Archiv für den Monat März 2004

Internationaler Frauentag 2004

Wir dokumentieren den Redebeitrag des Frauenstammtisch Ottarking
zum Internationalen Frauentag

Redebeitrag des Frauenstammtisch Ottakring, 8. März 2004

Heute, am 8. März 2004, gibt es für uns Frauen und Lesben leider nicht viel Neues über die gesellschaftliche Lage zu sagen. Es geht uns nicht besser, sondern in den letzten Jahren werden wir sogar noch aggressiver ausgebeutet. Viele politische Entscheidungen richten sich gegen uns arbeitende Frauen, egal ob wir im Handel, in der Fabrik oder im Büro oder sonst wo arbeiten. Oder ob wir zu den zigtausenden erwerbslosen Frauen, egal ob jung oder alt, ob klein oder groß, gehören. Jede kapitalistische Reform ist derzeit nichts anderes, als eine Gegenreform. Gegenreform heisst, wir sind gezwungen, privat Lösungen zu finden. Wir sollen keine gesellschaftlichen Forderungen stellen, sondern werden vereinzelt und gegeneinander ausgespielt.

Nehmen wir den Gesundheitssektor:

Wir werden angegriffen, indem wir trotz höherer Beitragszahlungen immer mehr Selbstbehalte zahlen müssen.
Wir werden angegriffen, indem im Pflegebereich immer mehr Personal eingespart wird.
Wir werden angegriffen, indem wir trotz Fristenlösung vor den privaten Abtreibungskliniken schikaniert werden.
Wir werden angegriffen, indem wir im sozialen Umfeld immer mehr Pflegearbeit übernehmen müssen.

„Wellness“ heisst das Zauberwort, dass uns weismachen soll: „Jede ist ihrer eigenen Gesundheit Schmiedin“. Dabei ist allgemein bekannt, dass Armut krank macht. Und die herrschenden kapitalistischen und patriarchalen Verhältnisse, die mühselige „flexible“ Hackn im Betrieb und der niedrige Lohn, treiben besonders viele Frauen (und ganz besonders Migrantinnen) in die Armut. Und dann wird uns noch die Verantwortung für die körperliche und seelische Gesundheit der Familienangehörigen aufs Aug gedrückt!

Es ist Samstag, 14Uhr, Schichtwechsel im Supermarkt. Marianne ist alleinerziehende Mutter einer 8jährigen Tochter, die zu Hause auf sie wartet. Sie ist gerade mit der Arbeit fertig geworden, hat noch schnell selber ein paar Sachen eingekauft und hetzt jetzt vollbepackt nach Hause. Sie hat Kreuzschmerzen vom Obstkisten schleppen, Seitenstechen von der Hektik und irgendwo hinter den Augen sitzt ein nervenzerfetzendes Kopfweh – wahrscheinlich weil sie gestern zu spät schlafen gegangen ist. Sie musste noch den Wäscheberg wegbügeln. Andererseits könnte das Kopfweh auch eine Nachwirkung ihrer Verkühlung sein, die sie vor zwei Wochen hatte. Wo sie sich nicht getraut hat in Krankenstand zu gehen, weil die im Supermarkt sind recht zackig mit Kündigungen. Aber egal. Wird schon vergehen. Jetzt muss sie zuerst einmal schauen, dass sie nach Hause kommt. Manchmal kommts ihr so vor, als kämen die Asthmaanfälle der Kleinen immer dann, wenn sie zu lange allein war…

Im Bildungsbereich sieht es nicht anders aus:

Ständig wird uns vorgegaukelt, dass unsere Kindergärten, öffentlichen Schulen und Universitäten zu teuer sind. Ständig wird uns vorgegaukelt, dass die Bildung zu teuer ist.

Dabei geht es gar nicht darum, dass wir entscheiden, welche Ausbildung uns und unseren Kindern zukommt, sondern nur die kapitalistische Wirtschaft gibt vor, was wir lernen sollen, damit wir besser verwertbar sind. Bessere Verwertung heisst bei den Kapitalisten und ihren politischen Schwätzern, wir sollen noch billiger, flexibler und leistungsfähiger werden. Mehr Produktivität für weniger Lohn; und die Aus- und Weiterbildungskosten sollen wir selber tragen. Mit den Kindern die Hausaufgaben machen oder teure Nachhilfe bezahlen. Und „lebenslang Lernen“ damit wir selbst „fit bleiben für den Arbeitsmarkt“. All das kostet Zeit und Geld und beides ist bei berufstätigen Frauen rar!

