten gemeinsam und z.T. in Absprache mit dem USA-Imperialismus), noch ist es die politische Hauptaufgabe der dortigen revolutionär-kommunistischen Kräfte, ihren Kampf vor allem gegen den österreichischen Imperialismus und seine Lakaien zu richten (und wir denken, dass in den meisten Ländern dort die Hauptstoßrichtung gegen die eigene, mit dem EU-Imperialismus verbandelte Bourgeoisie gerichtet werden muss). Seht ihr das wesentlich anders?

Unsere weiteren Fragen zum gesamten Text bzw. einzelne Passagen sind:
2. Welche „Grundlagen müssen wir noch schaffen, um eine solche Partei errichten zu können“? (Abs.9) Uns scheint diese Frage sehr wichtig, weil ihr andererseits im selben Absatz schreibt: „Die Gründung einer solchen Partei steht auf der Tagesordnung“. Eine konkrete Aufgabe, wie die Gründung einer Partei, kann doch nicht ein halbes Jahrhundert lang auf der (kurzfristigen) Tagesordnung stehen, sondern in einem längerfristigen (oder mittelfristigen) Plan. Da ihr zu den Parteiaufbau-Versuchen der letzten 50 Jahre überhaupt nicht Stellung nehmt, können wir auch nicht detaillierter zu eurem Vorhaben Stellung nehmen. Aus unseren Publikationen wird euch bekannt sein, dass wir ein politisches Programm und Grundzüge der Taktik zu wichtigen Kampffronten jedenfalls zu den „Grundlagen“ rechnen, die geschaffen werden müssen. Was zählt ihr zu den unbedingt noch zu schaffenden Grundlagen? Und was erwartet ihr von uns konkret, wenn ihr schreibt: „Beteiligt euch an den Vorbereitungen zur Gründung“. (10. Abs.)

3. In diesem Zusammenhang springt uns eure Formulierung „Wir brauchen eine kommunistische Partei“ (7.Abs.) ins Auge, wo zwar die konkrete Offensive der Imperialisten angeführt wird, nicht aber die Reaktion der „Arbeiter/innenklasse, Werktätigen und Völker“. Auch im 2. Absatz wird nur die eine Seite, die Offensive des Kapitals gekennzeichnet. Was uns in diesem Zusammenhang abgeht, ist die Seite der Arbeiter/innenklasse im Klassenkampf. Hat sich im Proletariat und/oder bestimmten Bündnisschichten die Bereitschaft zum Klassenkampf in den letzten zehn Jahren erhöht? Gibt es was an der subjektiven Seite, wo wir im Parteiaufbau anknüpfen können? Oder sind wir im Wesentlichen mit derselben Scheiß-Situation konfrontiert wie seit Mitte der 1980er Jahre, als die heute noch andauernde Offensive der Bourgeoisie in der EU angefangen hat. Seht ihr eine Parteigründung als reinen Willensakt von ein paar entschlossenen Kadern – wie etwa die MLPÖ und andere weltweit 1967/68 – oder haben wir das im Aufruf falsch ausgelegt?

4. Im Zusammenhang mit den fehlenden programmatischen Grundlagen (siehe unseren Punkt 2) fragen wir uns, was ihr als nächstes gesellschaftliches Ziel mit der Parteigründung erreichen wollt. Im 2. Absatz schreibt ihr zwar: Das „politische System (der kapitalistischen Profitmacherei) muss zerschlagen werden“, aber wodurch es ersetzt werden soll, bleibt völlig offen. Gerade in der heutigen Situation mit den unterschiedlichsten Vorstellungen der verschiedenen Strömungen müsste das Kampfziel klar benannt – und im Weiteren verständlich erläutert – werden. Gerade wenn ihr „alle … fortschrittlichen und wirklich demokratischen Kräfte“ zur Mitarbeit in eurem Komitee für die „Vorbereitungen zur Gründung“ aufruft, müsste klargestellt werden, welches nächste gesellschaftliche Ziel mit der Partei erkämpft werden soll.

5. Im 5. Absatz konzentriert ihr euch einerseits auf den „ideologischen Kampf“ gegen das Leugnen des österreichischen Imperialismus und betont andererseits die „politisch-ideologische Vorarbeit“ hinsichtlich der „Arbeitskämpfe in österreichischen Konzernen“. Auch im 2. Absatz werden beim Kampf gegen den Reformismus indirekt die ideologische Seite und direkt der „Klassenverrat“ angesprochen.
Wie euch sicher bekannt ist, spielt unserer Meinung nach die Arbeiteraristokratie (samt ihrer ökonomisch abgesicherten Stellung, vgl. Lenin) in Österreich eine äußerst wichtige Rolle. Wenn das übergangen oder geleugnet wird (vgl. MLPD), beruht das oft auf einer falschen Klassenanalyse. Wie schätzt ihr die Rolle der Arbeiteraristokratie ein und was bedeutet diese Einschätzung für die Parteigründung bzw. die Vorbereitung?

6. Da ihr uns auch direkt zur Mitarbeit im Komitee eingeladen habt, interessiert uns, was ihr zu unserer Kritik am 1.Mai-Aufruf 2011 sagt, der von Parteien um Maoist Road initiiert wurde. Dort sind einige wesentliche Differenzen genannt, die wir auch diskutieren sollten.

Mit revolutionären Grüßen,
IA*RKP,
Feb.2012

Hinter den Faschisten steht das Kapital!

27. Januar 2012

Den Kampf gegen Faschismus als Angriff auf die Kapitalherrschaft führen!

Der heurige WKR-Ball der Burschenschafter des Wiener Korporations­rings stellt eine besondere Provokation dar: Nicht nur rotten sich Rechts­extreme und offene Faschisten 50 Jahre nach der Wannsee-Konferenz genau am Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Ausschwitz am 27.1.45 zu einer großangelegten Feier ihrer mörderischen rassistischen Tradition zusammen, ohne dass diese Wieder­betä­tigung sofort verboten wird. Die bürgerlich-demokratische Republik stellt diesen Provokatören auch noch eines ihrer wichtigsten Amtsgebäude, die Hof­burg, in auch der Bundespräsident seinen Sitz hat, für ihre Fei­er­lichkeiten zur Ver­fügung. Zu Recht sind darüber viele ehrliche Demo­kra­t/in­nen und Anti­fa­schist/innen äußerst empört.

