Archiv für den Monat August 2003

Wir wollen das einfache, das schwer zu machen ist. Aber was will die KPÖ?

Anlässlich Volksstimmefest 2003

Flugblatt, August 2003

Die KPÖ wird bald 85 Jahre alt. Sie wurde am 3. November 1918 in Wien-Favo­riten ge­grün­det. An­ge­sichts so ei­nes Ju­bi­läums drängen sich na­tür­lich ei­ni­ge Fra­gen auf: z.B. wofür ist die KPÖ 1918 ge­grün­det wor­den? Wofür steht die KPÖ heute? Brauchen wir im 21. Jahrhundert in Öster­reich noch eine kom­mu­nis­ti­sche Par­tei?
Vor allem die bittere Erfahrung des ersten im­perialistischen Welt­kriegs (1914 bis 1918) und die Ab­wür­gung des großen Jän­ner­streiks von 1918 durch die sozial­demo­kratische Partei­füh­rung ließ unter den fortgeschrittensten öster­reichischen Ar­bei­ter/­innen die Er­kennt­nis heran­rei­fen, dass es zwischen Marx­is­mus und Anti­marx­is­mus, zwi­schen Re­vo­lu­tion und Op­por­tu­nis­mus kei­ne Ein­heit ge­ben kann. Der Bruch mit den Op­por­tu­nis­ten, die sich im im­pe­ria­lis­ti­schen Krieg ein­deutig als Agen­ten der Bour­geoi­sie in der Ar­bei­ter/­innen­bewegung offen­bart hat­ten, wurde un­ver­meid­lich, und führte, an­ge­feuert durch das Bei­spiel der rus­sischen Ok­to­ber­revo­lution, zur eigen­stän­di­gen revolutionär-marxistischen Or­ga­ni­sie­rung der öster­reichischen Lin­ken in Gestalt der KPÖ.

Eine kommunistische Partei, das ist eine Par­tei, die die fort­ge­schrit­tens­ten Arbei­ter/­innen or­ga­ni­siert, um sie mit den fort­ge­schrit­ten­sten Ideen, den Ideen des wis­sen­schaft­lichen Kom­mu­nis­mus oder Marx­is­mus-Lenin­is­mus, ver­traut zu ma­chen um die Ar­bei­ter/­innen­klasse möglichst zur Gänze für die pro­le­ta­risch-so­zia­lis­tische Revo­lution zu ge­win­nen. Ziel der pro­le­tarisch-sozia­lis­tischen Re­vo­lu­tion ist die Er­rich­tung ei­ner Ge­sell­schaft ohne Aus­beu­tung, ohne Unter­drückung, ohne Krieg, ohne Patri­archat usw., also ei­ner klas­sen­losen Ge­sell­schaft.

Dass die KPÖ heute und ei­gent­lich be­reits seit mehreren Jahr­zehn­ten kei­ne Par­tei ist, die re­vo­lu­tionär-kom­mu­nis­ti­schen An­sprü­chen ge­nügt, liegt auf der Hand. Wenn wir die­se Par­tei an den Maß­gaben der grund­le­gen­den Um­wäl­zung der (spät-)bür­ger­lichen Ge­sell­schaft mes­sen, dann ist das Er­geb­nis nie­der­schmet­ternd.

Was wollen die revolutionären Kommunist/innen?

Statt Privatbesitz an Fabriken, Grund und Boden, an den Produktionsmitteln ü berhaupt im Interesse des Pro­fits: ge­sell­schaft­li­cher Be­sitz al­ler Pro­duk­tions­mit­tel! Statt mör­de­rischem Kon­kur­renz­kampf und A­nar­chie der Pro­duk­tion nach dem Gesetz „der Stär­ke­re frißt den Schwä­che­ren“: Pla­nung der Wirt­schaft durch die Ar­bei­ten­den und Durch­sich­tig­keit der wirt­schaft­lichen Ab­läufe für die Ar­bei­ten­den! Statt Ar­beit als Fluch, als Mit­tel der Aus­beu­tung, statt die Ar­bei­ter/­in­nen zu An­häng­seln der Ma­schine zu ma­chen und ihre Un­ter­ord­nung unter men­schen­un­wür­di­ge For­men der Ar­beits­tei­lung: Die Ar­beit als ers­tes Le­bens­be­dürf­nis der Men­schen, nach ihrem Plan, ihren Fähig­kei­ten und Be­dü rf­nis­sen, und ge­stal­tet im In­te­res­se der un­mit­tel­ba­ren Pro­du­zent/­in­nen! Statt Spal­tung der Ge­sell­schaft in Klas­sen, in Aus­ge­beu­te­te und Aus­beu­ter, in Stadt und Land, in Frauen und Män­ner, in geistige und kör­per­li­che Ar­beit, in In- und Aus­län­der: Freie As­so­zi­ation (Ver­ei­ni­gung) der Schaf­fen­den in vol­ler Gleich­be­rech­ti­gung und Frei­heit, ohne Un­ter­drückung und Aus­beu­tung! Statt Krie­gen zwi­schen den Völ­kern, na­tio­na­lem Hass und Ras­sen­hass: Frei­wil­lige Ver­bin­dung der Völ­ker zur Mensch­heit im Welt­kom­mu­nis­mus!

