Wir wollen das einfache, das schwer zu machen ist. Aber was will die KPÖ?

Anlässlich Volksstimmefest 2003

Flugblatt, August 2003

Die KPÖ wird bald 85 Jahre alt. Sie wurde am 3. November 1918 in Wien-Favo­riten ge­grün­det. An­ge­sichts so ei­nes Ju­bi­läums drängen sich na­tür­lich ei­ni­ge Fra­gen auf: z.B. wofür ist die KPÖ 1918 ge­grün­det wor­den? Wofür steht die KPÖ heute? Brauchen wir im 21. Jahrhundert in Öster­reich noch eine kom­mu­nis­ti­sche Par­tei?
Vor allem die bittere Erfahrung des ersten im­perialistischen Welt­kriegs (1914 bis 1918) und die Ab­wür­gung des großen Jän­ner­streiks von 1918 durch die sozial­demo­kratische Partei­füh­rung ließ unter den fortgeschrittensten öster­reichischen Ar­bei­ter/­innen die Er­kennt­nis heran­rei­fen, dass es zwischen Marx­is­mus und Anti­marx­is­mus, zwi­schen Re­vo­lu­tion und Op­por­tu­nis­mus kei­ne Ein­heit ge­ben kann. Der Bruch mit den Op­por­tu­nis­ten, die sich im im­pe­ria­lis­ti­schen Krieg ein­deutig als Agen­ten der Bour­geoi­sie in der Ar­bei­ter/­innen­bewegung offen­bart hat­ten, wurde un­ver­meid­lich, und führte, an­ge­feuert durch das Bei­spiel der rus­sischen Ok­to­ber­revo­lution, zur eigen­stän­di­gen revolutionär-marxistischen Or­ga­ni­sie­rung der öster­reichischen Lin­ken in Gestalt der KPÖ.

Eine kommunistische Partei, das ist eine Par­tei, die die fort­ge­schrit­tens­ten Arbei­ter/­innen or­ga­ni­siert, um sie mit den fort­ge­schrit­ten­sten Ideen, den Ideen des wis­sen­schaft­lichen Kom­mu­nis­mus oder Marx­is­mus-Lenin­is­mus, ver­traut zu ma­chen um die Ar­bei­ter/­innen­klasse möglichst zur Gänze für die pro­le­ta­risch-so­zia­lis­tische Revo­lution zu ge­win­nen. Ziel der pro­le­tarisch-sozia­lis­tischen Re­vo­lu­tion ist die Er­rich­tung ei­ner Ge­sell­schaft ohne Aus­beu­tung, ohne Unter­drückung, ohne Krieg, ohne Patri­archat usw., also ei­ner klas­sen­losen Ge­sell­schaft.

Dass die KPÖ heute und ei­gent­lich be­reits seit mehreren Jahr­zehn­ten kei­ne Par­tei ist, die re­vo­lu­tionär-kom­mu­nis­ti­schen An­sprü­chen ge­nügt, liegt auf der Hand. Wenn wir die­se Par­tei an den Maß­gaben der grund­le­gen­den Um­wäl­zung der (spät-)bür­ger­lichen Ge­sell­schaft mes­sen, dann ist das Er­geb­nis nie­der­schmet­ternd.

Was wollen die revolutionären Kommunist/innen?

