So kann das doch nicht weiter gehen! Das ist ein Aufruf zur Revolution!

Dieses kapitalistische imperialistische System hat sichüberlebt. Auf der einen Seite produziert es ungeheuren Reichtum, auf der anderen ungeheure Armut und Zerstörung. Wir sehen den Reichtum und wenn wirüberlegen wissen wir: das also wäre möglich, beispielsweise: dass alle Menschen auf der Welt genug zu essen haben, ein Dachüber dem Kopf, Kleidung, die Möglichkeit lesen und schreiben und rechnen zu lernen und sich weiterzubilden, die Möglichkeit sich zu erholen… Auf der anderen Seite aber sehen wir die Armut, die hervorgebracht wird; jeden Tag aufs Neue sehen wir, was für ein Scheiß-System das ist, in dem wir leben: Wenn täglich abertausende an Hunger sterben, wenn die Erwerbs-Arbeitslosenrate in den reichsten und entwickeltsten Ländern um die 15% liegt, wenn jeden Tag (schon) in den (bürgerlichen) Medien steht, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht, wenn ich in die Hackn geh und mir denk, was für ein verpfuschtes Leben ich hab, aber keine Möglichkeiten sehe, etwas zu verbessern, wenn für die Profite der größten Kapitalisten unsere Lebensgrundlagen zerstört werden, wennüberhaupt alles dem Streben nach mehr und mehr Profiten für eine winzige Minderheit untergeordnet wird, wenn in Kriegen Millionen Menschen umgebracht und in die Flucht getrieben werden, letztlich damit einige wenige gut davon leben können–das ist doch Grund zu schreien, das ist doch Grund nachzudenken, das ist doch Grund, etwas dagegen zu unternehmen.
Das sind doch Gründe und höchste Zeit, dieses System endlich abzuschaffen. Eine Revolution muss her–allein: zu vielen fehlt der Glaube und die Zuversicht an die Möglichkeit.Übermächtig scheinen die Mächtigen–aber es ist möglich, dass wir sie stürzen; nur wir können das tun, Menschen werden das tun, und niemand für uns.
Die Geschichte hat gezeigt: immer wieder haben Unterdrückte gegen die herrschenden Verhältnisse gekämpft und versucht, die Mächtigen zu stürzen. Auch im kapitalistischen System hat es schon viele Versuche gegeben, die herrschende Kapitalistenklasse in einer Revolution zu stürzen. Zum Beispiel:
1871 haben es die Pariser Kommunard/innen bewiesen: nach dem Sturz der herrschenden Klasse ist die Organisierung eines wahrhaft demokratischen, nämlich proletarisch-demokratischen Gemeinwesens möglich – wo es keine Ausbeuter mehr gibt, wo die tätigen Mitglieder der Gesellschaft sich selbst regieren–dabei müssen bestimmte Grundsätze beachtet werden.[1]
Die russischen Bolschewiki haben es 1917 bewiesen: der Sturz der Herrschenden ist möglich, wenn wir es verstehen, den rechten Augenblick zu nützen, und möglichst viele Leute geplant und gemeinsam kämpfen; der sozialistische Aufbau kann begonnen werden, auch unter schwierigen Bedingungen.
Die chinesischen Kommunist/innen haben es uns mit der Kulturrevolution 1966 gelehrt: Die Revolution hört nicht auf mit dem Sturz der Kapitalistenklasse und der Machtübernahme durch die vormals ausgebeuteten Proletarier und ihrer Verbündeten. Die Revolution will verteidigt und immer wieder erneuert werden, damit sie nicht verkrustet. Wesentlich ist, dass wir wach und aufmerksam bleiben, denn es muss verhindert werden, dass wieder eine neue Ausbeuterklasse an die Macht kommt.
Wir wissen auch dann, wenn sich ständig allesändert: Die Revolution kommt nicht von selbst und ist nicht dem Zufallüberlassen, auch wenn in ihr vieles unvorhergesehen geschieht. Sicher ist: es werden Menschen sein, die das Werk ihrer Selbst-Befreiung vollbringen; und es wird die Klasse der Proletarierinnen und Proletarier sein, die die Führungsrolle in dieser Revolutionübernimmt–selbstverständlich mit Bündnispartnern, aber die Proleten dürfen die Führung in der Revolution nicht aus der Hand geben, sondern müssen konsequent bleiben.
