Frauenbefreiung und Revolution

Die Arbeitskraft der Männer und Frauen aus der Arbeiter/innenklasse wird im Kapitalismus zur Ware. Sie produzieren für einen Kapitalisten Mehrwert gegen Lohn. Außerhalb des Produktionsprozesses wird im Kapitalismus auch die weibliche Sexualität zur Ware – durch die Werbung und die Sexindustrie. Sexuelle Belästigung und Unterdrückung von Frauen und Vergewaltigungen sind seit der Entstehung der Männerherrschaft (Patriarchat) mehr oder weniger toleriert – zumindest in der „eigenen“ Familie. Noch heute gibt es heftige Widerstände gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe…
Von allen diesen Missständen sind Frauen aus der Arbeiter/innenklasse heute ganz besonders betroffen, auch wenn das bürgerliche Recht die große Gleichheit verkündet. Die bürgerliche Frauenbewegung hat ihre Ziele weitgehend erreicht – immer mehr Frauen kommen in Führungspositionen, es gibt immer mehr Wissenschaftlerinnen an den Universitäten, ein immer größerer Teil des Aktienbesitzes ist in Frauenhänden usw. Auf der anderen Seite der Frauenbewegung, bei den Arbeitsmigrantinnen, schauts aber umgekehrt aus: Ein Teil von ihnen ist (in Indien, Ostanatolien usw.) unter halbfeudalen Verhältnissen aufgewachsen, wo nur der Mann das Sagen hat. Ihnen werden die miesesten Jobs zu den miesesten Löhnen zugeschoben. Sie sind durch rassistische Sondergesetze, die sich in der Praxis vor allem gegen Frauen richten, zusätzlich geknebelt. So z.B. sind viele Immigrantinnen bei einer Scheidung mit Abschiebung bedroht, weil sie keine legale Arbeit haben und damit an die Aufenthaltsgenehmigung „ihres“ Mannes gebunden sind.
Die Lebenssituation der meisten Frauen ist geprägt durch ihre bezahlte Lohnarbeit und ihre unbezahlte Arbeit in der Partnerschaft oder Familie als Hausfrau und „Mutter“.[1]

Der durch­schnitt­liche, mediane Brutto­jahres­lohn (50% drunter) beträgt für Frauen 17.210 € und 27.250 € für Männer (-37%). Bei Arbeiter/innen 12.620 € für Frauen gegen­über 23.770 € für Männer (-47%); bei An­gestellten 17.390 € für Frauen und 34.630 (-50%)für Män­ner. Lediglich im Öffent­lichen Dienst ver­dienen die Frauen „nur“ 20% weniger. Als mo­nat­liche Alters­pension kriegen 50% der Frauen unter 662 € und die Män­ner 1768 €. (alle Zahlen: AK-TB 2002, S. 272ff. und 381)

Neben der Lohnarbeit ist die durchschnittliche Frau in Österreich also auch Hausfrau und „Mutter“, und das zweite wirkt auf das erste zurück. Das führt unter anderem dazu, dass die Frauen in Österreich um ca. 40% weniger Lohn bekommen als ihre männlichen Kollegen.
Ein großer Teil der Frauen hat nur Zugang zu bestimmten Berufen, die entweder eng mit der erzwungenen Rolle als Hausfrau und „Mutter“ zusammenhängen (Putzarbeiterin, verschiedene Sozialberufe, Lehrerin, Prostituierte, …) oder schlecht bezahlte angelernte Tätigkeiten umfassen (Textilindustrie, Fließband, Büro,…) In technischen Berufen und in führenden Positionen sind Frauen eine kleine Minderheit.