Lob des Kommunismus

Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.
Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.
Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm.

Die Dummköpfe nennen ihn dumm,
und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.
Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen.

Wir aber wissen:
Er ist das Ende der Verbrechen.
Er ist keine Tollheit sondern
Das Ende der Tollheit.
Er ist nicht das Rätsel
Sondern die Lösung.
Er ist das Einfache
Das schwer zu machen ist.

(Bertolt Brecht)

Die klaren von Marx, Engels, Lenin und Stalin wis­sen­schaft­lich er­ar­bei­te­ten Um­ris­se und Grund­la­gen einer künf­ti­gen kom­mu­nis­ti­schen Ge­sell­schafts­ord­nung wer­den durch die ge­sam­te ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lung im­mer zwin­gen­der und drin­gen­der. Der schrei­en­de Wi­der­spruch zwi­schen un­ge­heu­rem Reich­tum, Mil­liar­den, so­gar Bil­lio­nen für Rüs­tungs­gü­ter und Mil­lio­nen von To­ten in im­pe­ria­lis­ti­schen Krie­gen und in Hun­gers­nö­ten wird im­mer of­en­sicht­lich­er. Die un­ge­heu­er ge­wach­se­nen Mög­lich­kei­ten auf tech­ni­schem Ge­biet, die Pro­duk­tion zu ver­ein­fa­chen, Wa­ren, Kon­sum­gü­ter im Ü­ber­fluss her­zu­stel­len, die Ar­beits­zeit auf ein Mi­ni­mum zu ver­kür­zen, die Pro­duk­tion durch neue Me­tho­den der Ü­ber­sicht, Durch­sich­tig­keit und Ver­bin­dung zwi­schen den Men­schen um­fas­send zu ge­stal­ten auf der ei­nen Sei­te – und auf der an­de­ren Sei­te die Rea­li­tät, dass die neu­en tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten nur zur Schaf­fung ei­ner im­mer noch rie­si­ge­ren Ar­mee von Lohn­er­werbs­ar­beits­lo­sen, zu noch bru­ta­le­rer Aus­beu­tung der Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se und der Werk­tä­ti­gen be­nutzt wer­den – all das zeigt un­wi­der­leg­bar, dass der ein­zi­ge Aus­weg der Kom­mu­nis­mus ist!
Das Ziel des Kom­mu­nis­mus zu er­rei­chen, er­for­dert ei­nen gi­gan­ti­schen und schwie­ri­gen Kampf, ei­nen auch nach dem ers­ten Sieg der Re­vo­lu­tion an­hal­ten­den Klas­sen­kampf der Ar­bei­ter/­in­nen und ihr­er Ver­bün­de­ten ge­gen die Bour­geoi­sie der gan­zen Welt, es er­for­dert die Ver­wirk­li­chung der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­riats!
Die Fort­setz­ung des Klas­sen­kampfs un­ter den Be­din­gun­gen der Ar­bei­ter/­in­nen­macht, un­ter de­nen die Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se den Staats­ap­pa­rat in ihre ei­ge­nen Hän­de ge­nom­men, völ­lig neu auf­ge­baut hat und als schar­fe Waf­fe im Klas­sen­krieg ge­gen die alte Welt be­nutzt, als Waf­fe für den Auf­bau des So­zia­lis­mus, als Schutz für die so­zia­lis­ti­sche De­mo­kra­tie, birgt in sich auch die Mög­lich­keit von Nie­der­la­gen, die große his­to­ri­sche Rück­schrit­te auf dem Weg zum Kom­mu­nis­mus be­deu­ten kön­nen.