Aber leider ist diese antifaschistische Empörung meist geprägt von großer poli­ti­scher Naivität und einem blinden Vertrauen in die bürgerliche Demo­kratie und die bürgerlich-parlamentarischen Gremien in Österreich und Wien.

Tatsächlich gibt es auch in der herrschenden Klasse Widersprüche über die zweck­mäßigste Regierungsform zur Niederhaltung der Arbeiter/innen und Volks­massen, auch hinsichtlich der Vergangenheit. Aber die führenden Krei­se der Ka­pi­talistenklasse und ihre politischen Vertreter würden heute nie so weit gehen, offen und mit allen rechtlichen Mitteln der bürgerlich-anti­faschistischen Ge­setzgebung (z.B. NS-Verbotsgesetz) gegen die Tradi­tions­verbände des Nazi-Regi­mes vorzugehen. Ihre völkermörderische Ge­sinnung wird als „Meinung“ toleriert. Dem halten ehrliche Antifaschist/innen entgegen:

Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen!

Bestimmte Teile der österreichischen Kapitalistenklasse schätzten es nach wie vor als sinn­voll und nützlich ein, keinen Schlussstrich zu ziehen, und die traditio­nelle Nazi-Propaganda weiter zu finanzieren. Sie sind nicht davon über­zeugt, was die neo­­faschistischen Bewegungen im modernen Gewand heut­zutage auf die Beine brin­­gen, und setzen auf das, was sich schon in den 1930er Jahren in Deutschland und Österreich im Kampf zur Nieder­schlagung der klassenkämpferischen Arbei­ter/in­­nenbewegung bewährt hat.

Zur Aufrechterhaltung ihrer Ausbeuterordnung und zur Steigerung ihrer Maxi­mal­profite hält die Monopolbourgeoisie immer verschiedene Mittel bereit – eines davon ist der Faschismus,  die offen terroristische Herrs­chaftsform des Mono­pol­kapi­tals über die Arbeiter/innenklasse. Aus diesem Grund dürfen sich auch Fa­schisten und Hitler-Verehrer in der Hofburg treffen und werden dabei von der Polizei vor protestierenden Antifa­schist/innen massiv geschützt.

Wiener Polizisten schützen die Faschisten!

Wir Revolutionären Kommunist/innen schätzen die Situation in Österreich so ein, dass keine relevanten Teile der herrschenden Klasse in nächster Zeit zu diesem Mittel greifen wollen, weil der Faschismus zwar eine äußerst brutale zugleich aber instabile Herrschaftsform ist und die heutige bürger­lich-parlamentarische Form der Unterdrückung im gefestigten Rahmen des imperialistischen EU-Pro­jekt auch die nächsten Jahre bevorzugt wird.

Deswegen führen auch jene politischen Organisationen die antifaschisti­sche Mas­senbewegung in die Irre, die heute als praktische Hauptaufgabe im politi­schen Klas­senkampf die Verteidigung der bür­ger­lichen Demokra­tie „gegen den Fa­schis­mus“ oder „gegen die FPÖ“ auf ihre Fah­nen schrei­ben – im schlimmsten Fall so­gar mit der SPÖ gegen die ÖVP und FPÖ, also mit der Mehrheit der Aus­beu­ter­regierung gegen die „rechten und rechts­­extremen Kräfte“.

Wir müssen gegen die Faschisten käm­pfe­risch auftreten, wenn sie sich in der Öf­­fent­lichkeit zeigen, weil sie die bru­tals­te Art der Unterdrückung der Arbei­ter/in­nenklasse und Volksmassen reprä­sen­tieren. Aber wir sollten das nicht oh­ne Be­rücksichtigung der wirklichen ak­tu­ellen Verhältnisse in Ös­ter­reich und der EU tun. Die massenhaften Depor­ta­tio­nen von Migrant/innen, ihre Behand­lung mit rassis­ti­schen Sondergesetzen, die Benachteiligung in Schulen, am Ar­beitsplatz und im öffentlichen Raum usw. werden nicht vor allem von Fa­schis­ten organisiert, sondern von den demo­­kra­tischen Beamten im Auftrag der SPÖVP-Regierung und des dahinter ste­hen­­den und finanzierenden Monopolka­pitals.

Hinter den Faschisten steht das Kapital! Der Kampf um Befreiung ist internatio­nal!

Der Kampf gegen die besonders reaktionären und aggressiven Elemente des Un­terdrücker- und Ausbeuterregimes in Österreich muss verbunden werden mit dem Kampf gegen die kapitalistische Ausbeuterordnung selbst, mit dem Kampf für den Sturz der Kapitalistenklasse in einer proletarischen Revolution, mit dem Kampf für eine sozialistische Gesellschaft unter der unumschränkten Herrschaft der Arbeiter/innenklasse.

Tod dem Faschismus, Kampf dem Kapital – für den Kommunismus international!

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Solidarität mit dem Volkskrieg in Indien!

12. Januar 2012

In Indien wird der Klassenkampf für die Interessen der Arbeiter/innen und Volksmassen gegen die Offensive des internationalen Monopolkapitals und ihre einheimischen Lakaien in wesentlich schärferen Formen geführt als in der EU. Seit Jahrzehnten kämpfen unter Führung revolutionärer kommunis­tischer Parteien, vor allem dem KP Indiens (Maoistisch), sowohl militante Massenorganisationen der Arbeiter/innen und Werktätigen als auch bewaff­nete Volksbefreiungs-Guerillaarmeen gegen die Unterdrückung der Arbei­ter/in­nenbewegung und die revolutionär-demokratischen Bewegungen der Kleinbäuer/innen und anderen unterdrückten Volksmassen. In vielen länd­lichen Gebieten ist die Befreiungsbewegung so weit fortgeschritten, dass seit Jahren die Unterdrückungsorgane des mit dem Imperialismus verbun­denen indischen bürgerlichen Staates entmachtet und verjagt sind und demo­kratisch gewählte Volksräte die politische Macht übernommen haben. Seit über 10 Jahren dehnt sich die Rote Zone vom Nordosten Indiens bis in den Süden aus. Seit mehreren Jahren versucht der reaktionäre indische Zentral­staat mit über 100.000 Mann spezieller Aufstandsbekämpfungs­truppen die Roten Gebiete zurückzuerobern, um den Weg frei zu machen für die Ausplünderung des Landes, seiner Rohstoffe und seiner Volks­massen, durch die multinationalen Konzerne. Dieser mörderische Feldzug unter dem Namen „Operation Green Hunt“ hat schon zehntausende Opfer gefordert und die Empörung breiter Massen auch in den Städten hervor­gerufen, die sich mit den kämpfenden Bäuer/innen der Roten Gebiete solidarisieren.