Eine Freundin, ich hab sie schon lange nicht mehr gesehen, hat mir ein email geschrieben. Sie ist gerade einmal 40 Jahre alt, hat die Hälfte ihres Lebens als Technikerin für einem Konzern gearbeitet, der dann seinen Standort gen Osten verlagert hat. Jetzt ist sie arbeitslos, seit über 6 Monaten schon. Das AMS hat sie in einen Kurs gesteckt, wo junge Akademiker und Akademikerinnen sie motivieren sollen. Sie müsse sich „neue Perspektiven“ suchen, wird ihr erklärt. Sie dürfe „keine Angst vor neuen beruflichen Herausforderungen“ haben. Meine Freundin schreibt, dass sie ziemlich wütend wird von dem Gerede. „Die tun ja gerade so, als wäre ich befördert und mit neuen Aufgaben betraut worden, dabei bin ich gekündigt! Meine grösste Herausforderung besteht derzeit darin, in den Euro-Shops nach Schnäppchen zu jagen, damit ich meine Wohnung weiter bezahlen kann.“ Bei den Bewerbungsgesprächen sagt man ihr, dass sie „überqualifizert“, sprich: zu alt ist. Ihre Ausbildung ist zu einseitig, zu fachspezifisch, wird ihr erklärt. Sie überlegt jetzt, einen WIFI-Kurs zu machen, der kostet einen 4stelligen Euro-Betrag. Eine Investition in die Ich-AG, sozusagen, was bleibt ihr denn anderes übrig?

Selbst bei gleichbleibendem Lohn sinkt unsere Kaufkraft unerbittlich.

Die Herrschenden werden aber nicht nur bei unseren Löhnen immer gieriger. Ihre Tricks sind zahlreich: Mal wird uns PensionistInnen weniger Pension zugestanden, mal verlängern Sie unsere „flexible“ Arbeitszeit, mal weisen Sie uns als AusländerInnen ausser Landes, mal kürzen Sie unsere Arbeitslose, dann wieder die Sozialhilfe, mal verschlechtern oder zerstören sie die von unserem Geld aufgebauten sozialen Einrichtungen, ständig sind sie unersättlich. Ihre strukturelle Gewalt treibt uns unaufhörlich weiter in die Armutsfalle.

Räusper, hüstel (Originalzitat von der ÖVP-Homepage):
Der Bundeskanzler und sein Team haben sich bewährt. Wir haben solide gewirtschaftet und so Spielraum für Investitionen geschaffen, vor allem in die Bildung.

Ganz schön gerissen fomuliert, ihr Gfraster! Ihr sponsert die Konzerne mit unserem Geld. Und die sponsern dann vielleicht, wenn sie sich was davon versprechen, eine HTL im Rahmen der Schulautonomie. Verkaufts uns nicht für blöd!

Wir haben sozial gehandelt und eine Pensionssicherungsreform gemacht.
Was ist daran sozial, die PensionisInnen abzuzocken? Ihr habt sichergestellt, dass wir alle weniger Pension kriegen! Und die unter 35-jährigen können sich auf ein „Pensionskonto“ freuen, das wird magerer sein als das Sparschwein meiner armen Großmutter!

Wir haben das Kindergeld für alle geschaffen. Dieses bedeutet echte Wahlfreiheit für Mütter.
Frei Wählen könn ma, aber wie das beim Wählen halt so is: Ändern tut sich nix, rauskommen tut immer dasselbe. Willst nach der Karenz wieder arbeiten gehen, kommst drauf dassd gekündigt bist, weil der Kündigungsschutz nur zwei Jahre gilt. Willst dein Kind in den Kindergarten geben, findest keinen Kindergartenplatz. Oder du kommst drauf, dass der Kindergarten mehr kostet als du bei deinem Frauen-Minilohn verdienst, dass sich arbeiten also gar ned auszahlt…

Sie glauben, wir schätzen ihr leeres politisches Blabla. Sie irren sich.
Sie glauben, wir durchschauen Ihre ungenierte materielle Gier nicht. Sie irren sich.
Sie glauben, wir freuen uns, wenn wir wieder mehr Familien- oder Reproduktionsarbeit gratis leisten. Sie irren sich.
Sie glauben, sie könnten uns mit ihren ständigen Hetzkampagnen spalten und gegeneinander ausspielen.
Sie irren, weil wir beweisen werden, dass wir uns einigen und zusammenschließen werden und wir begrüßen jeden Kampf weltweit, der sich gegen Unterdrückung und Ausbeutung richtet.

Deshalb rufen wir gegen Sozialraubbau auf.

Wir Frauen und Lesben wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

Wir Frauen und Lesben wollen die Vergesellschaftung der Hausarbeit, der Bildungs- und Pflegearbeit.

Wir Frauen und Lesben wollen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Ausbeutung und Unterdrückung – international.

Frauenstammtisch Ottakring, 8. März 2004

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Aufruf zum 8. März 2004

Die KOMAK-ML unterstützt den Aufruf des Aktionskomitees 8. März zum Internationalen Frauentag

Aufruf, 8. März 2004

Tatsache ist, wir leben im Patriarchat. Tatsache ist, wir leben im Kapitalismus. Sexismus und Ausbeutung von Frauen sind Alltag. Rassismus und Gewalt gegen Frauen sind Alltag.Täglich erzählen uns Werbung, Medien und der ganze Rattenschwanz wie Frauen sein sollen: jung, dynamisch, flirty, bescheiden, dank- und (sexuell) ausbeutbar. Das männliche Selbstverständnis geht davon aus Mädchen und Frauen sexuell und emotional zu benutzen. Eine besondere Form des Sexismus ist die Lesbenfeindlichkeit: Frauen die sich nicht an Männern orientieren sind in diesem Gesellschaftssystem nicht erwünscht.

