Archive for Juni 2008

EU-Thesen

21. Juni 2008

Europäische Union – Wesen und Ziele

1. Was ist die EU?

Die EU ist ein imperialistisches Projekt. Sie ist ein nicht abgeschlossenenes, Entwicklungsprojekt des Finanzkapitals (Banken und Konzerne) mehrerer europäischer Länder, die einen Block im Ringen um die Weltherrschaft bilden. Maßgebend ist dabei die Konkurrenz zum us-amerikanischen Imperialismus, der seit Jahrzehnten führenden imperialistischen Großmacht.

Formal geht es um den einheitlichen Wirtschaftsraum und die gemeinsame Wirtschaftpolitik, Das ist die Basis für eine einheitliche Innen-, Justiz und „Sicherheits“-politik ebenso wie eine vereinheitlichte Militär- und Außenpolitik.

Da in der zwischenimperialistischen Konkurrenz Kriege unvermeidlich sind, sind die Aufrüstung in allen Bereichen und die Erhöhung der weltweiten Einsatzfähigkeit und Schlagkraft des Militärs Kernbereiche der EU.

2. Die Ziele der EU

Die EU zielt derzeit auf die Schaffung und Stabilisierung von Entscheidungs- und Verwaltungsgremien ab, die für die Interessen des europäischen Finanzkapitals vorrangig sind. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Festigung von zentralen Institutionen, die trotz der Widersprüche zwischen den einzelnen imperialistischen EU-Mächten handlungsfähig sind. Dieser Integrationsprozess („Lissabon“, „Verfassung“, „Vertrag“ usw.) zielt auf die Befestigung der Vorherrschaft der großen imperialistischen Mächte.

Hauptzweck der EU ist es, den USA-Imperialismus zu überflügeln. Dazu gehört aber auch das gemeinsame Auftreten gegenüber dem russischen und japanischen Imperialismus, sowie gegenüber den aufstrebenden Mächten wie China, Indien und Brasilien.

Ebenso geht es um die Koordination der Angriffe auf die Arbeiter/innenklasse in Europa und auf die Völker der Neokolonien in und außerhalb Europas. Ziel ist der organisierte Abbau sozialer und demokratischer Rechte („Balkenstein-Richtlinie“ über Dienstleistungsfreiheit usw.). Eine einheitliche Regelung sozialer und demokratischer Mindeststandards ist kein Anliegen der EU.

3. Faschisierung in der EU

Zentral gesteuert wird der Abbau demokratischer Rechte (Faschisierung) insgesamt und in einzelnen Ländern besonders vorangetrieben.(So wurde etwa das Verbot des tschechischen Jugendverbands KSM oder der ungarischen Arbeiterpartei/Linksfront unter anderem mit einem Europaratsbeschluss untermauert.) …

4. Die Entstehung eines neuen Staatsapparats

Die EU ist kein föderativer Staatenbund (wie etwa die USA), sondern ein Völkerkerker. Die bisher entwickelte Staatsapparat der EU entspricht nicht den traditionellen Formen von Staaten der aufsteigenden Bourgeoisie nach dem Modell der USA und der Französischen Revolution, sondern konzentriert sich auf wenige Kernbereiche: Außen- und Militärpolitik, Wirtschafts- und Währungseinheit, Aufstandsbekämpfung, Drogen- und Menschenhandel. Weiters sind im wirtschaftlichen Bereich bestimmte aggressive Maßnahmen des Monopolkapitals wie z.B. derzeit eine monetaristische, „neoliberale“ Wirtschaftspolitik vertraglich verankert.

In allen diesen Bereichen steht das EU-Recht über nationalen Gesetzen.

Andere traditionelle staatliche Aufgaben wie demokratische Vertretung und innere Verwaltung, Sozialversorgung, Gesundheit, Bildung, öffentliche Dienste, Minderheitenrechte, Arbeitsrecht usw. werden von der EU als „Regionalangelegenheiten“ behandelt. Entscheidend für die EU-Gesetzgebung sind die ernannten Kommissare, für die Militärpolitik das Rüstungsamt, für die Wirtschafts- und Währungspolitik die Europäische Zentralbank usw , während das sogenannte EU-Parlament als bürgerlich-demokratische Fassade dient.

Die Teilstaaten der EU haben weitreichende staatliche Souveränitätsrechte auf die EU-Institutionen übertragen und damit ein neues staatliches Gebilde geschaffen, das deutlich über internationale Bündnisverträge souveräner Staaten hinaus geht. Das bedeutet aber nicht, dass die zwischenimperialistischen Widersprüche innerhalb der EU überwunden wären, und eine Spaltung der EU in zwei oder mehrere Teile ist wahrscheinlich, wenn die die wirtschaftlichen, politischen und militärischen Spannungen weltweit zunehmen.