 

Klassenkampf im eigenen Land verstärken – internationale Solidarität entwickeln!

In vielen Ländern haben sich bereits Solidaritätsbewegungen mit dem Kampf der indischen Volksmassen und dem Volkskrieg für eine neudemo­kratische antiimperialistische Revolution in Indien gebildet. Auch in Öster­reich müssen die Arbeiter/innen verstärkt internationale Verbundenheit und Solidarität mit ihren kämpfenden Brüdern und Schwestern in allen Ländern entwickeln. Grundlage dafür ist die Verstärkung des entschlossenen Kam­pfes gegen die eigenen kapitalistischen Ausbeuter und Unterdrücker und der internationalistischen Orientierung. Nur durch die Überwindung euro­zentristischer Borniertheit und rassistischer Vorbehalte kann die interna­tionale Einheit im Kampf der Arbeiter/innen aller Länder und die Verbin­dung mit dem Kampf der unterdrückten Volksmassen hergestellt werden.

Das ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf für die proleta­rische Revolution sowohl in Österreich als auch weltweit. Die indischen Volksmassen der Roten Gebiete Indiens beweisen in der Praxis, dass eine andere Welt möglich ist, eine Welt in der die kapitalistischen Ausbeuter verjagt sind und das Volk selbst die Verwaltung der eigenen Angelegen­heiten übernimmt.

 

Proletarier/innen aller Länder vereinigt euch!

Proletarier/innen aller Länder und unterdrückte Völker vereinigt euch!

 

Kundgebung in Wien im Rahmen der internationalen Solidaritätswoche: Sa 21.1.2012, 14:00 Uhr, indische Botschaft (Ecke Kärtnerstraße / Ring)

Revolutionäre Kommunist/innen – IA*RKP, Stiftgasse 8, 1070 Wien, iarkp.wordpress.com

Statt Lug und Trug um die Vermögenssteuer – Abschaffung aller indirekten Steuern!

19. Dezember 2011

Zwar schwächelt der Klassenkampf der Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie, aber dafür führt die SPÖ eine „kämpferische“ Kampagne für „Gerechtigkeit“, die von manchen ÖVP-Kreisen und Schreiberlingen als „Klassenkampf“ denunziert wird. Der medial am meisten breitgelatschte Punkt dabei ist die von der SPÖ „geforderte“ Einführung einer neuen Vermögenssteuer.

Eine „Millionärs-“ oder „Reichensteuer“ müsse her, und zwar in Form der Wiedereinführung einer Vermögenssteuer [1]. In einer APA-Aussendung wurde am 5.9.2011 der letzte Stand der SPÖ-Pläne zusammengefasst: „Privatvermögen“ sollen, soweit sie 1 Million € übersteigen, mit einem Prozentsatz von 0,3-0,5% besteuert werden. So sei gesichert, dass nur ein kleiner Teil der jährlichen Rendite dieser Vermögen, nicht aber die Substanz besteuert würde. Nicht besteuert werden soll – neben dem ersten Milliönchen –  auch der Hauptwohnsitz (der auch ein nettes Schlösschen sein kann) und ebenso wenig „Kunstgegenstände, Antiquitäten, Edelmetalle und Schmuck etc.“, alles, was ein normaler Mensch halt so hat. Wie Grundstücke dabei bewertet werden (mit den bisherigen „Einheitswerten“, die nur einen Bruchteil ihres wirklichen Werts darstellen?) ist noch offen. 80.000 Leute wären betroffen, das sei 1% der Bevölkerung und zwar das reichste.

So weit, so löblich, könnte man sagen. Zwar erwartet sich sowieso niemand etwas, was die Bezeichnung „Umverteilungsmaßnahme“ auch nur einigermaßen verdient, man kennt ja die SPÖ, es ist ja nicht ihr erster Reformplan, aber warum eigentlich nicht, denken viele, „irgendwie gerecht“ wär’s schon. Nutzt’s nix, schadt’s nix.

Sobald wir in die „Details“ gehen, entpuppt sich freilich die hehre Absicht als miese Rosstäuscherei. Wichtigstes „Detail“: Betriebsvermögen und Privatstiftungen werden der Vermögenssteuer nicht unterworfen, nur „Privatvermögen“ sind anvisiert. Nun ist es aber so, dass die wirklichen Reichen, also die großen Kapitaleigner, kaum ein Privatvermögen haben. Wenn man Bourgeoisie oder Finanzoligarchie sagt, denkt man an große Kapitale wie die Großbanken, Siemens oder Voest, Porr oder Strabag, den Raiffeisensektor etc.  Diese „Betriebsvermögen“, die den weitaus überwiegenden Teil des kapitalistischen Vermögens ausmachen, sind von vornherein nicht Gegenstand der neuen Steuer. Bleiben noch die „Privatvermögen“ der einzelnen Bourgeois,  also das, was sie sozusagen als „Privatleute“ aus ihrem (natürlich ebenfalls Privateigentum darstellenden) „Betriebsvermögen“ herausziehen. Auch das wird nicht Gegenstand der neuen Steuer sein, denn sie haben es in die weltberühmten österreichischen „Privatstiftungen“ eingebracht, die heute schon Steuerparadiese in einem Ausmaß sind, dass sich die Bahamas eine Scheibe abschneiden könnten [2]. Kurz und gut: das eigentliche kapitalistische Vermögen ist von der „Reichensteuer“ von vornherein ausgenommen. Man erwischt zwar vielleicht einige – im Vergleich zum gemeinen Volk – relativ Reiche [3], spart aber das große Kapital von vornherein aus. Das Projekt ist reine Augenauswischerei und nichts als Volksbetrug.