Tatsache ist, wir leben im Patriarchat. Tatsache ist, wir leben im Kapitalismus. Sexismus und Ausbeutung von Frauen sind Alltag. Rassismus und Gewalt gegen Frauen sind Alltag.Täglich erzählen uns Werbung, Medien und der ganze Rattenschwanz wie Frauen sein sollen: jung, dynamisch, flirty, bescheiden, dank- und (sexuell) ausbeutbar. Das männliche Selbstverständnis geht davon aus Mädchen und Frauen sexuell und emotional zu benutzen. Eine besondere Form des Sexismus ist die Lesbenfeindlichkeit: Frauen die sich nicht an Männern orientieren sind in diesem Gesellschaftssystem nicht erwünscht.

Wir Frauen schuften am meisten – als Lohnarbeiterinnen und „Familienmanagerinnen“ – und bekommen ein Drittel weniger bezahlt als Männer. Migrantinnen wird Erwerbsarbeit verboten oder sie schuften doppelt für einen Bruchteil des durchschnittlichen Lohnes. Zusätzlich sind sie immer wieder von Abschiebung bedroht.

Frauen und Mädchen sind immer wieder mit psychischer und physischer Gewalt durch Vorgesetzte und (Ehe)männer konfrontiert. Und die Politik der HERRschenden Männer und Frauen ändert daran nichts! Sie nennen das normal und legal!

Die aktuelle Regierung preist ihre Politik als Mildtätigkeit und Engagement ihrerseits an. Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen! Wir lassen uns die konservative Familienpolitik nicht als Frauenpolitik auftischen. Wir lassen uns nicht einreden, dass dieser Reformwahn für uns sein soll. Die Pensionskürzungen als Erfolg für Frauen zu präsentieren – wie es die aktuelle Frauenministerin macht – ist mehr als Hohn. Es ist eine bodenlose Frechheit. Und das von der EU verordnete Gender Mainstreaming ist bloß der Zuckerguss auf der (neuen) Unterdrückungsmaschinerie und dem Sozialraubbau!

Frau wird als Erwerbslose, Werktätige, Mutter, Migrantin und Pensionistin zur Bittstellerin degradiert – und als Illegalisierte und Sexarbeiterin kriminalisiert.
Sie soll froh sein eine Arbeit um 600 € im Monat zu finden und machen zu dürfen.
Sie bekommt als Mutter Kindergeld damit sie zu Hause bleibt.
Als Migrantin ohne EU-Staatsbürgerinnenschaft soll sie schauen wo sie bleibt.
Sie bekommt als Pensionistin eine durchschnittlich um zwei Drittel kürzere Pension.

WIR NEHMEN DIESEN LEGALEN RAUBZUG NICHT HIN!

Wir gehen auf die Strasse und kämpfen für unsere Befreiung!
Wir kämpfen für das Recht auf Selbstbestimmung!
Für selbstbestimmte Räume!
Das Recht, selbst zu entscheiden mit wem wir zusammenleben!
Das Recht, selbst zu entscheiden wo wir leben!
Das Recht auf Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnraum!
Das Recht auf Abtreibung!
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit!
Gleiche Rechte für alle die hier leben!
Wir kämpfen gegen Unterdrückung und Ausbeutung!
Wir kämpfen gegen Patriarchat, Kapitalismus und imperialistische Kriege!

8. März, FRAUEN Demonstration

Treffpunkt
17:00 Mariahilferstrasse/Neubaugasse
17:00 – 17:45 Auftaktkundgebung

Abschluss (mit Feuer und Flamme)
20:00 Schwedenplatz

Der 8. März ist seit über 100 Jahren der Internationale Frauen/Lesben/Mädchen-Kampftag. Vor knapp 150 Jahren traten am 8. März Textilarbeiterinnen in den Streik (1857). 1908 kamen Textilarbeiterinnen in New York ums Leben, als während eines Streikes, den sie am 8. März starteten, das Feuer ausbrach (die Arbeiterinnen wurden zuvor eingesperrt). 1909 wurde daraufhin in Nordamerika der 8. März zum landesweiten Frauenkampftag und 1911 von der sozialistischen Internationale auf Initiative von Klara Zetkin zum weltweiten Frauenkampftag erklärt.