Der Sieg der Revolution in der Sowjet­union, die dor­ti­ge Er­rich­tung der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­riats, die Un­ter­drückung der Aus­beu­ter und ihrer An­hän­ger, die Siege der Völ­ker in an­de­ren Län­dern nach der Nie­der­lage des Nazi-Fa­schis­mus wa­ren rie­si­ge Schrit­te vor­wärts im ge­wal­ti­gen Rin­gen zwi­schen den Kräf­ten des Fort­schritts und des Kom­mu­nis­mus ei­ner­seits und den Kräf­ten der Re­ak­tion und der Aus­beu­tung andererseits.
Die Unter­schätzung der Ge­fahren in die­sem ge­wal­ti­gen Rin­gen, die Re­vi­sion des Marxismus-Leninismus, die schlei­chen­de Ein­nistung von al­ten Ge­wohn­heiten der Aus­beu­ter­ge­sell­schaft, von Bü­ro­kra­tis­mus und Pri­vi­le­gie­rung ha­ben da­zu ge­führt, dass in den be­reits von Aus­beu­tung be­frei­ten Län­dern neue Aus­beu­ter­klas­sen ent­stan­den sind. Seit den 1960er Jah­ren wa­ren in der So­wjet­union und den ehe­ma­li­gen Volks­demo­kra­tien Eu­ro­pas (außer Al­ba­nien) über­all Cliquen an der Macht, die den Kom­mu­nis­mus ver­ra­ten ha­ben, die die Ar­bei­ter/­in­nen un­ter­drück­ten, die mit dem Im­pe­ria­lis­mus ge­mein­sa­me Sache ge­macht ha­ben und die sich mit ihm strit­ten, wenn es um Raub­zü­ge ge­gen die Völ­ker und die Auf­tei­lung der Beu­te ging. Es ist nur selbst­ver­ständ­lich, dass die Bour­geoi­sie den Bank­rott der re­vi­sio­nis­ti­schen Staaten wie er 1989ff er­folgte für ihre Zwecke weid­lich aus­nützt. Da­bei ma­chen sie sich un­ver­schämt wie sie nun ein­mal sind, die Tat­sache zu­nutze, dass sich die Macht­ha­ber je­ner Län­der selbst kom­mu­nis­tisch nannten, obwohl sie in Theorie und Praxis längst un­wider­ruf­lich mit dem wis­sen­schaft­lichen Kom­mu­nis­mus, der Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin ge­bro­chen hat­ten. Auch die KPÖ hat durch Jahr­zehnte hin­durch die Re­gime der Chruschtschows, der Breschnews, der Gorbatschows, der Ceausescus, der Husaks, der Honeckers usw. ge­gen­über der öster­rei­chi­schen Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se als sozia­lis­tisch pro­pa­giert. Nun ver­sucht sie uns mehr oder weniger geschickt weis­zu­machen, dass So­zia­lis­mus im Grun­de nicht mög­lich sei, was sich in der Praxis ge­zeigt hät­te. Das ein­zig „Mach­bare“ sei der Er­halt des Be­stehen­den, ge­mil­dert durch ein paar Re­for­men an der blut­rünsti­gen ka­pi­ta­lis­tisch/­im­pe­ria­lis­tischen Ge­sell­schafts­ord­nung.
Der schwierige, aber einzige Weg zum Kom­mun­ismus führt über die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats. Der Zu­sam­men­bruch der re­vi­sio­nis­tisch-ka­pi­ta­lis­tischen Staaten Eu­ro­pas spricht kei­nes­wegs ge­gen den So­zia­lis­mus/Kom­mu­nis­mus, er ist nur ein wei­te­rer Be­weis der un­wi­der­leg­ba­ren Tat­sache, dass die Ab­kehr vom wis­sen­schaft­lichen Kom­mu­nis­mus, vom Marxismus-Leninismus ge­sell­schaft­liche Hö­her­ent­wicklung un­möglich macht.
Daher muss im Mit­tel­punkt kom­mu­nis­tischer Pro­pa­ganda nicht nur das Ziel des Welt­kom­mu­nis­mus als ein­zi­ger Al­ter­nat­ive zur ver­faul­ten im­pe­ria­lis­tischen Ge­sell­schafts­ord­nung ste­hen, son­dern ge­ra­de auch die un­be­dingte Not­wendig­keit der Si­che­rung und Er­kämpf­ung der De­mo­kra­tie und Frei­heit der Abei­ter/­in­nen und ihrer Ver­bün­de­ten durch die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­riats über die Klas­sen­feinde.
Trotz ÖGB-Führung, trotz den Schein­al­ter­na­tiven, die uns rosa und grüne Spitzen­funk­tio­näre wort­reich ein­re­den wol­len, trotz den ab­ge­stan­de­nen Ideen, die uns Re­for­mis­ten und Re­vi­sio­nis­ten im­mer wie­der als an­geb­lich aller­neueste Er­kennt­nis­se auf­tischen, trotz Aber­glauben in „diesen Staat“, trotz Un­glauben an die Mög­lich­keit des Auf­baus ei­nes wirk­lichen So­zia­lis­mus, ei­ner wirk­lichen De­mo­kra­tie im Sys­tem der Dik­tatur des Pro­le­ta­riats über alle Aus­beu­ter und Re­ak­tio­näre …

