„Wien ist anders“: Legaler Ablösewucher – Delogierung im Winter

KUNDGEBUNG am Mittwoch den 16. Februar
14.30 bis 15.30 Uhr, 1060 Wien, Aegidigassse 5

Flugblatt, Jänner 2005

Besitzer des Hauses in der Aegidigasse 5 (1060) ist die Mechitaristen-Congregation, ein christlicher Männerbund. Vor ca. 25 Jahren wurden noch Zwangsspenden an das Kloster verlangt, um eine Wohnung zu bekommen. Um den Unannehmlichkeiten vor Gericht zu entgehen, beauftragten die scheinheiligen Brüder die Hausverwaltung Brandstetter, die für mehrere Jahre die unheilige, aber profitable Aufgabe übernahm, illegale Ablösen für leere Wohnungen zu kassieren. Nach Rückschlägen bei Gericht, wo Ablösen teilweise zurückerstattet werden mussten, wurden der Makler Kainz und der Keiler Jokel zwischengeschaltet. Die Sache funktionierte so: Herr Jokel inserierte in Tageszeitungen und trat als Vermittler auf. Interessenten mussten mehrere Tausend € Anzahlung leisten und den Mietvertrag beim Makler Kainz unterschreiben. Für angeb-lich geplante Renovierungsarbeiten wurden Ablösen in der Höhe von 15.000 bis 20.000 € verlangt. Erst wenn diese Ablöse ohne Quittung voll bezahlt war, un-terschrieb die Hausverwaltung den Vertrag. Von der versprochenen Renovierung hörten die neuen Mieter/innen nichts mehr…
Von den derzeit im Haus Aegidigasse 5 Wohnenden hat mindestens 1 Partei vor ihrem Einzug an die Mechitaristen „gespendet“, mindestens 2 haben direkt Ab-lösen an die Hausverwaltung Brandstetter gezahlt und mindestens 4 Ablösen hat Herr Jokel als Vermittler kassiert. Mehrere Mieter haben es geschafft, per Gerichtsurteil einen Teil ihrer Ablösen zurückzubekommen. In einem uns be-kannten Fall wurde die Ablöse nicht vollständig bezahlt, da sich Herr Jokel nicht traute, das Geld in Beisein eines Zeugen zu übernehmen. Obwohl diese Mieter einen vom Makler unterschriebenen Mietvertrag besitzen, werden sie jetzt gerichtlich delogiert. Die Richterin, die den Herrn Jokel von mehreren Prozessen kennt, wo er in verschiedenen Rollen aufgetreten ist (z.B. als Generalunternehmer, Vormieter, …) hat zahlreiche Beweisanträge und Zeugen der Mieter nicht zugelassen – und entschied auf Räumungsbefehl.
Es ist kein Wunder, dass so viele Wohnungen leer stehen, wenn das Ablösegeschäft so profitabel ist: Bei einer Gesamtmiete von 500,- € bleiben (nach Ab-zug von Betriebskosten und Steuern) ca. 220,- € Reingewinn. Eine (steuerfreie!) „Ablöse“ von 18.000,- € bringt 82mal so viel wie eine Nettomonatsmiete; d.h. auch wenn die Wohnung vorher für 5 Jahre leer steht, bringt sie schließlich einen Gewinn von 4800,- €.
Wucherablösen für leere Wohnung sind in Wien Gang und Gäbe und die Aegidigasse 5 kein Einzelfall, aber unser Widerstand gegen Mietwucher und Immobilienspekulation wird so lange nicht aufhören, bis Wohnraum keine Ware und Mietshäuser kein Privateigentum mehr sind. Wenn die Arbeiter/innen zusammenhalten, werden sie die Welt gestalten.

Miethaie zu Fischstäbchen!
Die Häuser denen, die drin wohnen!


Wir verbreiten unsere Flugblätter seit 1995 v.a. unter Arbeiter/innen der Groß­in­dustrie; seit 2001 geben wir die „Proletarische Rundschau“ heraus. Unser Ziel ist eine Ge­sell­schafts­ordnung ohne Klassen, ohne Unter­drü­ckung und Aus­beutung. Dazu muss die Klas­se der Arbeiterinnen und Arbei­ter eine eigene Kampf­partei aufbauen, die Macht erobern, die Be­sitzer der Produktionsmittel ent­eignen und den Klassenkampf fort­setzen, bis alle Res­te der bürgerlichen Ord­nung verschwunden sind. Deswegen sind wir Kommu­nist/in­nen und nicht in der KPÖ organisiert.
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