Wir wissen auch: Es braucht einen guten Plan, um die Machtübernehmen und halten können–nicht aus Machtgier, sondern um die Ausbeutungsverhältnisse abschaffen zu können, brauchen die Proleten die Macht im Staat–nicht um den Staat auszubauen und die Bürokratie aufzublähen, indem sie sich selbst auf die wichtigen Posten setzen und Pfründe abschöpfen, nein, damit der Staat selbst nach und nachüberflüssig wird, dann, wenn die letzten hartnäckigen Reste der alten Klassengesellschaft abgestorben sind.
In diesem Ziel–Ausbeutung und Staat abzuschaffen–sind sich viele Befreiungsideologien einig. Indes sagen wir Kommunist/innen: Weil wir realistischer sind, betonen wir die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats. Denn: Nicht sofort nach der Revolution wird alles wunderbar sein, wir brauchen nachher einen Apparat, um die alten Ausbeuter niederzuhalten. Der wissenschaftliche Kommunismus ist eben nicht bloßIdeologie, er ist auch Wissenschaft, das heißt Werkzeug und Mittel zum Verständnis und zur Analyse der bestehenden Verhältnisse und zur Entwicklung von Perspektiven und Möglichkeiten für die Zukunft und so Richtschnur zum Handeln.
Dieses kapitalistische System ist reif, gestürzt zu werden–schon lange, allzu lange. Die Kommunist/innen haben das auch vor 150 Jahren schon behauptet, fast machen sie sich lächerlich mit ihrer ständigen Wiederholung – lächerlich! (Aber es ist nicht zum Lachen).
Trotz der großen Unzufriedenheit vieler, die gezwungen sind in diesem System zu leben und zuüberleben, sehen die Allerwenigsten die Möglichkeit, das System zu stürzen und eine radikal andere Gesellschaft aufzubauen. Der Blick auf diese Möglichkeit ist bei vielen verstellt. Einerseits durch die Bewusstseins-Verkleisterungs- und Antikommunismus-Produktions-Maschinerie der herrschenden Klasse. Diese ist nicht zu unterschätzen und allein schon ein Anlass zu großer Wut: es ist sagenhaft mit welchem Scheißdreck unsere Köpfe gefüttert werden – in Kindergarten und Schule, in Fernsehen und Radio, durch religiöse oder esoterische Lügen…Es ist sagenhaft, welchen Scheißdreck davon jede/r von uns, die im Kapitalismus leben muss, auch selbst wiederholt und wieder weitergibt: du kommst so schwer aus, die Fassade ist so täuschend echt und es ist oft bequemer nicht dahinter zu schauen, oft bist du auch zu müde dazu, nach 40 Stunden Hacken, nachÄrger am Arbeitsamt oder am Sozi, nach einem Wickel mit dem Idioten von Ehemann[2], nach der neuesten Soap-Opera im Fernsehen. Aber der Blick dahinter ist nötig: lass dir den Kopf nicht vernebeln, wehr dich, lass deine Wut heraus, am besten gemeinsam mit anderen: organisier dich!
Heute arbeiten wir Kommunist/innen auch daran, dass sich Bewusstsein dafür entwickelt, dass das eigene Handeln etwas auslösen und bewirken kann, gegen Resignation und Kapitulantentum, dafür dass wir erkennen, dass die (politische) Tat auf unser Bewusstsein wirkt und Bewusstsein und Handeln in untrennbarem Zusammenhang stehen, dass sich das eine durch das andere weiterentwickelt–und auch umgekehrt. Denn wir wollen die Welt verändern, nicht bloßinterpretieren.
Wir arbeiten dafür, dass dieses Handeln ein gemeinsames werde, weil es dann mehr bewirken kann, denn eine gespaltene Arbeiter/innenklasse ist eine geschwächte:
Der Blick auf die Möglichkeit der Revolution ist aber bei vielen auch dadurch und deshalb verstellt, weil die Arbeiter/innenbewegung und mit ihr die kommunistische Bewegung im letzten Jahrhundert durch sehr große Niederlagen hindurchgegangen ist, die noch nicht verkraftet sind – bei weitem noch nicht. Was ist da passiert, dass die Starre dieÜberhand bekommen hatüber das Lebendige?
Immer noch sind wir dabei, zu versuchen zu verstehen und zuüberlegen, wie der sozialistische Aufbau das nächste Mal besser funktionieren kann. Wie kann verhindert werden, dass eine neue Ausbeuter-Klasse an die Macht kommt? Wie kommen wir dahin, dass jede Köchin den Staat regieren kann? Wie kann die Entwicklung in Richtung einer klassenlosen Gesellschaft vorangetrieben werden. Solche und viele andereÜberlegungen, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen werden unverzichtbar für unsere nächsten Versuche sein. Wir müssen sie jetzt anstellen, wir müssen diese Aufarbeitung bewusst und planmäßig vorantreiben. Wir müssen viel diskutieren und wir müssen mit alten Dogmen brechen.