Patriarchat = Frauenunterdrückung
kurze Geschichte der Unterdrückung der Frauen seit Beginn der Klassengesellschaft

Mit der Überschussproduktion entstand im Mittelmeerraum vor etwa 3000 Jahren das Patriarchat zugleich mit der Sklaverei.
Die ersten Millionen Jahre der Menschheitsgeschichte, in der Steinzeit, mussten alle Menschen arbeiten, damit die Sippe gerade überlebt. In so einer Gesellschaftsform gibt es keine Unterdrückung und es gibt keine von der Arbeit freigestellten Herrschenden und ihre Lakaien (Polizei, Priester usw.), die von fremder Arbeit leben. Sobald aber mit der beginnenden Metallzeit (Kupfer- und frühe Bronzezeit) mit verbesserten Arbeitsgeräten Überschüsse produziert werden, können bestimmte Gruppen von Menschen (Anführer/innen, Priester/innen, Wissenschaftler/innen,…) von der produktiven Arbeit freigestellt werden bzw. sich freistellen (lassen), und eine Klasse von Ausbeutern entsteht, die von fremder Arbeit lebt.
Gleichzeitig entsteht aber mit der Überschussproduktion auch die Möglichkeit, sich bisher im Gemeineigentum genutzte Güter als Privateigentum anzueignen – das gilt insbesondere auch für das Privateigentum an Produktionsmitteln. In der Antike waren es die Männer aus dem Stammesadel, die als erstes „ihr“ Privateigentum beanspruchten und als kampferfahrene Krieger auch verteidigen konnten.
Im Römischen Reich und in anderen Sklavenhaltergesellschaften wurden Frauen ebenso wie Sklav/innen und Kinder zum Eigentum der Männer der herrschenden Klasse (Patrizier bzw. Patriarchen). Der Arbeitsplatz der Frauen war seit damals fast ausschließlich auf das Haus beschränkt.
Bis vor etwa 150 Jahren bestanden die Hauptaufgaben der Frauen aus Arbeiten für die Grundversorgung der Familie, wie Herstellung der Bekleidung und des Hausrats (Töpfern), Organisierung der Nahrungsbeschaffung (sowohl Garten- und Feldarbeit als auch Kleinviehhaltung) und Zubereitung des Essens für die gesamte Großfamilie (einschließlich ältere Generation, Gesinde,…). Überschussprodukte wurden am Markt verkauft und so trugen die Frauen wesentlich zum Familieneinkommen bei. Darüber hinaus spielte das Gebären und das Aufziehen von Kindern eine herausragende Rolle. Die Hauptaufgaben der Männer – sowohl der herrschenden wie auch der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen – waren außerhalb des Hauses, Hofs oder Palasts. Ackerbau und Viehzucht im größeren Stil, Kriegszüge, Fernhandel usw. waren die Domänen der Männer von der Sklavenhalterzeit bis heute. Besonders mit der Entwicklung des Handwerks aus einem Teil der Hausarbeit zu eigenständigen Berufen, die außerhalb des „geschlossenen Haushalts“, also von Männern, organisiert wurden, wurde das Patriarchat aufs Neue stabilisiert.
In den letzten 2000 Jahren änderten sich zwar die Formen der Frauenunterdrückung (Sklaverei, Feudalismus und Kapitalismus), aber die Männerherrschaft blieb bestehen: Die herrschende Klasse besteht bis heute fast ausschließlich aus Männern.

Im Kapitalismus wurden schließlich große Teile der von Frauen in Hausarbeit hergestellten Produkte maschinell und fabrikmäßig hergestellt und dadurch einerseits entwertet, andererseits aus der Produktionssfäre der Frauen in die Verfügungsgewalt des männlich-dominierten Kapitals verschoben. Aber durch den Kapitalismus wurden nun auch große Teile der Frauen in die sich ständig ausdehnende Fabrikarbeit einbezogen. Aus Gier der Kapitalisten nach immer neuen Arbeitskräften wurde die Jahrtausende dauernde Zurückdrängung der Frauen ins Haus und auf den Haushalt durchlöchert und weitgehend aufgehoben. Dem entsprechend wurde im 20 Jahrhundert – nach langen Kämpfen – auch die rechtliche Gleichstellung der Frauen in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft weitgehend durchgesetzt.

