Jeden Tag Frauentag, denn gemeinsam sind wir stark!

Die KOMAK-ML unterstützt den Aufruf zum Internationalen Frauentag:

FRAUEN-Demonstration

Auftaktkundgebung: 17 Uhr Westbahnhof
Abschlusskundgebung, mit Konzert ab ca. 19:30 Urban Loritz Platz

Aufruf, 8. März 2005

Seit Jahrhunderten kämpfen wir Frauen für unsere Rechte und haben gemeinsam viel erreicht: das Sichtbarmachen der Unterdrückung von Frauen, Öffentlichkeit über Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Arbeiterinnenrechte, Zugang zu Bildung, Wahlrecht…
Wir gehen durch den 15. Bezirk, weil wir dort wohnen und weil wir mit der Frauendemonstration Frauen in ihr­em Wohn- und Arbeitsbereich stärken wollen. Und wir gehen durch den 15. Bezirk, weil dort im Sommer und Herbst 2004 Frauen, die auf der Strasse als Prostituierte arbeiten, angegriffen wurden.

In der Auseinandersetzung um Prostitution werden die Frauen, die die Sexarbeit machen, verachtet und ver­folgt. Ganz allgemein werden Frauen als Huren oder Schlam­pen beschimpft, um sie zu beleidigen oder bloß zu stellen, unabhängig davon, ob wir als Verkäuferin, Hausfrau, Handwerkerin, Akademikerin oder Sexarbeiterin arbeiten. Wir lassen uns nicht in gute oder schlechte Frauen spalten! Frauenverachtung trifft jede von uns und wir stehen dagegen auf!
Wir sehen Sexarbeit als Arbeit und kämpfen für mehr Rechte und für Respekt für Sexarbeiterinnen. Frauen entscheiden sich zur Sexarbeit, um Geld zu verdienen, das jede zum Leben braucht. Es sind in erster Linie prekäre Arbeitsbedingungen, die häufig mit Gewalt und gesellschaftlicher Ächtung verbunden sind. Wir wissen aber auch, daß viele Frauen zur Sexarbeit gezwungen werden – von Ehemännern, Freunden, Vätern, Brüdern, Zuhältern und Frauenhändlern. Auch miese Arbeitsbedingungen, schlecht bezahlte Arbeit und Arbeitsverbote (z.B. gerade für Migrantinnen) zwingen Frauen in die Prostitution. Kämpfen wir gemeinsam gegen jede Form von Zwangsprostitution und Gewalt gegen Frauen!
Wir sehen Prostitution als sexuelle Ausbeutung. Prosti­tution findet nicht nur in der Sexarbeit statt, sondern auch in Beziehungen und in der Ehe als „sexuelle Pflichten“ und bei jeder Lohnarbeit, wo von Frauen verlangt wird, immer freundlich, sexy und attraktiv zu sein, um den Umsatz zu steigern. Wir bekämpfen jede Form von sexueller Ausbeutung, im Alltag und bei der Arbeit, und wir bekämpfen an jedem Ort das patriar­chal-männliche Selbstverständnis, Frauen zu benützen, zu besitzen, zu kaufen, zu vergewaltigen oder im Namen von „Familienehre“ oder aus Besitzanspruch Frauen zu töten. Wir Frauen sind frei und wild – kein Freiwild!

Wir sind alltäglich mit Gewalt konfrontiert: Herabwürdigende Bemerkungen und Beleidigungen, Watschen und Prügel, (sexualisierte und sexuelle) Belästigung und Vergewaltigung sind keine Ausnahmen oder Einzelschicksale. Sie sind Machtausübung und Ausdruck von Frauenverachtung und Sexismus. Das Patriarchat schafft und stärkt ausbeuterischen Beziehungen von Männern gegen Frauen.

Die Interessen der Besitzenden liegen darin, dass mög­lichst viele möglichst gratis oder billig für sie arbeiten. Diese Interessen werden mit allen Mit­teln durchgesetzt. Internationale Wirtschaftsorganisationen und Freihandelsabkommen verschaffen den Konzernen weltweit immer mehr Möglichkeiten zur Ausbeutung und Zerstörung. Im Kapitalismus – heute in seinem neoliberalem Gewand – wird gesellschaftliches Eigentum privatisiert, werden erkämpfte Arbeiterin­nen­rechte abgebaut und Frauen in niedrig bezahlte Ar­beits­verhältnisse, ohne fixes Einkommen oder irgend­eine Form der Absicherung (Krankenversicherung, Sozialversicherung) gezwungen. Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern wird immer weiter geöffnet (In Österreich derzeit über 40 %). Weltweit und auch in Österreich, steigt die Zahl der Frauen die in Armut leben oder von akuter Armut bedroht sind. – Dies trifft zuallererst Migrantinnen. Migrantinnen ohne EU-Staatsbürgerinnenschaft werden zusätzlich illegalisiert, kriminalisiert und abgeschoben!