Aktionskomitee 8. März

Frauenbefreiung und Revolution

Die Arbeitskraft der Männer und Frauen aus der Arbeiter/innenklasse wird im Kapitalismus zur Ware. Sie produzieren für einen Kapitalisten Mehrwert gegen Lohn. Außerhalb des Produktionsprozesses wird im Kapitalismus auch die weibliche Sexualität zur Ware – durch die Werbung und die Sexindustrie. Sexuelle Belästigung und Unterdrückung von Frauen und Vergewaltigungen sind seit der Entstehung der Männerherrschaft (Patriarchat) mehr oder weniger toleriert – zumindest in der „eigenen“ Familie. Noch heute gibt es heftige Widerstände gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe…
Von allen diesen Missständen sind Frauen aus der Arbeiter/innenklasse heute ganz besonders betroffen, auch wenn das bürgerliche Recht die große Gleichheit verkündet. Die bürgerliche Frauenbewegung hat ihre Ziele weitgehend erreicht – immer mehr Frauen kommen in Führungspositionen, es gibt immer mehr Wissenschaftlerinnen an den Universitäten, ein immer größerer Teil des Aktienbesitzes ist in Frauenhänden usw. Auf der anderen Seite der Frauenbewegung, bei den Arbeitsmigrantinnen, schauts aber umgekehrt aus: Ein Teil von ihnen ist (in Indien, Ostanatolien usw.) unter halbfeudalen Verhältnissen aufgewachsen, wo nur der Mann das Sagen hat. Ihnen werden die miesesten Jobs zu den miesesten Löhnen zugeschoben. Sie sind durch rassistische Sondergesetze, die sich in der Praxis vor allem gegen Frauen richten, zusätzlich geknebelt. So z.B. sind viele Immigrantinnen bei einer Scheidung mit Abschiebung bedroht, weil sie keine legale Arbeit haben und damit an die Aufenthaltsgenehmigung „ihres“ Mannes gebunden sind.
Die Lebenssituation der meisten Frauen ist geprägt durch ihre bezahlte Lohnarbeit und ihre unbezahlte Arbeit in der Partnerschaft oder Familie als Hausfrau und „Mutter“.[1]

Der durch­schnitt­liche, mediane Brutto­jahres­lohn (50% drunter) beträgt für Frauen 17.210 € und 27.250 € für Männer (-37%). Bei Arbeiter/innen 12.620 € für Frauen gegen­über 23.770 € für Männer (-47%); bei An­gestellten 17.390 € für Frauen und 34.630 (-50%)für Män­ner. Lediglich im Öffent­lichen Dienst ver­dienen die Frauen „nur“ 20% weniger. Als mo­nat­liche Alters­pension kriegen 50% der Frauen unter 662 € und die Män­ner 1768 €. (alle Zahlen: AK-TB 2002, S. 272ff. und 381)

Neben der Lohnarbeit ist die durchschnittliche Frau in Österreich also auch Hausfrau und „Mutter“, und das zweite wirkt auf das erste zurück. Das führt unter anderem dazu, dass die Frauen in Österreich um ca. 40% weniger Lohn bekommen als ihre männlichen Kollegen.
Ein großer Teil der Frauen hat nur Zugang zu bestimmten Berufen, die entweder eng mit der erzwungenen Rolle als Hausfrau und „Mutter“ zusammenhängen (Putzarbeiterin, verschiedene Sozialberufe, Lehrerin, Prostituierte, …) oder schlecht bezahlte angelernte Tätigkeiten umfassen (Textilindustrie, Fließband, Büro,…) In technischen Berufen und in führenden Positionen sind Frauen eine kleine Minderheit.

Patriarchat = Frauenunterdrückung
kurze Geschichte der Unterdrückung der Frauen seit Beginn der Klassengesellschaft