Frauen sind der am meisten unterdrückte und ausgebeutete Teil der Arbeiter/innenklasse

Im Unterschied zur Sklavenhaltergesellschaft und zum Feudalismus braucht die kapitalistische Produktionsweise rechtlich freie Menschen für die Organisierung der Produktion und Ausbeutung. Im Feudalismus waren die Produzent/innen rechtlich an den Grundherrn gebunden, sie durften den Ausbeuter nicht frei wählen.
Für die rasche Entwicklung der Produktivkräfte und der Produktivität (im Wettlauf mit den Konkurrenten) braucht der Kapitalist aber immer die besten verfügbaren Arbeitskräfte – und dazu müssen alle diesbezüglichen rechtlichen Einschränkungen aufgehoben werden (vgl. heute: Sonderkontingente für Spezialisten in den Ausländergesetzen).
Die wichtigsten Formen der Unterdrückung der Frauen im entwickelten Kapitalismus sind also nicht im gesetzlichen Bereich zu finden, im Gegenteil: Gehen wir nach dem Buchstaben des Gesetzes, dann sind bei uns heute Mann und Frau gleich gestellt. Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz ist formal einklagbar. Nicht einmal in den Kollektivverträgen finden wir Hinweise auf die besonders niedrigen Frauenlohngruppen (heute heißen Sie z.B. ganz neutral „Lohnstufe 2“)
Der Kapitalismus ist aber ein hinterlistiges Scheißsystem, das mit politischer Freiheit und Gleichheit prahlt und durch die gesellschaftliche und ökonomische Ungleichheit die Ausbeutung sichert: Jede/r darf eine Fabrik oder Bank kaufen, aber niemand darf sie enteignen; jede/r darf für einen Kapitalisten arbeiten, aber niemand darf sich sein/ihr Arbeitsprodukt aneignen (außer er/sie ist „selbstständig“); jede/r darf Arbeiter/innen anheuern und feuern, aber niemand darf Kapitalisten mit kollektiven Zwangsmaßnahmen unter Druck setzen usw.
Die Arbeiter/innenklasse ist in diesem System immer in einer beschissenen Lage – unabhängig davon, wie gut ihre materielle Lage momentan abgesichert sein mag. Die Frauen aus der Arbeiter/innenklasse sind dabei aufgrund der historischen Entwicklung, ihrer traditionellen Stellung in der Gesellschaft und verschärft durch den ideologisch-politischen Druck der am meisten unterdrückte und ausgebeutete Teil. Sie müssen die miesesten Arbeiten zu den niedrigsten Löhnen machen, sie müssen jede Form von Teilzeitarbeit akzeptieren. Je nach Arbeitstätigkeit wird dann auch noch erwartet, dass sie den Kunden oder dem Chef „schöne Augen“ machen usw. Es ist kein Zufall, sondern Ausdruck der Stellung der Frauen in unserer Gesellschaft, dass typische „Frauenberufe“ wie Verkäuferin, Maschinenbedienerinnen und typische „Frauenbranchen“ wie Textil-, Leder- und Bekleidungsindustrie besonders niedrige Löhne aufweisen.

Brutto-Monatsverdienste 2001
der Arbeiter/innen in Industrie und Gewerbe

Männer und Frauen,
medianer Durchschnitt = 50% drunter
Industrie, insgesamt                 1939,40 €
ABER:
Ledererzeugende Industrie       1116,50 €
Lederverarbeitende Industrie   1237,00 €
Bekleidungsindustrie                 1106,90 €

Gewerbe, insgesamt                  1699,40 €
ABER:
Bekleidungsgewerbe                  1017,60 €

Netto-Jahreseinkommen 2001
der unselbständigen Erwerbstätigen
Männer       19218 €
Frauen        13210 €

Verkaufs- und DienstleistungshilfskräfteMänner        16000 €
Frauen            9520 €

Quelle: AK-TB S.290, 296

Vollständige Frauenbefreiung ist nur auf dem Weg der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung möglich