Es ist nicht „gerecht“, sondern nur verlogen, wenn man mit einer „Reichensteuer“ herumfuchtelt, um davon abzulenken, dass man die wirklichen Reichen verschont. Außerdem ist es mit der „Gerechtigkeit“ überhaupt so eine Sache. Ein (nicht allzu christlicher) Bourgeois sagte einmal auf die Vorhaltung eines „kleinen Mannes“, dass dieses oder jenes nicht gerecht sei: Gerechtigkeit lässt sich eben im irdischen Jammertal nicht verwirklichen, deshalb hat ja die Menschheit den Himmel erfunden. Aber stellen wir uns einen Moment lang auf den Standpunkt der „Gerechtigkeit“ und tun wir so, als nähme die SPÖ ihre „Punkte für Gerechtigkeit“ ernst, nämlich dass die Reichen auch etwas beitragen sollten zum „Gemeinwohl“, um das volle Abladen der Krisenfolgen auf die Arbeiterklasse und Volk etwas abzumildern und wenigstens ein bisschen „von oben nach unten“ umzuverteilen. Bertolt Brecht hat den wahren Sachverhalt treffend dargestellt:

Armer Mann und reicher Mann

Standen da und sah’n sich an

Und der arme sagte bleich

Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.

Wäre Brecht kein Kommunist, sondern ein reformistischer Gerechtigkeits- und Umverteilungsapostel gewesen, hätte er nicht für die Beseitigung des Kapitalismus, sondern nur für dessen Abmilderung gekämpft, dann hätte die letzte Zeile so gelautet (wobei er dann natürlich aus reimerischen Gründen auch die vorletzte Zeile hätte umdichten müssen) [4]:

Wärst Du nicht reich, wär’ ich nicht arm.

Und diese kleine Differenz ist genau der Punkt. Keinesfalls ist nämlich der Arme arm, weil der Reiche reich ist (und man also das Übel sanieren könnte durch Umverteilung „von oben nach unten“). Es ist vielmehr so, dass der Reiche nur reich ist, weil der Arme arm ist, das heißt weil er den Armen, den Proletarier ausbeutet. Gäbe es die Ausbeutung nicht, gäbe es auch den Reichen nicht (und natürlich auch keinen Armen). Um das Übel zu beseitigen, muss man daher die Ausbeutungsverhältnisse beseitigen, nicht an den Verteilungsverhältnissen herum fummeln. Müsste der Arme, der Proletarier nicht, da er selbst keine Produktionsmittel besitzt, seine Arbeitskraft an den Kapitalisten verkaufen, und zwar zu einem Lohn, der bei weitem unter dem liegt, was er durch seine Arbeit an Wert schafft und wovon sich das Kapital einen großen Teil aneignet, sondern könnte er die Früchte seiner Arbeit selbst ernten, dann bliebe für den Kapitalisten – nichts. Dann wäre der Lohnarbeiter kein Lohnarbeiter mehr und es gäbe auch keinen Kapitalisten mehr. Weil aber die Abschaffung des Kapitalismus im Rahmen des Kapitalismus unmöglich ist, ist die ganze Umverteilungsmasche bestenfalls eine Illusion, meist aber ein absichtlich ausgestreuter Blödsinn und immer ein Irrlicht für den Klassenkampf. Die „Verteilungsgerechtigkeit“ ist nur eine Chimäre (ein Trugbild) zum Zwecke der Täuschung des Volkes. Es ist ein absurder Gedanke, man könne, nachdem die Ausbeutungsverhältnisse auch zwangsläufig zu bestimmten Verteilungsverhältnissen führen [5], dieses traurige Resultat nachträglich durch eine „Umverteilung“ teilweise wieder rückgängig machen.

Aber zurück zum Vermögenssteuer-Konzept der SPÖ. Gerade weil dieses Konzept vielen, selbst wenn sie an die Gerechtigkeits- und Umverteilungsmärchen glauben, ziemlich zahnlos erscheint, braucht es noch ein „linkes“ Feigenblatt als Draufgabe, z.B. in Gestalt der AK Oberösterreich, die dem zahnlosen Konzept – natürlich nur zu  Propagandazwecken -  etwas mehr „Biss“ geben möchte. Sie möchte, dass auch Stiftungen von der neuen Steuer erfasst sein sollen, nicht alle, aber die „eigennützigen Stiftungen“. Entweder kennen sie das österreichische Stiftungsrecht nicht oder sie wollen die Sache völlig vernebeln (einschließlich der Rolle der SPÖ bei der Einführung und Vermarktung dieses Stiftungsrechts). Ein einziger Blick auf die Privatstiftungen hätte gezeigt, dass praktisch alle zumindest „doppelnützig“ sind, also „eigennützig“ mit einem kleinen „gemeinnützigen“ Aufputz (das heißt alles wirklich so im Stiftungsrecht!). Irgendwie musste man die Steuerprivilegierung ja begründen. Die „Idee“ der AK, wenn sie nicht zugleich auf die Forderung nach Abschaffung der „Privatstiftungen“ hinauslaufen soll, ist daher nur ein obskures Manöver, das zwar jahrelange Streitereien über den eigennützigen oder uneigennützigen Charakter einer Stiftung produzieren könnte, aber kein greifbares Resultat. Außerdem propagierte die AK einen höheren, nämlich einen progressiven Steuersatz bis zu 1,5% (aber das ist schon wieder vom Tisch).