Mit der Überschussproduktion entstand im Mittelmeerraum vor etwa 3000 Jahren das Patriarchat zugleich mit der Sklaverei.
Die ersten Millionen Jahre der Menschheitsgeschichte, in der Steinzeit, mussten alle Menschen arbeiten, damit die Sippe gerade überlebt. In so einer Gesellschaftsform gibt es keine Unterdrückung und es gibt keine von der Arbeit freigestellten Herrschenden und ihre Lakaien (Polizei, Priester usw.), die von fremder Arbeit leben. Sobald aber mit der beginnenden Metallzeit (Kupfer- und frühe Bronzezeit) mit verbesserten Arbeitsgeräten Überschüsse produziert werden, können bestimmte Gruppen von Menschen (Anführer/innen, Priester/innen, Wissenschaftler/innen,…) von der produktiven Arbeit freigestellt werden bzw. sich freistellen (lassen), und eine Klasse von Ausbeutern entsteht, die von fremder Arbeit lebt.
Gleichzeitig entsteht aber mit der Überschussproduktion auch die Möglichkeit, sich bisher im Gemeineigentum genutzte Güter als Privateigentum anzueignen – das gilt insbesondere auch für das Privateigentum an Produktionsmitteln. In der Antike waren es die Männer aus dem Stammesadel, die als erstes „ihr“ Privateigentum beanspruchten und als kampferfahrene Krieger auch verteidigen konnten.
Im Römischen Reich und in anderen Sklavenhaltergesellschaften wurden Frauen ebenso wie Sklav/innen und Kinder zum Eigentum der Männer der herrschenden Klasse (Patrizier bzw. Patriarchen). Der Arbeitsplatz der Frauen war seit damals fast ausschließlich auf das Haus beschränkt.
Bis vor etwa 150 Jahren bestanden die Hauptaufgaben der Frauen aus Arbeiten für die Grundversorgung der Familie, wie Herstellung der Bekleidung und des Hausrats (Töpfern), Organisierung der Nahrungsbeschaffung (sowohl Garten- und Feldarbeit als auch Kleinviehhaltung) und Zubereitung des Essens für die gesamte Großfamilie (einschließlich ältere Generation, Gesinde,…). Überschussprodukte wurden am Markt verkauft und so trugen die Frauen wesentlich zum Familieneinkommen bei. Darüber hinaus spielte das Gebären und das Aufziehen von Kindern eine herausragende Rolle. Die Hauptaufgaben der Männer – sowohl der herrschenden wie auch der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen – waren außerhalb des Hauses, Hofs oder Palasts. Ackerbau und Viehzucht im größeren Stil, Kriegszüge, Fernhandel usw. waren die Domänen der Männer von der Sklavenhalterzeit bis heute. Besonders mit der Entwicklung des Handwerks aus einem Teil der Hausarbeit zu eigenständigen Berufen, die außerhalb des „geschlossenen Haushalts“, also von Männern, organisiert wurden, wurde das Patriarchat aufs Neue stabilisiert.
In den letzten 2000 Jahren änderten sich zwar die Formen der Frauenunterdrückung (Sklaverei, Feudalismus und Kapitalismus), aber die Männerherrschaft blieb bestehen: Die herrschende Klasse besteht bis heute fast ausschließlich aus Männern.

Im Kapitalismus wurden schließlich große Teile der von Frauen in Hausarbeit hergestellten Produkte maschinell und fabrikmäßig hergestellt und dadurch einerseits entwertet, andererseits aus der Produktionssfäre der Frauen in die Verfügungsgewalt des männlich-dominierten Kapitals verschoben. Aber durch den Kapitalismus wurden nun auch große Teile der Frauen in die sich ständig ausdehnende Fabrikarbeit einbezogen. Aus Gier der Kapitalisten nach immer neuen Arbeitskräften wurde die Jahrtausende dauernde Zurückdrängung der Frauen ins Haus und auf den Haushalt durchlöchert und weitgehend aufgehoben. Dem entsprechend wurde im 20 Jahrhundert – nach langen Kämpfen – auch die rechtliche Gleichstellung der Frauen in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft weitgehend durchgesetzt.

Frauen sind der am meisten unterdrückte und ausgebeutete Teil der Arbeiter/innenklasse

Im Unterschied zur Sklavenhaltergesellschaft und zum Feudalismus braucht die kapitalistische Produktionsweise rechtlich freie Menschen für die Organisierung der Produktion und Ausbeutung. Im Feudalismus waren die Produzent/innen rechtlich an den Grundherrn gebunden, sie durften den Ausbeuter nicht frei wählen.
Für die rasche Entwicklung der Produktivkräfte und der Produktivität (im Wettlauf mit den Konkurrenten) braucht der Kapitalist aber immer die besten verfügbaren Arbeitskräfte – und dazu müssen alle diesbezüglichen rechtlichen Einschränkungen aufgehoben werden (vgl. heute: Sonderkontingente für Spezialisten in den Ausländergesetzen).
Die wichtigsten Formen der Unterdrückung der Frauen im entwickelten Kapitalismus sind also nicht im gesetzlichen Bereich zu finden, im Gegenteil: Gehen wir nach dem Buchstaben des Gesetzes, dann sind bei uns heute Mann und Frau gleich gestellt. Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz ist formal einklagbar. Nicht einmal in den Kollektivverträgen finden wir Hinweise auf die besonders niedrigen Frauenlohngruppen (heute heißen Sie z.B. ganz neutral „Lohnstufe 2“)
Der Kapitalismus ist aber ein hinterlistiges Scheißsystem, das mit politischer Freiheit und Gleichheit prahlt und durch die gesellschaftliche und ökonomische Ungleichheit die Ausbeutung sichert: Jede/r darf eine Fabrik oder Bank kaufen, aber niemand darf sie enteignen; jede/r darf für einen Kapitalisten arbeiten, aber niemand darf sich sein/ihr Arbeitsprodukt aneignen (außer er/sie ist „selbstständig“); jede/r darf Arbeiter/innen anheuern und feuern, aber niemand darf Kapitalisten mit kollektiven Zwangsmaßnahmen unter Druck setzen usw.
Die Arbeiter/innenklasse ist in diesem System immer in einer beschissenen Lage – unabhängig davon, wie gut ihre materielle Lage momentan abgesichert sein mag. Die Frauen aus der Arbeiter/innenklasse sind dabei aufgrund der historischen Entwicklung, ihrer traditionellen Stellung in der Gesellschaft und verschärft durch den ideologisch-politischen Druck der am meisten unterdrückte und ausgebeutete Teil. Sie müssen die miesesten Arbeiten zu den niedrigsten Löhnen machen, sie müssen jede Form von Teilzeitarbeit akzeptieren. Je nach Arbeitstätigkeit wird dann auch noch erwartet, dass sie den Kunden oder dem Chef „schöne Augen“ machen usw. Es ist kein Zufall, sondern Ausdruck der Stellung der Frauen in unserer Gesellschaft, dass typische „Frauenberufe“ wie Verkäuferin, Maschinenbedienerinnen und typische „Frauenbranchen“ wie Textil-, Leder- und Bekleidungsindustrie besonders niedrige Löhne aufweisen.