Der Mensch ist das Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse, seiner sozialen Beziehungen und der Eigentumsverhältnisse, die sich im Lauf der Geschichte verändert haben und weiter verändern. Das gilt selbstverständlich auch für die Frau und ihre Stellung in der Gesellschaft: Sie ist das Produkt der sich verändernden gesellschaftlichen Verhältnisse – es gibt keine „natürliche“ Stellung der Frau in der Gesellschaft! Die Stellung der Frauen in der kapitalistischen Gesellschaft ist bestimmt durch die kapitalistischen Eigentumsformen an den Produktionsmitteln (Fabriken, Banken, …) und die darauf gegründeten Produktionsverhältnisse.
Die Unterdrückung der Frauen im Kapitalismus beruht auf den ökonomischen Grundlagen unserer Gesellschaft, d.h. der kapitalistischen Produktionsweise und Ausbeutung. Solange das Recht auf Privateigentum an Produktionsmitteln weiter besteht, kann es keine Befreiung der Frauen geben.
Der lange Wirtschaftsaufschwung nach den Zerstörungen des 2. imperialistischen Weltkriegs in Europa hat reformistischen Strömungen eine Zeit lang scheinbar recht gegeben. Die großen Reformschübe in Österreich in den 1970er und beginnenden 80er Jahren haben die besondere Unterdrückung der Frauen gemildert, ihre offen erzwungene Unterordnung unter den Mann in der Familie (Züchtigungsrecht), als pflichtmäßige Sex- und Gebärmaschine (strengstes Abtreibungsverbot) beseitigt, weil das aufblühende österreichische Monopolkapital nicht genug freie Arbeitskräfte hatte. Tatsächlich hat die Frauenbewegung damals einiges erreicht, aber heute ist die Gegenreformation mächtig geworden und vertritt ganz andere Interessen… die Ausbeuterinteressen des Kapitals, die jede soziale Weiterentwicklung hemmen.
Je nach Situation hieß es früher: Frauen in die Produktion oder zurück an den Herd. Heute heißt es: Nach der Produktion an den Herd (auch wenn’s eine Mikrowelle ist…). Nach der Produktion als Betreuerin ans Krankenbett, als Erzieherin ins Kinderzimmer…
Eine wirkliche Vergesellschaftung der Hausarbeit ist im Kapitalismus nicht dauerhaft durchsetzbar bzw. kann nicht abgesichert werden. Das Monopolkapital, das die politischen Entscheidungen in unserer Gesellschaft dominiert, ist ständig auf der Jagd nach Maximalprofit – das ist ein Kennzeichen des monopolkapitalistisch-imperialistischen Stadiums. Und für die Erzielung von Maximalprofiten müssen alle Mittel eingesetzt werden, unter anderem auch ständige Kürzungen im Sozialbereich – solange die Arbeiter/innenklasse nicht massiv dagegen auftritt und z.B. durch Streiks die Profite schmälert.

