Revolte in Frankreich: Wir stehen den Rebellen bei!

In den letzten 2 Wochen hat eine massive Revolte die französische Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Diese Rebellion, getragen hauptsächlich von Minderheiten-Jugendlichen aus der Arbeiterklasse, begann am 27. Oktober im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois, als eine Gruppe junger Männer, nachdem sie den Nachmittag mit Fußballspielen verbracht hatten, nach Hause gingen und eine Wagenladung von Polizisten an sie herantrat – die berüchtigte BAC, eine Spezialeinheit, die stolz auf ihren Ruf ist, Immigranten und Jugendliche zu schikanieren und brutal zu behandeln. Als sie vor dem drohenden Polizeiangriff flohen, versuchten sich 3 von ihnen in einer Elektro-Station zu verstecken. Obwohl die Polizei wusste, dass die 3 in Lebensgefahr schwebten, dauerte es eine Stunde, ehe der Strom abgestellt wurde und die Feuerwehr kam, um sie zu retten. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zwei der Jugendlichen tot und der Dritte schwer verletzt. Als sich die Nachricht vom Tod der 2 Jugendlichen verbreitete, begannen Gruppen von anderen Mülltonnen und Autos in Brand zu stecken und Steine auf die Polizei zu werfen.
In den folgenden Tagen nannte der französische Innenminister Nicolas Sarkozy die Jugendlichen aus den Cités (den vorstädtischen Wohnprojekten) öffentlich racaille , Pöbel oder Unterklassen-Abschaum, gegen den er bereits „einen Krieg ohne Gnade“ oder ihn „hinaus zu säubern“ versprochen hatte. Diese Äußerungen eines führenden Regierungsvertreters und reaktionären Hardliners wurden von Jugendlichen im ganzen Lande, wie auch von vielen anderen, als direkte Herausforderung aufgefasst. Kurz darauf feuerte die Polizei unter seinem Kommando eine Tränengas-Granate in eine von Gläubigen gefüllte Moschee, die eine wichtige Nacht des Ramadan, des heiligen moslemischen Monats, feierten. Das war zu viel, und anstatt auszusterben, verbreitete sich die Rebellion über das ganze Land. Nacht für Nacht wurden Hunderte von Autos, aber auch Polizeiwachen, Regierungsbüros und andere Symbole des Systems angegriffen und angezündet. Eine ganze Generation von denen, die in der Gesellschaft ganz unten sind, von denjenigen, für die das System keine Zukunft – oder auch nur das falsche Versprechen einer Zukunft – bereithält, hat die Fassade des Normalen mit einer kompromisslosen, radikalen Rebellion erschüttert, wie sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen worden ist.
Die Behörden haben vergeblich versucht, irgendeine Person, Organisation oder Kraft zu finden, die „hinter der Unruhe steckt“. Das sind „Gangster“, „Fundamentalisten“ oder „Drogendealer“ – irgendwer oder irgendetwas muss verantwortlich gemacht werden. Das heißt, alles und jedes außer der wirklichen Ursache: ihr kapitalistisches/imperialistisches System. Hunderte von Jahren kolonialer Ausbeutung, gefolgt von Jahrzehnten neo-kolonialer imperialistischer Vorherrschaft haben diese Jugendlichen und/oder ihre Eltern aus den ärmsten Ländern der Welt in die europäischen Metropolen getrieben. Wenn sie überhaupt Jobs finden können, ist es die am schlechtesten bezahlte, gefährlichste und schmutzigste Arbeit, die für sie reserviert ist. In Frankreich gehören fast 50% dieser Jugendlichen zu den Dutzenden von Millionen von Menschen in ganz Europa, die an den Rand gedrängt worden sind, weil dieses System sie nicht mehr profitabel beschäftigen kann. Sie sind in Frankreichs Vorstadt-Ghettos zusammengedrängt worden, wo sie rassistischer Diskriminierung, Misshandlung durch die Polizei, dem Ausschluss von Bildungsmöglichkeiten und zahllosen Formen offizieller Missachtung und Geringschätzung ausgesetzt sind. Jetzt sagen sie: ES REICHT!
Es ist nutzlos und geht am Punkt vorbei, näher auf die „Mängel“ ihrer Rebellion einzugehen. Dies ist eine spontane Revolte von denjenigen, die ganz unten sind, die auf die Bühne der Geschichte getreten sind, selbst wenn sie noch nicht die Möglichkeit hatten, ihr politisches Verständnis voll zu entwickeln, ihre politische Führung zu schaffen und einen strategischen Weg zu bestimmen. Natürlich machen sie mancherlei Fehler und natürlich sind die Autos, die auf den Straßen der Cités parken, nicht der wirkliche Feind. Doch wie ein Jugendlicher bemerkte: „Wir stecken Autos in Brand, Monsieur, weil Autos am besten brennen.“ Es ist ihre Art und Weise – zumindest zur Zeit – dem System und denjenigen, die es lenken, zu zeigen, dass sie sich weder mit den Regeln abfinden, noch zulassen, dass sie zum Schweigen gebracht werden. Wie auch immer sich die Dinge von diesem Punkt aus entwickeln werden, ist ihre Rebellion schon jetzt zu einer Aktion historischen Ausmaßes geworden. Sie hat der ganzen Welt vor Augen geführt, wie zerbrechlich der „soziale Friede“ in Westeuropa in Wirklichkeit ist und wie machtvoll die explosiven Kräfte der Veränderung von unten wirklich sind, wenn sie einmal entfesselt sind.
Wir rufen alle, die die Ungerechtigkeit und Ungleichheit sehen, auf die das gegenwärtige System und die gegenwärtige Gesellschaft gebaut sind, alle, die sich nach einer anderen Welt sehnen, eine Welt frei von jeder Form von Ausbeutung und Unterdrückung, an diesem bedeutenden Wendepunkt zusammen mit der VWBW zu sagen: Wir stehen den Rebellen bei!

  • Nord, Süd, Ost und West: Vereinigt die Volkskämpfe!

Provisorischer Organisationsausschuss (Europa)
Volkswiderstandsbewegung der Welt (November 2005)

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