Brutto-Monatsverdienste 2001
der Arbeiter/innen in Industrie und Gewerbe

Männer und Frauen,
medianer Durchschnitt = 50% drunter
Industrie, insgesamt                 1939,40 €
ABER:
Ledererzeugende Industrie       1116,50 €
Lederverarbeitende Industrie   1237,00 €
Bekleidungsindustrie                 1106,90 €

Gewerbe, insgesamt                  1699,40 €
ABER:
Bekleidungsgewerbe                  1017,60 €

Netto-Jahreseinkommen 2001
der unselbständigen Erwerbstätigen
Männer       19218 €
Frauen        13210 €

Verkaufs- und DienstleistungshilfskräfteMänner        16000 €
Frauen            9520 €

Quelle: AK-TB S.290, 296

Vollständige Frauenbefreiung ist nur auf dem Weg der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung möglich

Der Mensch ist das Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse, seiner sozialen Beziehungen und der Eigentumsverhältnisse, die sich im Lauf der Geschichte verändert haben und weiter verändern. Das gilt selbstverständlich auch für die Frau und ihre Stellung in der Gesellschaft: Sie ist das Produkt der sich verändernden gesellschaftlichen Verhältnisse – es gibt keine „natürliche“ Stellung der Frau in der Gesellschaft! Die Stellung der Frauen in der kapitalistischen Gesellschaft ist bestimmt durch die kapitalistischen Eigentumsformen an den Produktionsmitteln (Fabriken, Banken, …) und die darauf gegründeten Produktionsverhältnisse.
Die Unterdrückung der Frauen im Kapitalismus beruht auf den ökonomischen Grundlagen unserer Gesellschaft, d.h. der kapitalistischen Produktionsweise und Ausbeutung. Solange das Recht auf Privateigentum an Produktionsmitteln weiter besteht, kann es keine Befreiung der Frauen geben.
Der lange Wirtschaftsaufschwung nach den Zerstörungen des 2. imperialistischen Weltkriegs in Europa hat reformistischen Strömungen eine Zeit lang scheinbar recht gegeben. Die großen Reformschübe in Österreich in den 1970er und beginnenden 80er Jahren haben die besondere Unterdrückung der Frauen gemildert, ihre offen erzwungene Unterordnung unter den Mann in der Familie (Züchtigungsrecht), als pflichtmäßige Sex- und Gebärmaschine (strengstes Abtreibungsverbot) beseitigt, weil das aufblühende österreichische Monopolkapital nicht genug freie Arbeitskräfte hatte. Tatsächlich hat die Frauenbewegung damals einiges erreicht, aber heute ist die Gegenreformation mächtig geworden und vertritt ganz andere Interessen… die Ausbeuterinteressen des Kapitals, die jede soziale Weiterentwicklung hemmen.
Je nach Situation hieß es früher: Frauen in die Produktion oder zurück an den Herd. Heute heißt es: Nach der Produktion an den Herd (auch wenn’s eine Mikrowelle ist…). Nach der Produktion als Betreuerin ans Krankenbett, als Erzieherin ins Kinderzimmer…
Eine wirkliche Vergesellschaftung der Hausarbeit ist im Kapitalismus nicht dauerhaft durchsetzbar bzw. kann nicht abgesichert werden. Das Monopolkapital, das die politischen Entscheidungen in unserer Gesellschaft dominiert, ist ständig auf der Jagd nach Maximalprofit – das ist ein Kennzeichen des monopolkapitalistisch-imperialistischen Stadiums. Und für die Erzielung von Maximalprofiten müssen alle Mittel eingesetzt werden, unter anderem auch ständige Kürzungen im Sozialbereich – solange die Arbeiter/innenklasse nicht massiv dagegen auftritt und z.B. durch Streiks die Profite schmälert.