Statt Privatbesitz an Fabriken, Grund und Boden, an den Produktionsmitteln ü berhaupt im Interesse des Pro­fits: ge­sell­schaft­li­cher Be­sitz al­ler Pro­duk­tions­mit­tel! Statt mör­de­rischem Kon­kur­renz­kampf und A­nar­chie der Pro­duk­tion nach dem Gesetz „der Stär­ke­re frißt den Schwä­che­ren“: Pla­nung der Wirt­schaft durch die Ar­bei­ten­den und Durch­sich­tig­keit der wirt­schaft­lichen Ab­läufe für die Ar­bei­ten­den! Statt Ar­beit als Fluch, als Mit­tel der Aus­beu­tung, statt die Ar­bei­ter/­in­nen zu An­häng­seln der Ma­schine zu ma­chen und ihre Un­ter­ord­nung unter men­schen­un­wür­di­ge For­men der Ar­beits­tei­lung: Die Ar­beit als ers­tes Le­bens­be­dürf­nis der Men­schen, nach ihrem Plan, ihren Fähig­kei­ten und Be­dü rf­nis­sen, und ge­stal­tet im In­te­res­se der un­mit­tel­ba­ren Pro­du­zent/­in­nen! Statt Spal­tung der Ge­sell­schaft in Klas­sen, in Aus­ge­beu­te­te und Aus­beu­ter, in Stadt und Land, in Frauen und Män­ner, in geistige und kör­per­li­che Ar­beit, in In- und Aus­län­der: Freie As­so­zi­ation (Ver­ei­ni­gung) der Schaf­fen­den in vol­ler Gleich­be­rech­ti­gung und Frei­heit, ohne Un­ter­drückung und Aus­beu­tung! Statt Krie­gen zwi­schen den Völ­kern, na­tio­na­lem Hass und Ras­sen­hass: Frei­wil­lige Ver­bin­dung der Völ­ker zur Mensch­heit im Welt­kom­mu­nis­mus!

Lob des Kommunismus

Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.
Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.
Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm.

Die Dummköpfe nennen ihn dumm,
und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.
Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen.

Wir aber wissen:
Er ist das Ende der Verbrechen.
Er ist keine Tollheit sondern
Das Ende der Tollheit.
Er ist nicht das Rätsel
Sondern die Lösung.
Er ist das Einfache
Das schwer zu machen ist.

(Bertolt Brecht)

Die klaren von Marx, Engels, Lenin und Stalin wis­sen­schaft­lich er­ar­bei­te­ten Um­ris­se und Grund­la­gen einer künf­ti­gen kom­mu­nis­ti­schen Ge­sell­schafts­ord­nung wer­den durch die ge­sam­te ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lung im­mer zwin­gen­der und drin­gen­der. Der schrei­en­de Wi­der­spruch zwi­schen un­ge­heu­rem Reich­tum, Mil­liar­den, so­gar Bil­lio­nen für Rüs­tungs­gü­ter und Mil­lio­nen von To­ten in im­pe­ria­lis­ti­schen Krie­gen und in Hun­gers­nö­ten wird im­mer of­en­sicht­lich­er. Die un­ge­heu­er ge­wach­se­nen Mög­lich­kei­ten auf tech­ni­schem Ge­biet, die Pro­duk­tion zu ver­ein­fa­chen, Wa­ren, Kon­sum­gü­ter im Ü­ber­fluss her­zu­stel­len, die Ar­beits­zeit auf ein Mi­ni­mum zu ver­kür­zen, die Pro­duk­tion durch neue Me­tho­den der Ü­ber­sicht, Durch­sich­tig­keit und Ver­bin­dung zwi­schen den Men­schen um­fas­send zu ge­stal­ten auf der ei­nen Sei­te – und auf der an­de­ren Sei­te die Rea­li­tät, dass die neu­en tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten nur zur Schaf­fung ei­ner im­mer noch rie­si­ge­ren Ar­mee von Lohn­er­werbs­ar­beits­lo­sen, zu noch bru­ta­le­rer Aus­beu­tung der Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se und der Werk­tä­ti­gen be­nutzt wer­den – all das zeigt un­wi­der­leg­bar, dass der ein­zi­ge Aus­weg der Kom­mu­nis­mus ist!
Das Ziel des Kom­mu­nis­mus zu er­rei­chen, er­for­dert ei­nen gi­gan­ti­schen und schwie­ri­gen Kampf, ei­nen auch nach dem ers­ten Sieg der Re­vo­lu­tion an­hal­ten­den Klas­sen­kampf der Ar­bei­ter/­in­nen und ihr­er Ver­bün­de­ten ge­gen die Bour­geoi­sie der gan­zen Welt, es er­for­dert die Ver­wirk­li­chung der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­riats!
Die Fort­setz­ung des Klas­sen­kampfs un­ter den Be­din­gun­gen der Ar­bei­ter/­in­nen­macht, un­ter de­nen die Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se den Staats­ap­pa­rat in ihre ei­ge­nen Hän­de ge­nom­men, völ­lig neu auf­ge­baut hat und als schar­fe Waf­fe im Klas­sen­krieg ge­gen die alte Welt be­nutzt, als Waf­fe für den Auf­bau des So­zia­lis­mus, als Schutz für die so­zia­lis­ti­sche De­mo­kra­tie, birgt in sich auch die Mög­lich­keit von Nie­der­la­gen, die große his­to­ri­sche Rück­schrit­te auf dem Weg zum Kom­mu­nis­mus be­deu­ten kön­nen.