Aber, liebe Herren und Damen Stifter, diese „Idee“ ist eh nicht ernst gemeint, sondern nur für einen Artikel in den nächsten „AK-Nachrichten“ berechnet. Relevanter ist das Räsonnement des Herrn SPÖ-Finanzstaatssekretärs Schieder dazu. „Es gibt sicher Potenzial, Stiftungen höher zu besteuern, das werden wir uns genauer anschauen.“ Brav, er schaut sich etwas an, er hat offenbar das erste Mal etwas von der Steuerprivilegierung der Privatstiftungen gehört. Er verstehe auch gut die Sorge der ÖVP, setzt Schieder fort, man möge doch nicht „gerade jetzt“, angesichts der bevorstehenden neuen Krise, den „Leistungsträgern“ der Wirtschaft zu nahe zu treten; nein, nein, beschwichtigt er, es ginge ja nur darum, „jetzt Vorbereitungen zu treffen, um danach (?) mehr Gerechtigkeit zu schaffen.“ So richtig ernst scheint es der SPÖ mit ihrer „Reichensteuer“ nicht zu sein, viel ist von ihrer wilden Entschlossenheit, diese gegen den „erbitterten Widerstand der ÖVP“ durchzusetzen, nicht zu sehen.

Vor allem AK und GPA trommeln das französische Vorbild [6]. Die französische „Impôt sur la fortune“ ist die Referenz für die SPÖ. Die französische Vermögenssteuer setzt ab einer Freigrenze von 790.000 € ein, die „Befreiungen“ sind dieselben wie in Österreich geplant (Hauptwohnsitz, Kunstwerke, Antiquitäten, Edelmetalle, Schmuck…), auch dort sind „juristische Personen“ nicht betroffen. Der Steuersatz beginnt bei 0,55% und steigt auf bis zu 1,8%.

Der Ertrag aus dieser französischen Steuer belief sich im Jahr 2010 auf 3,2 Mrd. €. Die österreichische Vermögensteuer soll laut SPÖ-Führung irgendetwas zwischen 500 Mio. und 2 Mrd. € bringen, bei „Modell“ der AK sogar „deutlich über 3 Mrd. €“. Diese große Range zeigt, dass man nicht besonders viel über die betreffenden Vermögen weiss. Vielleicht hat deshalb der Herr Faymann vorgeschlagen, am besten wäre es, die Betroffenen würden sich freiwillig beim Finanzamt melden und sich einfach selbst versteuern, weil finden tät’ man sie eh nur schwer. Der Steuerertrag wäre also fast gleich hoch wie der in Frankreich. Frankreich ist aber zehnmal größer als Österreich, auch die Bourgeoisie, auch ihr Vermögen. Der geplante Steuersatz ist niedriger als in Frankreich, die Freigrenze höher, die „Befreiungen“ ident. Durch welches Wunder kommt man dann auf einen Steuerertrag, das gleich hoch ist wie der in Frankreich?

Wenn wir von den „500 bis 2.000“ Mio. € der SPÖ ausgingen, wären das zwischen 0,6% und 2,4% des österreichischen Steueraufkommens. Legt man realistischere „französische Maßstäbe“ an, landet man aber vielleicht bei 0,2%. Im Vergleich zu den Steuerbefreiungen und Steuerbegünstigungen des Kapitals, nicht nur der Stiftungen, sondern auch bei der Körperschaftssteuer, ist das ein Witz und pure Augenauswischerei. Vor allem aber muss der Gesichtspunkt der Arbeiterklasse in Steuerfragen ein ganz anderer sein. Sie muss sich um sich selbst kümmern, nicht sich den Kopf der Bourgeoisie und ihres Staates zerbrechen. Der Löwenanteil (80%) des Steueraufkommens 2010 von insgesamt 78,5 Mrd. €  stammt aus der Massenbesteuerung, und zwar 21 Mrd. € aus der (direkten) Lohnsteuer und 42 Mrd. € aus der (indirekten) Mehrwertsteuer (samt anderen Verbrauchssteuern). Von diesen zwei hauptsächlichen Massensteuern macht die Lohnsteuer ein Drittel und die indirekten Steuern zwei Drittel aus. Und sie werden mehr und mehr, jedes Prozent Inflation bedeutet allein schon ein Prozent oder 420 Mio. € mehr an indirekten Steuern, das sind bei der derzeitigen Inflationsrate von 3,5% satte 1.500 Mio. € im Jahr. Demgegenüber erscheint die neue Vermögenssteuer als das, was sie ist. „Der Berg kreißte und gebar ein Mäuschen“, könnte man sagen, aber es handelt sich um vorsätzliche Lügerei und Betrügerei.  „Wie auch die Lüge uns schmähend umkreist…“ wäre vielleicht angemessener.

Résumé: Die geplante Vermögenssteuer leistet keinen irgendwie relevanten Beitrag zu einer – ohnedies nur illusorischen – „Umverteilung“. Es geht selbst im besten Fall nur um einen zwergenhaften Anteil am gesamten Steueraufkommen. Die wirklichen großen Kapitale werden gar nicht betroffen. Von der tatsächlichen Steuerausplünderung von Arbeiterklasse und Volk durch die bourgeoise Staatsmacht wird dadurch nur abgelenkt. Sie sollen die schleichende Lohnsteuerprogression und vor allem die schleichend wachsende Mehrwertsteuererbelastung ohne Murren schlucken, weil ohnehin die „Reichen“ auch ein bisschen mit der Vermögenssteuer sekkiert werden. Die Mehrwertsteuer und die anderen indirekten Steuern sind das Wichtigste; sie treffen alle, auch, ja gerade die Ärmsten, und sie steigen mit der Inflation. Will man sich gegen Ausbeutung und Ausplünderung wehren, muss nicht für eine „Umverteilung“ gekämpft werden, sondern für andere Eigentums- und Produktionsverhältnisse, die auch eine andere „Verteilung“ erlauben, nicht nur der Konsumgüter, sondern auch der Produktionsmittel (indem man die Kapitalisten enteignet und die Produktionsmittel vergesellschaftet). Dies geht nur, indem man zuerst die Machtverhältnisse ändert: Wer hat die Staatsmacht – das Kapital oder die Arbeiterklasse? Auf dem Weg dorthin, zur wirklichen Beseitigung des Übels, muss auch gegen die Steuerausplünderung gekämpft werden. Aber nicht durch „gerechte Projekte“ wie die Vermögenssteuer, sondern indem man die Massenbesteuerung bekämpft. Die Kapitalisten sollen sich ihren Staat selber zahlen! Die bei weitem wichtigste Forderung in Steuerfragen muss die nach Abschaffung aller indirekten Steuern sein. Wer hingegen an die indirekten Steuern nicht rührt, wer um sie vielmehr einen großen Bogen macht (wie z.B. die beiden oben zitierten Broschüren der AK und der GPA, aber auch sonst alle Gerechtigkeits- und Umverteilungsapostel), der ist, was immer er sonst über Steuerfragen plappert, entweder ein Dummkopf, im Zweifelsfall aber ein Lügner und Betrüger. Die Grenze ist fließend und man kann darüber streiten, was schädlicher ist für den Klassenkampf.