Allen Schwierig­keiten zum Trotz: Es gibt auch im Öster­reich des 21. Jahr­hunderts über­haupt keinen an­deren Weg als den schwie­ri­gen, lan­gen Weg des Auf­bau einer wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten marxistisch-leninistischen Par­tei der Fort­geschrit­tensten der Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se, die all­um­fas­send den Kampf für den Kom­mu­nis­mus führt und an der Spitze der Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se und ihrer Ver­bün­de­ten, den an­de­ren aus­ge­beu­te­ten Werk­tä­ti­gen kämpft.


Wir verbreiten unsere Flugblätter seit 1995 v.a. unter Arbeiter/innen der Groß­in­dustrie; seit 2001 geben wir die „Proletarische Rundschau“ heraus. Unser Ziel ist eine Ge­sell­schafts­ordnung ohne Klassen, ohne Unter­drü­ckung und Aus­beutung. Dazu muss die Klas­se der Arbeiterinnen und Arbei­ter eine eigene Kampf­partei aufbauen, die Macht erobern, die Be­sitzer der Produktionsmittel ent­eignen und den Klassenkampf fort­setzen, bis alle Res­te der bürgerlichen Ord­nung verschwunden sind. Deswegen sind wir Kommu­nist/in­nen und nicht in der KPÖ organisiert.
Advertisements

Anti-imperialistisches Revolutionäres Forum, Nepal: Unser Standpunkt zur Gründungserklärung der KOMAK-ML

Zuerst möchten wir betonen, dass wir die Situation in Österreich nicht sehr gut kennen, aber wir wissen, dass Österreich, anders als Nepal, ein fortgeschrittenes kapitalistisch-imperialistisches Land mit einer bürgerlichen Diktatur ist, dass die Arbeiter/innenklasse die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht. Die Aufgabe des Proletariats in Ländern wie Österreich ist die proletarische sozialistische Revolution. Selbst in diesen Ländern muss sich die politische Partei des Proletariats bemühen, alle anderen Klassenkräfte zu vereinigen, die vereinigt werden können, um dem Hauptfeind zu widerstehen, ihn zu bekämpfen und zu besiegen, das heißt den Staat, der die Monopolbourgeoise repräsentiert und führt. Auch in solchen Ländern können die Arbeiter/innenklasse und die anderen arbeitenden Massen die politische Macht ohne Revolution, das heißt ohne einen revolutionären (notwendigerweise gewaltsamen) Umsturz der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse, auf die ein revolutionärer Bürgerkrieg folgt, nicht gewinnen. Insgesamt ist für Revolutionäre in Ländern wie Österreich der Weg der Bolschewistischen Revolution oder der Oktoberrevolution in Russland 1917 am lehrreichsten.