Eine „Gleichstellung“ von Frauen und Männern im Kapitalismus wäre theoretisch möglich bzw. denkbar und widerspricht nicht direkt der kapitalistischen Produktionsweise. Es könnte gleich viele weibliche Ausbeuterinnen wie männliche Ausbeuter geben und auf der anderen Seite gleich viele in Lohnarbeit stehende Arbeiterinnen wie Arbeiter. In diesem Sinn hat die bürgerliche und kleinbürgerliche Frauenbewegung auch scheinbar „recht“, wenn sie die Durchsetzung ihrer (aber nur ihrer!) Forderungen auf reformistischem Weg versucht. Die Interessen des weiblichen Bürgertums und von Teilen des weiblichen Kleinbürgertums wären abstrakt-prinzipiell im Kapitalismus erreichbar, auch wenn bestimmte systemimmanente Hindernisse entgegenstehen, wie z.B. der Zwang zur Spaltung des Volkes für die Absicherung der Herrschaft der Bourgeoisie. Zumindest in der Arbeiter/innenklasse, die den Großteil der Gesellschaft ausmacht, braucht der Kapitalismus immer eine Spaltung (in Alte und Junge, Inländer und Ausländer, Kranke und Gesunde – und eben auch Männer und Frauen), um diese insgesamt niederhalten zu können. Darüber hinaus hat das Monopolkapital Interesse an einer flexiblen industriellen Reservearmee, d.h. an Menschen, die in der Hochkonjunktur angeheuert und in der Krise gefeuert werden können – und Frauen eignen sich aufgrund der dreitausend Jahre Patriarchat dafür besonders…
Deshalb kann auch die besondere Benachteiligung und Unterdrückung der Arbeiterinnen im Kapitalismus nicht beseitigt werden, ohne den Kapitalismus zu beseitigen. Da aber für die Aufrechterhaltung des gesamten Ausbeutungssystems die besondere Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiterinnen notwendig ist, wird – unabhängig von Lippenbekenntnissen bestimmter bürgerlicher Politiker/innen in Vorwahlzeiten („schwarz, stark, weiblich“) – die Ideologie der Herrschenden immer auch gegen die Frauen gerichtet sein, und zwar gegen alle Frauen als Frauen.
Ganz offensichtlich kann die Ausbeutung der Arbeiterinnen (wie die der Arbeiter) ohne Enteignung und Vergesellschaftung der Produktionsmittel nicht beendet werden. Diese kann nicht durch Reformen erreicht werden, denn freiwillig geben die Kapitalisten ihre Produktionsmittel nicht her…
Für die große Masse der Frauen ist daher ihr Schicksal und ihre Zukunft eng mit den Perspektiven einer revolutionären Überwindung dieser bürgerlichen Gesellschaft verbunden. Ebenso eng, wie das bestehende Patriarchat mit den kapitalistischen Produktionsverhältnissen und der bürgerlichen Gesellschaftsordnung verknüpft ist, ist der Kampf der großen Mehrheit der Frauen mit den Fortschritten der revolutionären Arbeiter/innen-Bewegung verbunden. Denn nur diese kann auf revolutionärem Weg, durch den Sturz der Bourgeoisie und die Machtübernahme der Arbeiter/innenklasse eine neue klassenlose Gesellschaft gleichberechtigter Menschen ohne Unterdrückung und Ausbeutung schaffen.
Auf dem Weg dorthin ist jede Reform, die zu einer wirklichen Verbesserung der Lage der Frauen, zu einer Milderung der besonderen Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen führt, ein Fortschritt. Viele Frauen sowohl aus der Arbeiter/innenklasse als auch aus den werktätigen Mittelschichten kommen gerade durch den frauenfeindlichen Charakter des Kapitalismus in Widerspruch zu diesem System, auch wenn sie nicht in der bürgerlichen Ausbeuterordnung die Grundlage für ihre berechtigte Unzufriedenheit sehen.
Wir unterstützen und fördern praktische Kämpfe für jede wirkliche Verbesserung im Kapitalismus, und versuchen, darin vorwärts treibende Forderungen einzubringen, die breite Massen mobilisieren und zusammenschließen können. Wir tragen in diese Kämpfe die sozialistische Orientierung der Überwindung dieses Systems hinein und versuchen die Masse der kämpfenden Frauen davon zu überzeugen, dass eine wirkliche Frauenbefreiung nur über den Weg der sozialistischen Revolution und die Machtergreifung der Arbeiter/innenklasse erreicht werden kann.

Für Frauenbefreiung ist ein ideologisch-politischer Kampf vor und nach der proletarischen Revolution notwendig: Entmachtung und Enteignung der Kapitalisten bedeutet nicht Beseitigung der Frauenunterdrückung

Die Erfahrungen der revolutionären Bewegung im 20. Jahrhundert zeigen, dass sowohl für den revolutionären Kampf gegen die Diktatur der Bourgeoisie als auch für den Aufbau des Sozialismus nach dem Sturz des Kapitals der antipatriarchale Kampf ein unverzichtbarer Teil des Kampfes um die sozialistische Revolution ist. Weiters ist nach dem Sieg des Proletariats die Fortführung des Klassenkampfs gegen alle Reste der alten Ordnung und gegen die Restauration einer neuen Form von bürokratischem Kapitalismus notwendig.
In der Sowjetunion, dem ersten sozialistischen Land der Welt, wurden besonders in den ersten 5 – 10 Jahren gewaltige Leistungen bei der wirklichen Gleichstellung der Frauen in allen Bereichen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens erreicht und diese stellten auch ein Vorbild für die Arbeiter/innenklasse der kapitalistischen Länder dar. Tatsächlich ist es aber so, dass allein durch eine ausreichende Zahl von Kinderkrippen, Kindergärten, Kinderhorten, Werkskantinen, Ausspeisungsstellen, Putzereien, Nähereien usw. zur weitgehenden Vergesellschaftung der Hausarbeit (was in der Sowjetunion nie erreicht wurde) nicht die gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen erreicht wird.