Eine „Gleichstellung“ von Frauen und Männern im Kapitalismus wäre theoretisch möglich bzw. denkbar und widerspricht nicht direkt der kapitalistischen Produktionsweise. Es könnte gleich viele weibliche Ausbeuterinnen wie männliche Ausbeuter geben und auf der anderen Seite gleich viele in Lohnarbeit stehende Arbeiterinnen wie Arbeiter. In diesem Sinn hat die bürgerliche und kleinbürgerliche Frauenbewegung auch scheinbar „recht“, wenn sie die Durchsetzung ihrer (aber nur ihrer!) Forderungen auf reformistischem Weg versucht. Die Interessen des weiblichen Bürgertums und von Teilen des weiblichen Kleinbürgertums wären abstrakt-prinzipiell im Kapitalismus erreichbar, auch wenn bestimmte systemimmanente Hindernisse entgegenstehen, wie z.B. der Zwang zur Spaltung des Volkes für die Absicherung der Herrschaft der Bourgeoisie. Zumindest in der Arbeiter/innenklasse, die den Großteil der Gesellschaft ausmacht, braucht der Kapitalismus immer eine Spaltung (in Alte und Junge, Inländer und Ausländer, Kranke und Gesunde – und eben auch Männer und Frauen), um diese insgesamt niederhalten zu können. Darüber hinaus hat das Monopolkapital Interesse an einer flexiblen industriellen Reservearmee, d.h. an Menschen, die in der Hochkonjunktur angeheuert und in der Krise gefeuert werden können – und Frauen eignen sich aufgrund der dreitausend Jahre Patriarchat dafür besonders…
Deshalb kann auch die besondere Benachteiligung und Unterdrückung der Arbeiterinnen im Kapitalismus nicht beseitigt werden, ohne den Kapitalismus zu beseitigen. Da aber für die Aufrechterhaltung des gesamten Ausbeutungssystems die besondere Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiterinnen notwendig ist, wird – unabhängig von Lippenbekenntnissen bestimmter bürgerlicher Politiker/innen in Vorwahlzeiten („schwarz, stark, weiblich“) – die Ideologie der Herrschenden immer auch gegen die Frauen gerichtet sein, und zwar gegen alle Frauen als Frauen.
Ganz offensichtlich kann die Ausbeutung der Arbeiterinnen (wie die der Arbeiter) ohne Enteignung und Vergesellschaftung der Produktionsmittel nicht beendet werden. Diese kann nicht durch Reformen erreicht werden, denn freiwillig geben die Kapitalisten ihre Produktionsmittel nicht her…
Für die große Masse der Frauen ist daher ihr Schicksal und ihre Zukunft eng mit den Perspektiven einer revolutionären Überwindung dieser bürgerlichen Gesellschaft verbunden. Ebenso eng, wie das bestehende Patriarchat mit den kapitalistischen Produktionsverhältnissen und der bürgerlichen Gesellschaftsordnung verknüpft ist, ist der Kampf der großen Mehrheit der Frauen mit den Fortschritten der revolutionären Arbeiter/innen-Bewegung verbunden. Denn nur diese kann auf revolutionärem Weg, durch den Sturz der Bourgeoisie und die Machtübernahme der Arbeiter/innenklasse eine neue klassenlose Gesellschaft gleichberechtigter Menschen ohne Unterdrückung und Ausbeutung schaffen.
Auf dem Weg dorthin ist jede Reform, die zu einer wirklichen Verbesserung der Lage der Frauen, zu einer Milderung der besonderen Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen führt, ein Fortschritt. Viele Frauen sowohl aus der Arbeiter/innenklasse als auch aus den werktätigen Mittelschichten kommen gerade durch den frauenfeindlichen Charakter des Kapitalismus in Widerspruch zu diesem System, auch wenn sie nicht in der bürgerlichen Ausbeuterordnung die Grundlage für ihre berechtigte Unzufriedenheit sehen.
Wir unterstützen und fördern praktische Kämpfe für jede wirkliche Verbesserung im Kapitalismus, und versuchen, darin vorwärts treibende Forderungen einzubringen, die breite Massen mobilisieren und zusammenschließen können. Wir tragen in diese Kämpfe die sozialistische Orientierung der Überwindung dieses Systems hinein und versuchen die Masse der kämpfenden Frauen davon zu überzeugen, dass eine wirkliche Frauenbefreiung nur über den Weg der sozialistischen Revolution und die Machtergreifung der Arbeiter/innenklasse erreicht werden kann.

Für Frauenbefreiung ist ein ideologisch-politischer Kampf vor und nach der proletarischen Revolution notwendig: Entmachtung und Enteignung der Kapitalisten bedeutet nicht Beseitigung der Frauenunterdrückung

Die Erfahrungen der revolutionären Bewegung im 20. Jahrhundert zeigen, dass sowohl für den revolutionären Kampf gegen die Diktatur der Bourgeoisie als auch für den Aufbau des Sozialismus nach dem Sturz des Kapitals der antipatriarchale Kampf ein unverzichtbarer Teil des Kampfes um die sozialistische Revolution ist. Weiters ist nach dem Sieg des Proletariats die Fortführung des Klassenkampfs gegen alle Reste der alten Ordnung und gegen die Restauration einer neuen Form von bürokratischem Kapitalismus notwendig.
In der Sowjetunion, dem ersten sozialistischen Land der Welt, wurden besonders in den ersten 5 – 10 Jahren gewaltige Leistungen bei der wirklichen Gleichstellung der Frauen in allen Bereichen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens erreicht und diese stellten auch ein Vorbild für die Arbeiter/innenklasse der kapitalistischen Länder dar. Tatsächlich ist es aber so, dass allein durch eine ausreichende Zahl von Kinderkrippen, Kindergärten, Kinderhorten, Werkskantinen, Ausspeisungsstellen, Putzereien, Nähereien usw. zur weitgehenden Vergesellschaftung der Hausarbeit (was in der Sowjetunion nie erreicht wurde) nicht die gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen erreicht wird.