Ideologische Grundlage des Kampfes in imperialistischen Ländern

Die Kommunistische Aktion (ML) deklariert sich als marxistisch-leninistisch. Derzeit bezeichnen sich viele Parteien als ML, aber wir glauben, dass seit der Zeit Lenins, der den Marxismus enorm bereichert hat, viele Änderungen und Wechsel stattgefunden haben, darunter auch dramatische Ereignisse. Viele Ereignisse und Entwicklungen innerhalb der Internationalen Kommunistischen Bewegung (IKB) sind ein Grund für große Freude, doch es gab auch viele Dinge in der Bewegung, die uns traurig stimmen sollten. Die Lehren aus diesen Geschehnissen würden zur Weiterentwicklung der Wissenschaft der proletarischen Revolution, unserer Ideologie, dem Marxismus, beitragen.
Warum die unterdrückte Klasse notwendigerweise eine politische Partei braucht, hat Marx deutlich erklärt: „In seinem Kampf gegen die kollektive Macht der besitzenden Klassen kann das Proletariat nur dann als Klasse handeln, wenn es sich selbst als besondere politische Partei im Gegensatz zu allen alten, von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien konstituiert.“ (aus: Allgemeinen Statuten der Internationale, beschlossen am Haager Kongress 1872, d. Übers.)
Genosse Mao drückte es ganz deutlich aus: „Wenn eine Revolution passieren soll, dann muss es eine revolutionäre Partei geben.“ Daher ist der Aufbau einer Avantgarde-Partei des Proletariats eine lebenswichtige Frage für die Durchführung der Revolution.

Wir halten es für eine neue kommunistische Organisation notwendig, sich in viele dieser großen Ereignissen und Entwicklungen zu vertiefen, um so unsere Schwächen wie unsere Stärken zu erkennen und daraus zu lernen. Unserer Ansicht nach fanden einige der herausragendsten Entwicklungen, die zur Weiterentwicklung der proletarische Ideologie beitrugen, im Verlauf der Chinesischen Revolution statt, sowohl der neudemokratischen als auch der sozialistischen Revolution und besonders im Verlauf der Großen Proletarischen Kulturrevolution. Diese wurden von Mao Zedong angeführt, der ausgehend vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus in der Lage war, wichtige Zusammenfassungen zu machen und unschätzbare Erkenntnisse und Schlüsse abzuleiten, wodurch er die proletarische Ideologie so enorm bereichert hat, dass diese heutzutage für jede Revolution einfach unentbehrlich sind. Wir wollen damit sagen, dass eine „marxistisch-leninistische“ Partei bzw. Organisation es außerordentlich schwer hat, wenn sie es verabsäumt die Gesamtheit der neuen Beiträge Maos zum Marxismus anzuerkennen, hochzuhalten, zu verteidigen und anzuwenden.
Wir sind der Ansicht, dass Maos Beiträge in ihrer Gesamtheit als Maoismus bezeichnet werden können, der ein neues, höheres und drittes Stadium des Marxismus darstellt. Insgesamt sind Maos Beiträge keineswegs geringer als die Lenins. Das ist der Hauptgrund, warum die KP Nepal (Maoistisch) darauf besteht, dass die von der Revolutionären Internationalistischen Bewegung (RIM) vertretenen Positionen richtig sind, auch in imperialistischen Ländern. Wir meinen, dass der Marxismus-Leninismus-Maoismus universelle Gültigkeit hat und bitten daher höflich, dass eure gesamte Organisation die Erklärung der RIM studiert, damit gesunde ideologische und politische Diskussionen und Debatten unter revolutionären Kommunist/innen stattfinden können. Das ist von entscheidender Bedeutung.

Die Situation heute

Wir stimmen mit der KOMAK-ML völlig überein, dass wir im Zeitalter des Imperialismus und der proletarischen Revolution leben, dass die Welt vom Imperialismus beherrscht wird und dass die meisten Volkswirtschaften und Gesellschaften durch monopolkapitalistische Konzerne und Banken weltweit kontrolliert werden. Doch sie werden auch durch mächtige Organisationen wie die Welthandelsorganisation (WTO), den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank (WB) kontrolliert, welche ihrerseits vor allem durch den US-Imperialismus kontrolliert werden. Auch wir sind der Meinung, dass es heute auf der ganzen Welt kein sozialistisches Land gibt. Die proletarische Revolution ist auch in revisionistischen Ländern (China, Vietnam, Nordkorea und Kuba) notwendig.