[1] Es gab schon einmal eine Vermögenssteuer in Österreich, die 1994 unter dem SPÖ-Finanzminister Lacina abgeschafft wurde. Der Verfassungsgerichtshof hatte nämlich „erkannt“, dass es dem „Gleichheitsgrundsatz“ widerspreche, dass die Industrie- und Bankkapitalisten mehr Vermögenssteuer zahlen als die großen Grundbesitzer. Damals zahlten nämlich 80% der Vermögenssteuer die  „Betriebe“, während der Grundbesitz gewöhnlicher Mittel- und Großbauern nur wenig besteuert wurde, da hier die Steuerbasis die „Einheitswerte“ waren, die bekanntlich nur einen Bruchteil ihres wirklichen Werts darstellen. Diese „Ungleichheit“ hätte man natürlich auch nach der anderen Seite hin beseitigen können. Tat der Herr Lacina aber nicht, er brüstete sich vielmehr damit, wieder eine Kapitalistensteuer abgeschafft zu haben – zwecks „Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich“ und ganz im Zug der neoliberalen Zeit.
[2] Es gibt 3.300 Privatstiftungen in Österreich. Viel wirklich großes Privatvermögen außerhalb der Privatstiftungen wird es nicht geben. Aus dem „Stiftungshandbuch“ von Arnold/Ludwig: „Die österreichische Privatstiftung gilt unter Experten als das freizügigste Privatstiftungsrecht und bietet in der Regel europaweit die größten Steuervorteile… An der Spitze der wichtigsten Unternehmensgruppen Österreichs stehen überwiegend Privatstiftungen (Anm.: das ist übertrieben und gilt für viele börsenotierte Konzerne so nicht). Privatstiftungen leisten aber auch einen unverzichtbaren Beitrag im gemeinnützigen Bereich.“
[3] Das ist vermutlich auch ein Grund für das Gekrampfe um die Vermögenssteuer. Die Swarowskis oder Haselsteiners z.B. träfe sie eh nicht (die haben ja nur ihr „Betriebs-“ und Stiftungsvermögen), aber alle die „Funktionäre“ und „Verantwortungsträger“ in Staats-, Parteien-, Kammer- und Gewerkschaftsbürokratie, die die neue Steuer beschließen sollen, vielleicht schon (wenn auch nicht sehr stark) und wer schießt sich schon gerne ins eigene Knie? Ist die neue Vermögenssteuer gar doch nur eine Propagandablase?
[4] Wäre er ein Sozialdemokrat gewesen, hätte er sich überhaupt nicht so despektierlich über die „Leistungsträger“ der Gesellschaft geäußert. Beim jüngsten Parteitag der deutschen SPD sagte der Herr Steinbrück z.B. sinngemäß: Die SPD ist dazu da, eine Brücke zwischen den Armen und den Reichen zu schlagen, und diese Aufgabe „kann man nur erfüllen, wenn man die Reichen nicht verprellt“. Es ging auch dort um einen Antrag der „Parteilinken“ in Sachen Steuerreform.
[5] Der Arbeiter verkauft seine Arbeitskraft und kriegt als Gegenwert dafür seinen Lohn. Er schafft aber durch seine Arbeit ein Wertprodukt, das diesen seinen Lohn bei weitem übersteigt. Der Kapitalist, der Besitzer der Produktionsmittel (der Maschinen, Fabriken, Transportmittel…) ist und dem daher das vom Arbeiter geschaffene Wertprodukt „von Natur aus“ zusteht, eignet sich den Überschuss über den gezahlten Lohn an. Das ist der Mehrwert oder Profit. Das ist das zwangsläufige Ergebnis der Tatsache, dass der Kapitalist die Produktionsmittel besitzt und der Arbeiter nichts als seine Arbeitskraft. Die Verteilung des geschaffenen Werts entspringt unmittelbar und zwingend aus den Produktions- und Eigentumsverhältnissen. Wenn man grundlegend etwas an der „ungerechten“ Verteilung ändern will, muss man diese letzteren Verhältnisse ändern, sprich: dem Kapitalisten die Produktionsmittel wegnehmen. Das ist die sozialistische Revolution.
[6] AK OÖ: „Verteilung der Vermögen in Österreich. Hohes Potenzial für eine Vermögenssteuer“ (August 2011); GPA: „FAQs: Vermögenssteuer“  (März 2010). Die „Denkschrift“ der GPA zur Vermögensteuer enthält auch noch eine auf den ersten Blick bemerkenswerte Kuriosität. Sie zerbricht sich den Kopf darüber, wie mit Leuten umzugehen wäre, die z.B. ein Vermögen von 10 Millionen haben, aber ein Einkommen von nur  1.000 € im Monat. Das wird es kaum geben, meint sie, aber wenn doch, dann hat sie  dafür schon eine Lösung bereit: man könnte ja für diesen Fall die neue Vermögenssteuer mit z.B. 50% des Einkommens deckeln. In unserem Beispiel zahlt der gute Mann oder die gute Frau dann 50% vom Jahreseinkommen von 12.000 € = 6.000 €. Das wäre ein faktischer Vermögenssteuersatz von satten 0,06%. Absurd? Überhaupt nicht, denn sie täuschen sich damit, dass so etwas kaum vorkommt. Im Gegenteil ist es für einen wirklichen Reichen leicht darzustellen, „privat“ kein oder nur ein geringes Einkommen zu haben. Er zieht ja alles, was er braucht, gratis aus seinem „Betriebsvermögen“ heraus. Die Villa, das Dienstauto plus Chauffeur, den Hubschrauber, gegebenenfalls die Yacht, die Wohnung, eventuell von allem auch mehrere, alle Mahlzeiten („Arbeitsessen“), die Prostituierten – alles zahlt sich aus dem „Betriebsvermögen“, dem eigene oder dem eines anderen. (Der berühmte Ex-Chef des IMF, Herr Dominique Strauss-Kahn, weiß vielleicht wirklich nicht immer, wer ihm die Prostituierten, die ihn in jedem Hotel, wo er absteigt, erwarten, eigentlich zahlt. Sagte er jedenfalls gerade im „Hotel Carlton/Lille“-Prozess aus.) Allenfalls braucht er ein bisschen Bargeld für Trinkgelder oder wenn er zwischen zwei Arbeitsessen Hunger kriegt und schnell zu einem Würstelstand muss. Interessant aber vor allem, wie gründlich sich die GPA mit dem französischen Vorbild beschäftigt hat. Denn genau eine solche Deckelung wurde 2006 eingeführt. Das hat den französischen „Millionären“ eine zusätzliche Steuerersparnis von  800 Millionen € pro Jahr gebracht und in den letzten Jahren zu milliardenschweren Rückzahlungen geführt. Es war nämlich genau so, dass viele Vermögens-„Millionäre“ eigentlich gar kein oder nur ein kleines privates Einkommen haben. An was so eine GPA alles denkt! Aber vielleicht wird das das Ei des Kolumbus: wie führe ich auf dem Papier eine Vermögenssteuer ein und faktisch doch nicht? Übrigens musste die französische Regierung wegen der großen Empörung im Volk über so eine schreiende Sauerei diese Deckelung ab 2012 wieder abschaffen.
 