Wer steht früher auf und macht das Frühstück?
Wer lasst sich vom Chef antatschen und sagt lieber nichts?
Wer weiß am Nachhauseweg, dass keine Milch mehr im Kühlschrank ist und schaut im Supermarkt vorbei?
Wer sieht nach der Arbeit daheim, dass der Boden schon wieder dreckig ist und holt den Staubsauger?
Wer liegt total müde im Bett, will schlafen und lasst trotzdem Sex mit sich machen?
Wer geht in Karenz, weil der Lohn eh deutlich niedriger ist?
Wer nimmt Urlaub, weil das Kind schon wieder krank ist und der ganze Pflegeurlaub aufgebraucht ist?
Zu wem sagt der Chef: Geh wie wär’s mit an Kaffee – und du rennst schon zum Automaten, um ihm einen zu holen?
Wie viele Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen kennst du?
Wer macht die Arbeiten mit den niedrigsten Löhnen? Wer ist in diesen Betrieben außer dem Meister und dem Betriebsrat noch ein Mann?
Warum ist das eigentlich so, obwohl bei uns seit Jahrzehnten Männer und Frauen rechtlich völlig gleichgestellt sind???

Auch bei einer nahezu vollständigen Eingliederung der Frauen in den sozialistischen Produktionsprozess und ihrer Befreiung von der „Haussklaverei“, wie es Lenin nannte, wird das jahrtausende alte Patriarchat nicht gekippt, sondern es lebt in den Köpfen, in der Ideologie und der Tradition weiter. Wenn kein entschlossener ideologisch-politischer Kampf für die tatsächliche gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen auf allen Gebieten geführt wird, dann setzt sich das Patriarchat auch im Sozialismus immer wieder in der tagtäglichen Praxis durch, auch wenn staatliche Maßnahmen die Frauenbefreiung fördern.
Doch die wirtschaftlichen Probleme unter dem Würgegriff der imperialistischen Umkreisung und theoretische Positionen von einem Primat der Produktivkräfte führten in der Sowjetunion schon in den Dreißiger Jahren sogar zu einer teilweisen Rücknahme des Erreichten. Nach dem Sieg über den Faschismus wurden in den Volksdemokratien in Osteuropa neuerliche vorsichtige Schritte auf dem Weg zu Frauenbefreiung gesetzt – allerdings mussten dabei viele halbfeudale Reste in vielen dieser Länder überwunden werden, und die einflussreiche revisionistische Linie in der KPdSU zur Familienpolitik hemmten die Entwicklung.
E rst in den heftigen theoretischen und praktischen Auseinandersetzungen der Kulturrevolution in China der 1960er Jahre wurde der Kampf um die Frauenbefreiung wieder als notwendige und bewusste Kampffront im Aufbau des Sozialismus erkannt. (vgl. dazu in dieser PR auch den Artikel aus TALK TOGETHER Nr.2: „Keine Frauenbefreiung ohne Befreiung der Gesellschaft …!“)
Mit der konterrevolutionären Umwandlung Chinas Ende der 1970er Jahre war auch in diesem ehemals sozialistischen Land der Kampf gegen das Patriarchat und für vollständige Frauenbefreiung von der Tagesordnung verschwunden. Doch besonders in den Beispielen aus dem revolutionären China (z.B. in Claudie Broyelle, Die Hälfte des Himmels) zeigt sich die ungeheure verändernde Kraft, die die Volksmassen entwickeln können, wenn die gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen bewusst und auf revolutionärem Weg vorangetrieben wird.

Fußnoten

  • [1]Wir schreiben „Mutter“ unter Anführungszeichen, weil viele Aufgaben und Tätigkeiten, die in unserer patriarchalen Gesellschaft der Frau aufgezwungen werden, ideologisch mit der Mutterschaft begründet werden, obwohl Kinder bekochen, füttern, pflegen, erziehen usw. genauso gut von Männern erledigt werden können. Wir vertreten die Auffassung, dass die biologische Mutterschaft, d.h. das Gebären von Kindern, im wesentlichen nur das Stillen des Säuglings als „natürliche“ Konsequenz nach sich zieht, dass aber alle anderen gesellschaftlich aufgeteilten Arbeiten rund um das Kind seit der Entstehung der Zivilisation nur durch das Patriarchat den Frauen zugewiesen werden.