Klar ist uns Kommunist/innen aber jedenfalls: nur eine proletarische Revolution kann imstande sein, die Grundlage für Befreiung zu schaffen. Sicher keine halbherzigen oder auch gutherzigen Reformversuche. Denn die Art von Maßnahmen, wo versucht wird,“Ausgleich“zu schaffen (zwischen den Klassen),“umzuverteilen“und dabei nichtüber die Grenzen des Systems hinauszugehen, dieärgsten Auswirkungen irgendwie abzuschwächen…solche Maßnahmen greifen kurz – sie greifen einerseits nur für kurze Zeit (denken wir anÖsterreich in den 1970ern) und greifen auch zu kurz weil sie zu kurz denken: sie sind nicht radikal–im nationalen Rahmen nicht und international noch weniger.
Deshalb betonen wir: Wir brauchen einen radikalen Bruch. Diesen gilt es vorzubereiten und zu organisieren. Der Bruch, von dem wir reden, die proletarische Revolution, ist nicht nur der Aufstand und der Sturz der Herrschenden selbst (als wäre das nicht schwierig genug). Der Bruch ist (und muss) auch und vor allem ein sehr bewusster Schritt und die ständige Arbeit im eigenen Kopf sein. Das ist eine wichtige Lehre: die Revolution hört nicht mit dem Aufstand auf, sie ist vorher und nachher und am besten beginnen wir jetzt. Oder wie es imManifest der kommunistischen Parteisteht:„Die kommunistische Revolution ist das radikalste Brechen mit denüberlieferten Eigentumsverhältnissen; kein Wunder, dass in ihrem Entwicklungsgange am radikalsten mit denüberlieferten Ideen gebrochen wird.“(MEW Bd. 4, S. 481)

  • [1]Die Pariser Kommune war ein revolutionärer Aufstand und der erste Versuch, einen proletarischen Staat aufzubauen. Wir verdanken ihr herausragende und unverzichtbare Erkenntnisse. Die Kommune ersetzte das bürgerliche Parlament durch eine Körperschaft, bestehend aus Pariser Arbeiter/innen, die sowohl gesetzgebende als auch vollziehende Gewalt hatte. Das heißt ihre Mitglieder waren auch für den Vollzug der beschlossenen Gesetze verantwortlich. Denen, die sie gewählt hatten, waren die Abgeordneten rechenschaftspflichtig, und sie waren jederzeit absetzbar. Die Kommune war ein Rätesystem, das sich später in Russland weiterentwickelte. Unter ihrer Herrschaft wurde die allgemeine Volksbewaffnung eingeführt, das stehende Heer abgeschafft. Die Polizei unterstand der Kontrolle durch das Volk, Richter und Beamten wurden von den Arbeiter/innen gewählt und sie erhielten auch nicht mehr Lohn als ein Arbeiterlohn ausmachte, Schulbesuch war fortan unentgeltlich, die Kirchen wurden enteignet, Staat und Religion strikt voneinander getrennt. Ein Fehler der Kommune war ihr zu nachsichtiges Vorgehen gegenüber der Bourgeoisie, die sie abgesetzt hatte, denn die Herren und Damen durften einfach abziehen. Paris wurde darauf von Regierungstruppen umzingelt und im Verlauf der Kämpfe unterlag die Kommune, etwa 25.000 Kommunard/innen wurden dabei getötet. Wer sich näher mit der Pariser Kommune befassen will, dem sei insbesondere„Der Bürgerkrieg in Frankreich“von Karl Marx ans Herz gelegt.
  • [2]An dieser Stelle wird auf die bestehenden patriarchalen Verhältnisse als Teil des Unterdrückungssystems hingewiesen. Frauen, die sich wehren und organisieren wollen, stehen dabei vor größeren Barrieren als Männer, was unter anderem oft auch dazu führt, dass sie in kommunistischen Organisationen in der Minderheit bleiben bzw. auch hier„unsichtbare“Arbeiten ausführen und ihre Positionen in Bewegungen und Befreiungs-Kämpfen zu wenig vorkommen oder dass sie nach einer Etappe der aktiven Teilnahme am Kampf wieder„zu Haus“verschwinden. Es soll nicht nahe gelegt werden, dass die Möglichkeit nicht bestünde, dass sich Männerüber ihre Ehefrauen berechtigtärgern können. Wir verweisen für längere Ausführungen zu Patriarchat und den Kampf dagegen auch auf die„Thesen zur Frauenbefreiung“von der Komak-ml.
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