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Weg mit der kapitalistischen Klassen-Medizin!

15. Dezember 2011

Eine wirkliche Gesundheitsversorgung für die Arbeiter/innenklassekann ohne proletarische Revolution nicht erreicht werden!

Das ganze Gesundheitssystem ist heute krank.

Wenn wir die Entwicklung der letzten 50 Jahre verfolgen, sehen wir dass die Gesund­heitsversorgung heute deutlich schlechter ist als um 1975. Besonders wenn wir uns die Qualität und die Kosten der Krankenkassen-Versorgung der brei­ten Masse der Arbei­ter/innen und kleinen Ange­stellten anschau­en, wird deutlich, dass einerseits die Gebüh­ren drastisch zugenommen haben (Kran­ken­ver­sicherungsbeitrag, Selbstbehalte, Rezept­ge­bühren,…), andererseits aber die durch­schnittliche Qualität der medizinischen Ver­sor­gung (Betreuung durch Ärzte/innen und Kran­ken­pfleger/innen, Bezahlung von Be­hel­fen wie Brillen, Zahnkronen usw.) stark ge­sun­ken ist.

Das ist natürlich nicht die Schuld des medizi­ni­schen Personals, den „kleinen“ Stations­ärzten und Krankenpfleger/innen – bei de­nen ist die Arbeitshetze sogar deutlich gestie­gen und sie müssen sich heute sogar noch mehr abstrudeln als früher. Es ist eine Frage der staat­lichen Organisierung des Volks­gesund­heits­wesens im Kapitalismus.

Ärzt/innen, die sich dem System der Patienten­selektion widersetzen und ihr Fachwissen offensiv den Patient/innen en zur Verfügung stellen, funktionieren nicht im Sinne des Kapitals. Aus diesem Grund wird alles versucht, sie aus dem Stand der Ärzteschaft zu entfernen. Zuerst werden sie über die Medien­öffentlichkeit unmöglich gemacht, dann kommen Gerichtsverfahren und Bestechungs­ver­suche, wenn das alles nichts hilft, die Psychiatrie. Konkrete Bei­spiele dafür sind Werner Vogt vom Wiener Unfall­krankenhaus in früheren Jahren oder Wolfgang und Ursel Huber aus Heidelberg.

Heute gilt in Österreich inzwischen – wie in vielen anderen Ländern der EU: Bist du kein/e Privatpatient/in und zahlst du nichts drauf (bar oder über selbst­finanzierte Zusatzversicherung), dann wirst du wie der letzte Dreck behandelt, bestenfalls am Fließband. Sowohl beim Doktor als auch im Krankenhaus.

Heute schon ist es so, dass Ärzt/innen eine Jahres­abrech­nung über ihre Verschreibungen (Medika­mente, Verbandsmaterial usw.) des letzten Jahres bekom­men. Darin wird festgehalten, ob sie unter oder über den vorgesehenen Kosten pro Patient/in liegen. Wenn sie billiger waren kriegen sie Bonuspunkt, wenn sie mehr Ausgaben als vorgesehen pro Patient/in verrechnet haben, gibt’s Maluspunkte.

Bei der Bewilligung, ob ein/e Patient/in 30 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus eine weitere Bewilligung für eine mobile Hauskrankenpflege zu­gesprochen bekommt, läuft es so ab: Der Chefarzt der Gebietskrankenkassa am Wienerberg schaut sich nicht die Patient/innen an, sondern standardmäßig die Fotos der Wunde und entscheidet ohne Studium des Pflegschaftsberichts, ob z.B. ein professionel­les Wechseln des Verbandes durch eine/n diplomierte/n Krankenpfleger/in notwendig ist oder nicht. Der Chefarzt schaut sich weder die Wunde noch die medizinische Dokumentation des Patienten an, weil das würde zu viel Zeit dauern; es sind aber pro Pa­tient/in nur maximal 2 Minuten zur Beurteilung vor­gesehen. Fließbandabfertigung im übelsten Sinn!

Besonders krass zeigen sich die Probleme des der­zeitigen österreichischen „Krankenversorgungs­wesens“ am Beispiel des größten Krankenhauses in Österreich, dem Wiener AKH:

Überall wird gespart: beim Essen für die Patienten ebenso wie beim Verbandmaterial (z.B. Silber­ver­bands­präparate für offene Wunden, das desin­fizie­rend wirkt und nicht mit der Wunde ver­klebt).