Der Sieg der Revolution in der Sowjet­union, die dor­ti­ge Er­rich­tung der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­riats, die Un­ter­drückung der Aus­beu­ter und ihrer An­hän­ger, die Siege der Völ­ker in an­de­ren Län­dern nach der Nie­der­lage des Nazi-Fa­schis­mus wa­ren rie­si­ge Schrit­te vor­wärts im ge­wal­ti­gen Rin­gen zwi­schen den Kräf­ten des Fort­schritts und des Kom­mu­nis­mus ei­ner­seits und den Kräf­ten der Re­ak­tion und der Aus­beu­tung andererseits.
Die Unter­schätzung der Ge­fahren in die­sem ge­wal­ti­gen Rin­gen, die Re­vi­sion des Marxismus-Leninismus, die schlei­chen­de Ein­nistung von al­ten Ge­wohn­heiten der Aus­beu­ter­ge­sell­schaft, von Bü­ro­kra­tis­mus und Pri­vi­le­gie­rung ha­ben da­zu ge­führt, dass in den be­reits von Aus­beu­tung be­frei­ten Län­dern neue Aus­beu­ter­klas­sen ent­stan­den sind. Seit den 1960er Jah­ren wa­ren in der So­wjet­union und den ehe­ma­li­gen Volks­demo­kra­tien Eu­ro­pas (außer Al­ba­nien) über­all Cliquen an der Macht, die den Kom­mu­nis­mus ver­ra­ten ha­ben, die die Ar­bei­ter/­in­nen un­ter­drück­ten, die mit dem Im­pe­ria­lis­mus ge­mein­sa­me Sache ge­macht ha­ben und die sich mit ihm strit­ten, wenn es um Raub­zü­ge ge­gen die Völ­ker und die Auf­tei­lung der Beu­te ging. Es ist nur selbst­ver­ständ­lich, dass die Bour­geoi­sie den Bank­rott der re­vi­sio­nis­ti­schen Staaten wie er 1989ff er­folgte für ihre Zwecke weid­lich aus­nützt. Da­bei ma­chen sie sich un­ver­schämt wie sie nun ein­mal sind, die Tat­sache zu­nutze, dass sich die Macht­ha­ber je­ner Län­der selbst kom­mu­nis­tisch nannten, obwohl sie in Theorie und Praxis längst un­wider­ruf­lich mit dem wis­sen­schaft­lichen Kom­mu­nis­mus, der Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin ge­bro­chen hat­ten. Auch die KPÖ hat durch Jahr­zehnte hin­durch die Re­gime der Chruschtschows, der Breschnews, der Gorbatschows, der Ceausescus, der Husaks, der Honeckers usw. ge­gen­über der öster­rei­chi­schen Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se als sozia­lis­tisch pro­pa­giert. Nun ver­sucht sie uns mehr oder weniger geschickt weis­zu­machen, dass So­zia­lis­mus im Grun­de nicht mög­lich sei, was sich in der Praxis ge­zeigt hät­te. Das ein­zig „Mach­bare“ sei der Er­halt des Be­stehen­den, ge­mil­dert durch ein paar Re­for­men an der blut­rünsti­gen ka­pi­ta­lis­tisch/­im­pe­ria­lis­tischen Ge­sell­schafts­ord­nung.
Der schwierige, aber einzige Weg zum Kom­mun­ismus führt über die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats. Der Zu­sam­men­bruch der re­vi­sio­nis­tisch-ka­pi­ta­lis­tischen Staaten Eu­ro­pas spricht kei­nes­wegs ge­gen den So­zia­lis­mus/Kom­mu­nis­mus, er ist nur ein wei­te­rer Be­weis der un­wi­der­leg­ba­ren Tat­sache, dass die Ab­kehr vom wis­sen­schaft­lichen Kom­mu­nis­mus, vom Marxismus-Leninismus ge­sell­schaft­liche Hö­her­ent­wicklung un­möglich macht.
Daher muss im Mit­tel­punkt kom­mu­nis­tischer Pro­pa­ganda nicht nur das Ziel des Welt­kom­mu­nis­mus als ein­zi­ger Al­ter­nat­ive zur ver­faul­ten im­pe­ria­lis­tischen Ge­sell­schafts­ord­nung ste­hen, son­dern ge­ra­de auch die un­be­dingte Not­wendig­keit der Si­che­rung und Er­kämpf­ung der De­mo­kra­tie und Frei­heit der Abei­ter/­in­nen und ihrer Ver­bün­de­ten durch die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­riats über die Klas­sen­feinde.
Trotz ÖGB-Führung, trotz den Schein­al­ter­na­tiven, die uns rosa und grüne Spitzen­funk­tio­näre wort­reich ein­re­den wol­len, trotz den ab­ge­stan­de­nen Ideen, die uns Re­for­mis­ten und Re­vi­sio­nis­ten im­mer wie­der als an­geb­lich aller­neueste Er­kennt­nis­se auf­tischen, trotz Aber­glauben in „diesen Staat“, trotz Un­glauben an die Mög­lich­keit des Auf­baus ei­nes wirk­lichen So­zia­lis­mus, ei­ner wirk­lichen De­mo­kra­tie im Sys­tem der Dik­tatur des Pro­le­ta­riats über alle Aus­beu­ter und Re­ak­tio­näre …