Der Imperialismus agiert in seiner Gesamtheit vereint, wenn es gilt die bestehende soziale Ordnung und die internationalen Beziehungen, die auf der Ausbeutung der Vielen (die Armen im allgemeinen) durch die Wenigen (die Reichen) beruht, aufrecht zu erhalten; das ist der zugrunde liegende grundlegende Widerspruch („underlying fundamental contradiction“, d. Übers.); es gibt auch Konkurrenz und Rivalität zwischen den Imperialisten selbst. Die große Spaltung im UNO-Sicherheitsrat während der Vorbereitungszeit zum Krieg gegen den Irak ist Ausdruck des Ringens unter den imperialistischen Mächten um Macht, Einflusssphären und Hegemonie.
Unserer Meinung nach ist dies ein bedeutsamer und sich verschärfender Widerspruch, doch er ist nicht der Hauptwiderspruch in der heutigen Welt. Der Hauptwiderspruch ist noch immer der zwischen unterdrückten Völkern und Nationen auf der einen Seite und dem Imperialismus auf der anderen. Daher müssen die proletarischen Parteien die unterdrückten Nationen und Völker in ihrem Kampf gegen den Imperialismus unterstützen. Diese Kämpfe können die Form eines Kampfes für nationale Selbstbestimmung gegen nationale Unterdrückung annehmen oder für die Verteidigung der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit, welche die (europäischen genauso wie die amerikanischen) Imperialisten nicht anerkennen. Dies kann man von Tag zu Tag klarer sehen. Darum haben wir die Pflicht, unterdrückte Nationen (gegen den Imperialismus) zu unterstützen, selbst wenn Herrscher (wie Saddam) in diesen Ländern selbst sehr reaktionär sind.

Die Linie ist entscheidend

Wir denken, dass die wichtigste Aufgabe beim Aufbau einer politischen Partei des Proletariats die Entwicklung einer ideologischen-politischen Linie als Grundlage der Einheit der Partei ist. Die politische Linie der proletarischen Partei in einem imperialistischen Land muss darauf ausgerichtet sein, die Staatsmaschinerie zu zerstören. Dies ist ein grundlegender Lehrsatz von Lenin. Schon von Anfang an, sogar noch bevor die Parteiorganisation aufgebaut wird, muss Klarheit herrschen über die allgemeine politische Linie, nämlich die Machtergreifung durch bewaffnete Gewalt. Dies kann, wie in imperialistischen Ländern, in Form eines Aufstands gefolgt von einem Bürgerkrieg passieren. Eine kommunistische Organisation muss ihre Augen immer auf das Ziel richten, nämlich die Eroberung der Staatsmacht. „Ohne politische Macht ist alles eine Illusion“ (Lenin).
Wir sagen nicht, dass dies ohne Vorbereitung geschehen kann, insbesondere die Vorbereitung der öffentlichen Meinung. Die Revolutionär/innen werden später mit großen Schwierigkeiten und Rückschlägen konfrontiert sein, wenn sie den Aufbau der Parteiorganisation fortsetzen, ohne eine Basis für die Einheit – die allgemeine politische Linie entwickelt zu haben – es kommt zu Spaltungen und viele große Anstrengungen könnten umsonst gewesen sein.

Die drei Instrumente des Klassenkampfes

Der Vorsitzende Mao Zedong lehrte, dass das Proletariat für die Eroberung der politischen Macht drei Instrumente des Klassenkampfes haben muss, die er auch die drei „Zauberwaffen“ der Revolution nannte. Dies sind: Die politische Partei des Proletariats, die Volksarmee, und eine Einheitsfront (EF) verschiedener Klassenkräfte, die im Aufbau einer Bewegung für den revolutionären Umsturz der alten Ge- sellschaft vereinigt werden können.
Von diesen drei Kräften ist die Partei die Hauptsache – gemäß Lenin, der darauf bestand, dass es ohne revolutionäre Theorie keine revolutionäre Bewegung geben kann. Mao erläuterte und bewies, dass es ohne eine revolutionäre Partei des Proletariats keine Revolution für die Arbeiter/innenklasse und die anderen ausgebeuteten und unterdrückten Klassen und soziale Schichten geben kann.