Wer steht früher auf und macht das Frühstück?
Wer lasst sich vom Chef antatschen und sagt lieber nichts?
Wer weiß am Nachhauseweg, dass keine Milch mehr im Kühlschrank ist und schaut im Supermarkt vorbei?
Wer sieht nach der Arbeit daheim, dass der Boden schon wieder dreckig ist und holt den Staubsauger?
Wer liegt total müde im Bett, will schlafen und lasst trotzdem Sex mit sich machen?
Wer geht in Karenz, weil der Lohn eh deutlich niedriger ist?
Wer nimmt Urlaub, weil das Kind schon wieder krank ist und der ganze Pflegeurlaub aufgebraucht ist?
Zu wem sagt der Chef: Geh wie wär’s mit an Kaffee – und du rennst schon zum Automaten, um ihm einen zu holen?
Wie viele Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen kennst du?
Wer macht die Arbeiten mit den niedrigsten Löhnen? Wer ist in diesen Betrieben außer dem Meister und dem Betriebsrat noch ein Mann?
Warum ist das eigentlich so, obwohl bei uns seit Jahrzehnten Männer und Frauen rechtlich völlig gleichgestellt sind???

Auch bei einer nahezu vollständigen Eingliederung der Frauen in den sozialistischen Produktionsprozess und ihrer Befreiung von der „Haussklaverei“, wie es Lenin nannte, wird das jahrtausende alte Patriarchat nicht gekippt, sondern es lebt in den Köpfen, in der Ideologie und der Tradition weiter. Wenn kein entschlossener ideologisch-politischer Kampf für die tatsächliche gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen auf allen Gebieten geführt wird, dann setzt sich das Patriarchat auch im Sozialismus immer wieder in der tagtäglichen Praxis durch, auch wenn staatliche Maßnahmen die Frauenbefreiung fördern.
Doch die wirtschaftlichen Probleme unter dem Würgegriff der imperialistischen Umkreisung und theoretische Positionen von einem Primat der Produktivkräfte führten in der Sowjetunion schon in den Dreißiger Jahren sogar zu einer teilweisen Rücknahme des Erreichten. Nach dem Sieg über den Faschismus wurden in den Volksdemokratien in Osteuropa neuerliche vorsichtige Schritte auf dem Weg zu Frauenbefreiung gesetzt – allerdings mussten dabei viele halbfeudale Reste in vielen dieser Länder überwunden werden, und die einflussreiche revisionistische Linie in der KPdSU zur Familienpolitik hemmten die Entwicklung.
E rst in den heftigen theoretischen und praktischen Auseinandersetzungen der Kulturrevolution in China der 1960er Jahre wurde der Kampf um die Frauenbefreiung wieder als notwendige und bewusste Kampffront im Aufbau des Sozialismus erkannt. (vgl. dazu in dieser PR auch den Artikel aus TALK TOGETHER Nr.2: „Keine Frauenbefreiung ohne Befreiung der Gesellschaft …!“)
Mit der konterrevolutionären Umwandlung Chinas Ende der 1970er Jahre war auch in diesem ehemals sozialistischen Land der Kampf gegen das Patriarchat und für vollständige Frauenbefreiung von der Tagesordnung verschwunden. Doch besonders in den Beispielen aus dem revolutionären China (z.B. in Claudie Broyelle, Die Hälfte des Himmels) zeigt sich die ungeheure verändernde Kraft, die die Volksmassen entwickeln können, wenn die gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen bewusst und auf revolutionärem Weg vorangetrieben wird.

Fußnoten

  • [1]Wir schreiben „Mutter“ unter Anführungszeichen, weil viele Aufgaben und Tätigkeiten, die in unserer patriarchalen Gesellschaft der Frau aufgezwungen werden, ideologisch mit der Mutterschaft begründet werden, obwohl Kinder bekochen, füttern, pflegen, erziehen usw. genauso gut von Männern erledigt werden können. Wir vertreten die Auffassung, dass die biologische Mutterschaft, d.h. das Gebären von Kindern, im wesentlichen nur das Stillen des Säuglings als „natürliche“ Konsequenz nach sich zieht, dass aber alle anderen gesellschaftlich aufgeteilten Arbeiten rund um das Kind seit der Entstehung der Zivilisation nur durch das Patriarchat den Frauen zugewiesen werden.
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