Schon jetzt sind die Nachtdienste in vielen Kranken­häusern – nicht nur im AKH – unterbesetzt; das zeigt sich vor allem in Nächten mit vielen Notfällen. Jetzt sollen im AKH weitere Posten eingespart werden.

Für jeden seriösen Arzt ist es unmöglich, dass gleich­zeitig die Ambulanz und der Operationssaal betreut werden – aber sie werden über die Knebelverträge u.a. im AKH dazu gezwungen.

Ähnliche Situationen gibt es bei den Krankenträ­ger/innen, die zu manchen Zeiten praktisch ohne Pause stundenlang durcharbeiten müssen.

Im AKH gibt es schon heute einen derartigen Perso­nal­notstand, dass viele Beschäftigte kaum Urlaub ma­chen können und ihr Urlaubsanspruch verfällt.

Für die Zukunft ist bereits geplant, dass weiter diplo­miertes Pflegepersonal eingespart werden soll und stattdessen mehr Pflegehilfskräfte eingesetzt werden sollen. Zunehmend sollen die Diplomkranken­pfle­ger/innen nur noch zu Pflegevisiten einsetzt werden – die tägliche Patientenversorgung soll dann durch an­ge­lernte Hilfskräfte erledigt werden.

Weitere Probleme gibt es durch die unzureichende Schutz­kleidung für Pflegepersonal, Träger und Reini­gungspersonal besonders auf den Infektionsabtei­lun­gen – natürlich aus Kostengründen.

Aber noch einmal: Dass eine überlastete Kranken­schwester 40 Patient/innen zugleich betreuen muss, ist nicht ihre Schuld. Dass bei überlasteten Kassen­ärzten die Kranken bis ins Stiegenhaus Schlage stehen müssen, ist nicht deren Schuld. Dass du als Normalpatient wochenlang auf einen Operations­termin warten musst, ist nicht Schuld des Ärzteteams der Abteilung.

Schuld an den immer krasseren Missständen im all­ge­meinen „Gesundheitswesen“ ist das kapita­lis­tische Ausbeutersystem!

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der Zeit der Hochblüte des Imperialismus und Neokolonialismus, wurde das Gesundheitswesen in den imperialis­ti­schen Metropolen (wie Österreich) für breite Teile der Volksmassen immer weiter verbessert. Es war die Zeit des großen Aufschwungs nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs. Die Kapitalisten hatten einen Mangel an gesunden Arbeitskräften, und der groß­zügige Ausbau der Gesundheitsversorgung für die Massen (Ausbau der Krankenhäuser, Wegfall der sogenannten „Selbstbehalte“, flächendeckende Vor­sorgeuntersuchungen usw.) hat vor allem dazu ge­dient, eine gesunde und gut ausbeutbare Arbei­ter/in­nen­klasse bereitzustellen.

Mit dem krisenhaften Umschwung Mitte der 1980er Jahre hatten die Kapitalisten dann immer weniger Bedarf an frischen Arbeitskräften, die Arbeitslosen­zahlen stiegen – und eine Krankenversorgung auf immer niedrigerem Niveau (für die breiten Massen der Arbeiter/innenklasse) wurde Teil der staatlichen Politik des allgemeinen Sozialabbaus. Wozu mehr als unbedingt notwendig für die Krankenversor­gung ausgeben? Es gibt ohnehin zu viele über­schüssige arbeitslose Menschen, die noch dazu viel zu lange leben, obwohl sie nicht mehr aus­beutbar sind! So denken die Ideologen des Kapitals und die Massen­medien schreiben: Die Krankenhäuser kosten zu viel! Die Krankenkassa ist dauernd im Defizit! usw. Aber klassenbewusste Arbei­ter/innen fragen: Was gibt es wichtigeres als Gesundheit? und kritisieren die Zwei-Klassen-Gesundheitsversorgung: Wer Geld hat, kann sich eine Spitzenversorgung kaufen – aber die von einem Durchschnittslohn oder darunter leben müssen, können schauen wo sie bleiben….

Im kapitalistischen Ausbeutersystem, wo die Herren der Banken und Konzerne die Politik bestimmen, können Verbesserungen im Volks­gesundheitswesen nur vorübergehend durchgesetzt werden – z.B. in Phasen des Wirtschaftsauf­schwungs (d.h. hoher Profite für die Kapitalisten), wo ein Arbeits­kräfte­mangel die Positionen der Arbeiter/innenklasse ge­gen­über der Kapitalistenklasse stärkt.

Erst wenn die Arbeiter/innenklasse die politische Macht erobert hat, wenn die Arbeiter/innen und kleinen Angestellten die gesellschaftlichen Angele­gen­heiten in ihrem Interesse regeln, dann ist auch eine wirklich umfassende Gesundheits­versor­gung für alle Teile der Arbeiter/innenklasse und des Volkes mög­lich. Weil dann entscheiden nicht die Profitinter­essen des Kapitals auch über das Gesund­heits­wesen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine proletarische Revolution und der Sturz der Kapitalistenklasse – sonst wird das Kapital immer sein Interesse gegen das der großen Mehrheit der Bevölkerung durch­setzen.

Wer nicht will, dass das Gesundheitswesen bei uns so wird wie in den USA, wer nicht will, dass die Versor­gung der Kranken, Behinderten usw. eine Frage des Einkommens, der Ersparnisse und der Privatversi­che­rung ist, muss heute schon am revolu­tio­nären Kampf für die sozialistische Revolution teilnehmen. Eine Strategie der zwei Stufen – heute für Verteidigung des Bestehenden, morgen dann für eine bessere Gesellschaft – ist der falsche Weg. Damit können wir we­der die besseren Zustände von vorher wiederher­stellen noch insgesamt weiter kommen.

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IA*RKP in Zusammenarbeit mit SPK/PF (Sozia­listisches Patientenkollektiv/Patient/innenfront Österreich), spkpfoe@geomix.at

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