Die Einheitsfront verschiedener Klassenkräfte ist äußerst wichtig, damit die revolutionäre Bewegung zur Bewegung der breiten Volksmassen wird und nicht nur einer Klasse, die von den anderen isoliert dasteht. Nur dann kann die soziale Veränderung zu einer wirklichen Volksbewegung für breite und tiefgehende soziale Veränderungen werden. Daher ist die revolutionäre Einheitsfront (EF) absolut unentbehrlich, wenn es darum geht, das Gewicht, die Tiefe, Breitenwirkung und Macht zu erzielen, die es der Revolution ermöglichen, die Konterrevolution (politisch) zu isolieren und zu zerstören. Doch die EF muss von der Vorhut des Proletariats, der proletarisch-revolutionären Partei, angeleitet und geführt werden, muss von der Wissenschaft der Revolution (MLM) bewaffnet und gelenkt werden. Andernfalls wird die EF zu zersplittert werden oder sogar unter die Führung anderer Klassenkräfte kommen, die reformistisch, nicht-revolutionär oder konterrevolutionär sein könnten. Dies gilt ebenso für imperialistische Ländern wie für „Dritte Welt“-Länder, die durch Imperialismus, Feudalismus bzw. Semi-Feudalismus unterdrückt werden. Aber in imperialistischen Ländern muss die Partei dem Volk dienende, gegen Ausbeutung und Unterdrückung gerichtete Massenorganisationen aufbauen bzw. deren Aufbau unterstützen und ermutigen, um die EF aufzubauen. Die Parteiorganisationen müssen sich daher aktiv an Kämpfen beteiligen, und dabei nicht nur Arbeiter/innen aller Schichten einbeziehen, sondern auch die Jugend, die Stu- denten, die Frauen und Leute aus anderen sozialen Klassen und Schichten, wie Kleinbürgertum, Mittelbourgeoisie und arbeitende Menschen wie das Halbproletariat. Sie muss sich an verschiedenen sozialen Bewegungen wie Umwelt- und Friedens- oder Antikriegsbewegungen beteiligen, sowie an Bewegungen von Arbeitsmigrant/innen, die mit Überausbeutung, Rassismus und Diskriminierung konfrontiert sind.

Der Aufbau solcher Massenorganisationen findet, anders als in unterdrückten Nationen, lange vor der Organisierung bewaffneter Abteilungen (oder der zukünftigen Volksarmee) statt. In unterdrückten Nationen hingegen vollzieht sich der Aufbau der Volksarmee im Lauf des Aufbaus der EF. Die Volksarmee wird im Verlauf des revolutionären Volkskriegs aus bewaffneten Abteilungen oder bewaffneten Gruppen geschmiedet, die von der Partei initiiert und geführt werden. „Ohne eine Volksarmee hat das Volk gar nichts“ (Mao). Die Volksarmee ist das unverzichtbare dritte Instrument des Klassenkampfes und eine Waffe zur Eroberung der Staatsmacht (die Partei und die EF sind die anderen beiden). Die Volksarmee lernt das Kriegsführen (wie man kämpft) durch das Kriegsführen, durch das Führen des revolutionären Kriegs der Massen. In einem revolutionären Krieg sind das Volk und die Kämpfer/innen entscheidend und nicht die Waffen, Maschinen oder Ausrüstung. Es sind die Menschen und nicht die materiellen Dinge, die über den Ausgang des Krieges (Sieg oder Niederlage) entscheiden.

Die proletarische Kommunistische Partei muss sowohl die Volksarmee, als auch die Einheitsfront führen, da die Partei von der fortschrittlichsten und einzig wissenschaftlichen Ideologie, dem Marxismus-Leninismus-Maoismus (MLM) und einer politischen Linie geleitet wird (die auf den sozialökonomischen und politischen Bedingungen der Gesellschaft beruht), woraus sie ein Programm für die Revolution ausarbeiten und entwickeln könnte.
Zu allen Zeiten muss die Politik die Waffe führen, und niemals darf sie zulassen, dass die Waffe die Politik bestimmt. Politik ist das Lebensblut der Partei und daher ist der Kampf zweier Linien die treibende Kraft (oder der Motor), der die Partei weiterbringt und vorantreibt. Darum fürchtet sich die Partei des Proletariats nicht vor Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen innerhalb der Partei. In Wirklichkeit sind parteiinterne Auseinandersetzungen für die proletarische Partei, so sie wirklich revolutionär ist, willkommener Anlass demokratischen Zentralismus zu üben.
Wir denken, dass das Verständnis der oben angeführten Punkte von größter Wichtigkeit ist, um eine politische Generallinie für jede proletarische Partei zu schmieden.

Nutan Sharma, Anti-imperialistisches Revolutionäres Forum, Nepal

Unsere ausfürliche Antwort auf diesen Brief findet ihr unter dem Datum 27. Oktober 2003