Die Politik von FPÖVP hat in den letzten 5 Jahren die Ausbeutungsverhältnisse von Frauen weiter verschärft. Jetzt haben wir Kindergeld, das Rückkehr ins Berufsleben noch mehr erschwert, verstärktes Auftreten von radikalen AbtreibungsgegnerInnen und noch viele andere massive Angriffe auf erkämpfte Frauen- und ArbeiterInnenrechte und Asylrechte. Wir haben eine Frauenministerin, die öffentlich erklärt, dass Abtreibung Mord ist, und dass sie ungern einem Mann widerspricht. Wir setzten uns für unsere Rechte ein und widersprechen leidenschaftlich gerne, im Alltag und im Staat!

Seit langem sind autonome FrauenLesben­Ein­richtungen gefährdet, sei es durch Subventions­kür­zun­gen, Vereinnahmung, sogenanntes Projektmanagement oder Leis­tungs­verträge. FrauenLesbenOrte sind für uns kol­lektive, selbstverwaltete Zentren, von wo aus wir eine andere, gerechtere Welt gestalten.
Auch der Verkauf des Ernst-Kirchweger-Hauses übergibt ein selbstverwaltetes soziales Zentrum der Häuserspekulantion. Und die Räumungsklagen führt ein Anwalt mit rechtsradikalem Hintergrund! Wir solidarisieren uns mit dem Ernst-Kirchweger-Haus (EKH)!

2005 ist das Jahr 60 Jahre Befreiung vom Nazifaschismus. Wir stimmen nicht ein, in die Jubelfeier der Regierung, die sich mit ihrem „Gedenken“ reinwaschen will und einen österreichischen Nationalismus bejubelt und den Austrofaschisten Dollfuß feiert. In den Zeiten des Austrofaschismus wurde die ArbeiterInnenbewegung mit Waffengewalt bekämpft und verboten und dieses Österreich hat sich mit fliegenden Fahnen dem „deutschen Reich“ angeschlossen. Österreich war mitbeteiligt an der Massenvernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, der Roma und Sinti, der als „Asoziale“ Verfolgten, der Homosexuellen und als „lebensunwert“ definierten Menschen. Österreich war beteiligt am Eroberungs- und Vernichtungskrieg Krieg gegen europäische Länder und gegen die Sowjetunion. Widerstand gegen den Faschismus leisteten in Österreich vor allem die KommunistInnen und SozialistInnen und die slowenischsprachigen PartisanInnen. Auch der Überlebenskampf der Verfolgten war Teil des Widerstandes. Wir gedenken allen FrauenLesben die gegen Faschismus, Sexismus und Ausbeutung gekämpft haben und kämpfen!

Die Regierung baut wieder staatlichen Rassismus auf, baut erkämpfte Rechte und Demokratie ab und kriminalisiert Andersdenkende! Im Namen der EU-Verfassung wird weitere Privatisierung und Sozialabbau durchgesetzt, Militarisierung EU-weit durchgeführt und neue Kriege geplant.
Wir kämpfen mit allen FrauenLesben, die tagtäglich, verspottet, beleidigt, unterdrückt und/oder verfolgt werden. Wir solidarisieren uns mit den FrauenLesben, die sich tagtäglich dagegen wehren, für sich selbst einstehen und sich mit anderen FrauenLesben zusammenschließen und organisieren.

Wir kämpfen für unser Recht auf Selbstbestimmung!

  • Wir gehen auf die Strasse und kämpfen für unsere Befreiung!
  • Für selbstbestimmte Räume!
  • Das Recht, selbst zu entscheiden, mit wem wir zusammenleben!
  • Das Recht, selbst zu entscheiden, wo wir leben!
  • Das Recht auf Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnraum!
  • Das Recht auf Abtreibung!
  • Für ein Grundeinkommen, mit dem es sich leben lässt!
  • Gegen jede Zwangsarbeit und soziale Pflichtdienste!
  • Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit!
  • Gleiche Rechte für alle, die hier leben!
  • Die Regierung muss weg!
  • Wir kämpfen gegen Unterdrückung und Ausbeutung!
  • Wir kämpfen gegen EU-Militarisierung und geplante Kriege!
  • Wir kämpfen gegen Patriarchat, Kapitalismus und imperialistische Kriege!

Der 8. März ist seit über 100 Jahren der Internationale Frauen/Lesben/Mädchen-Kampftag. Vor knapp 150 Jahren traten am 8. März Textilarbeiterinnen in den Streik (1857). 1908 kamen Textilarbeiterinnen in New York ums Leben, als während eines Streikes, den sie am 8. März starteten, das Feuer ausbrach (die Arbeiterinnen wurden zuvor eingesperrt). 1909 wurde daraufhin in Nordamerika der 8. März zum landesweiten Frauenkampftag und 1911 von der sozialistischen Internationale auf Initiative von Clara Zetkin zum weltweiten Frauenkampftag erklärt

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