Solidarität mit den Streikenden bei Nestle – Philippinen Kundgebung vor der Nestle-Österreich-Zentrale

Seit mehr als drei Jahren und acht Monaten streiken die mehr als 650 Arbeiterinnen des Nestle-Werks auf den Philippinen, südlich der Hauptstadt Manila. Sie fordern die Aufnahme der Pensionskassa in ihre Arbeitsverträge, wozu ein Gerichtsbeschluss aus dem Jahr 2001 Nestle verpflichtet.

Den Streik bei Nestle Philippinen bekämpft das Unternehmen mit allen Mitteln. So wurden rasch ungelernte Arbeiter/innen als Streikbrecher/innen aufgenommen. Dadurch sank die Qualtität der Produktion, mindestens ein Kind kam wegen schlechter Babynahrung um’s Leben. Das Unternehmen bezahlte den Eltern ein „Schmerzensgeld“, um einem Prozeß zu entkommen. Viele Produkte mußten wegen ihrer schlechten Qualität vom Markt genommen werden.
Aufgrund ihrer Einkommensverluste sind inzwischen viele Familien davon bedroht, ihre Wohnungen zu verlieren bzw. mussten bereits ihre Häuser verkaufen.
3.000 Kinder von Nestle-Arbeiterinnen mussten den Schulbesuch abbrechen, um ihre Familien durch Arbeit zu unterstützen. Die Ehefrau eines Streikenden meinte ironisch, dass ihre Kinder jetzt eben mehr Gemüse essen mussten, das sei ja wohl gesund.
Gegen die Streikenden werden neben der Polizei auch private Schlägertrupps eingesetzt, heuer wurden bei einem Überfall auf den Streikposten über 50 Menschen verletzt.
Am 22.9.2005 wurde der Streikführer, Diosdado Fortuna, auf offener Straße erschossen. Die Täter flüchteten auf einem Motorrad. Die Streikenden sind überzeugt davon, dass der Mord im Auftrag von Nestle verübt wurde, die Ehefrau von Fortuna, Luz: „Mein Mann hat keine anderen Feinde außer dem Nestle-Management. Er hat immer gesagt, dass ich mir das Gesicht seines Mörders merken muss.“
Nur wenige Tage zuvor war in Kolumbien ein Gewerkschafter und ehemaliger Arbeiter im dortigen Nestle-Werk, Enrique Romero Molina, mit 40 Messerstichen umgebracht worden.
Das Internet ist voll von Berichten über Arbeitskämpfe bei Nestle, von Frankreich über Polen bis Südafrika.
Die Streikenden bei Nestle Philippinen wünschen sich ausdrücklich, dass ihr Kampf auch in Europa bekannt wird. Deshalb wollen wir eine Kundgebung vor der Zentrale von Nestle Österreich veranstalten. Dafür gibt es gute Gründe.
Nestle läßt auch in Österreich produzieren, in Linz werden Maggi und Instant-Getränke, in Wien-Stadlau Getreide- und Malzkaffee hergestellt.
Seit 1997 ist der Chef des Konzerns ein Österreicher, Peter Brabeck-Letmathe. Der Wiener Bürgermeister Häupl überreichte diesem Herrn, der sich zuletzt im Dokumentarfilm „We feed the world“ rühmte, das Schicksal von 4 Millionen Menschen zu bestimmen, jegliche Arbeitszeitverkürzung ablehnt und den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen propagiert, 2001 im „Haus der Industrie“ den Schumpeter-Preis. Begründung: der Einsatz des Chefs für die sozialen Anliegen seiner Mitarbeiter/innen.
Nestle ist laut „Forbes 500″ der 43.-größte Konzern der Welt mit einem Jahresumsatz von ca. 70 Milliarden Dollar sowie einem Gewinn von über 5 Milliarden. Der Konzern beschäftigt in mehr als 500 Fabriken eine Viertelmillion Arbeiter/innen.
In Österreich sind vor allem die Marken Maggi, Nescafe, KitKat, After Eight, Smarties, Alete und Schöller bekannt. Doch das Unternehmen, das 1867 mit der Produktion von Babynahrung begann – Bereits in den 70er Jahren gab es einen internationalen Boykott gegen Nestle, weil das Unternehmen aggressiv für Babynahrung als Stillersatz warb – hat seine Produktpalette inzwischen radikal ausgedehnt.
Neben Coca Cola, Pepsi und Danone ist Nestle mit einer Jahresproduktion von über 90 Milliarden Litern einer der größten Produzenten von Trinkwasser („Pure Life“). Die Trinkwasserproduktion entzieht nicht nur den Anrainerinnen (z.B. in Brasilien, Pakistan, USA) das Wasser, das sie nunmehr im Supermarkt kaufen müssen, sie verschmutzt zusätzlich die Umwelt, von den nicht recyclebaren Plastikflaschen, in denen das Wasser verkauft wird, ganz zu schweigen. Der Markt für Flaschenwasser ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert. 1990 waren 51 Millionen Menschen für ihre Trinkwasserversorgung von privaten Gesellschaften abhängig. 2002 waren es bereits 460 Millionen Menschen, heute wird die Anzahl derjenigen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, auf 1,3 Milliarden geschätzt (laut UNESCO).


Wir verbreiten unsere Flugblätter seit 1995 v.a. unter Arbeiter/innen der Groß­in­dustrie; seit 2001 geben wir die „Proletarische Rundschau“ heraus. Unser Ziel ist eine Ge­sell­schafts­ordnung ohne Klassen, ohne Unter­drü­ckung und Aus­beutung. Dazu muss die Klas­se der Arbeiterinnen und Arbei­ter eine eigene Kampf­partei aufbauen, die Macht erobern, die Be­sitzer der Produktionsmittel ent­eignen und den Klassenkampf fort­setzen, bis alle Res­te der bürgerlichen Ord­nung verschwunden sind. Deswegen sind wir Kommu­nist/in­nen und nicht in der KPÖ organisiert.
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