Allen Schwierig­keiten zum Trotz: Es gibt auch im Öster­reich des 21. Jahr­hunderts über­haupt keinen an­deren Weg als den schwie­ri­gen, lan­gen Weg des Auf­bau einer wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten marxistisch-leninistischen Par­tei der Fort­geschrit­tensten der Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se, die all­um­fas­send den Kampf für den Kom­mu­nis­mus führt und an der Spitze der Ar­bei­ter/­in­nen­klas­se und ihrer Ver­bün­de­ten, den an­de­ren aus­ge­beu­te­ten Werk­tä­ti­gen kämpft.


Wir verbreiten unsere Flugblätter seit 1995 v.a. unter Arbeiter/innen der Groß­in­dustrie; seit 2001 geben wir die „Proletarische Rundschau“ heraus. Unser Ziel ist eine Ge­sell­schafts­ordnung ohne Klassen, ohne Unter­drü­ckung und Aus­beutung. Dazu muss die Klas­se der Arbeiterinnen und Arbei­ter eine eigene Kampf­partei aufbauen, die Macht erobern, die Be­sitzer der Produktionsmittel ent­eignen und den Klassenkampf fort­setzen, bis alle Res­te der bürgerlichen Ord­nung verschwunden sind. Deswegen sind wir Kommu­nist/in­nen und nicht in der KPÖ organisiert.
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