5. Die wichtigsten imperialistischen Mächte in der EU

Die Großmächte innerhalb der EU sind Deutschland, Frankreich, Britannien; wobei Deutschland und Frankreich federführend sind und Britannien eigene Akzente setzt; dazu kommen Italien und Spanien. Es gibt sowohl zwischenimperialistische Konkurrenz als auch Zusammenarbeit in der EU, wobei die Allianzen wechseln. Grundlage für die Schaffung der EU war das strategische Bündnis zwischen dem deutschen und französischen Imperialismus seit Ende der 1940er Jahre (EGKS, EURATOM, EWG, WEU). Innerhalb der EU sind die Widersprüche zum britischen Imperialismus besonders tief, der in vielen Fragen eine eigenständige Außen- und Militärpolitik an der Seite des USA-Imperialismus betreibt.

6. Die kleineren imperialistischen Mächte in der EU

Das Finanzkapital der kleineren imperialistischen Länder der EU ist ebenfalls aktiv am EU-Projekt beteiligt. Soweit die Souveränität kleinerer Imperialisten bedeutend eingeschränkt wird, ist das vor allem auf das Interesse des einheimischen Finanzkapitals zurückzuführen (größerer Aktionsspielraum und dementsprechend bessere Profitchancen).

(Beispiele wie Norwegen und Schweiz zeigen, dass es für kleinere imperialistische Länder durchaus möglich ist, außerhalb der EU, aber in enger Zusammenarbeit mit ihr eine relativ eigenständige Politik der Profitmaximierung zu betreiben.)

7. Die neokolonialen Länder der EU

Viele Länder und große Regionen der EU sind auf den Status von Halbkolonien bzw. Neokolonien gedrückt. Dazu gehören vor allem die Länder im Osten und Süden.

Die imperialistischen EU-Länder machen einen Teil der Bourgeoisie diese Länder zu ihren Kompradoren, um sie fester an die EU zu binden. Dabei geht es vor allem um die Sicherung billiger Arbeitskräfte und sicherer Absatzmärkte in Konkurrenz zum russischen und us-amerikanischen Imperialismus.

Die Einbeziehung weiterer Länder in den neokolonialen Halbkreis um die imperialistischen EU-Kernländer ist klar definiertes Ziel der EU. Während der deutsche und österreichische Imperialismus die Ausdehnung nach Osten und Südosten forcieren, betreiben der französische und italienische Imperialismus vor allem den Anschluss der Mittelmeerländer.

Österreich in der EU

8. imperialistische Beteiligung an der EU

Österreich ist ein kleines imperialistisches Land. Seine internationale Bedeutung ist durch den Beitritt zur EU stark verändert worden. Seit 1918 bis Mitte der 1960er Jahre betrieb Österreich nahezu keinen Kapitalexport (Anlage von überschüssigem Kapital im Ausland zur Erhöhung der Profite). Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde der österreichische Kapitalismus modernisiert und parallel dazu wuchsen die österreichischen Investitionen im Ausland. Seit 2000 übersteigt der Kapitalexport deutlich den Kapitalimport.

Im selben Zeitraum wurden im Militär international einsatzfähige Truppeneinheiten geschaffen und erprobt. Heute ist das österreichische Militär im Rahmen der EU an verschiedenen Plätzen weltweit im Einsatz.

9. ökonomische Rolle

Während bis kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts der sogenannte „Osthandel“ die Außenwirtschaft bestimmte, haben seit dem EU-Beitritt die imperialistischen Direktinvestitionen in Ost- und Südosteuropa explosiv zugenommen. Sie stellen heute das entscheidende Merkmal des österreichischen Imperialismus dar. In einem Dutzend Ländern Osteuropas und des Balkan ist Österreich heute unter den fünf wichtigsten imperialistischen Investoren und Ausbeutern, in etwa der Hälfte davon seit Jahren Spitzenreiter (bei ausländischen Direktinvestitionen an 1. Stelle in: Bosnien-Herzegovina, Kroatien, Bulgarien, Slowenien, Rumänien; an 2. oder 3. Stelle in: Slowakei, Serbien, Ungarn, Tschechien, Ukraine; FDI-Stand 2007) Ein wesentlicher Teil davon ist allerdings Durchlaufkapital vor allem des deutschen und italienischen Imperialismus.

10. politische Rolle

Bis Mitte der 1990er Jahre spielte Österreich die politische Rolle eines imperialistischen „neutralen“ Vermittlers zu den Ländern des RGW und des Arabischem Raums. Seither tritt es als imperialistische Wirtschaftsmacht vor allem in den traditionellen Einflusszonen des österreichischen Imperialismus vor 1918 auf.

In bestimmten Bereichen spielt der österreichische Imperialismus die Rolle eines Vorreiters für verstärkte reaktionäre Vorstöße des Monopolkapitals in der EU und darüber hinaus, z.B. Rassismus, christlicher Fundamentalismus, …

11. militärische Rolle

Mit dem EU-Beitritt beginnt der österreichische Imperialismus wieder eine wichtigere militärische Rolle im internationalen Maßstab zu spielen. Unter völliger Missachtung des Neutralitätsgesetzes von 1955 sind österreichische Truppen in seit über 10 Jahren in Bosnien und Kosovo im Einsatz; seit 2008 ist erstmals seit Ende des 2. Weltkriegs auch eine größere Militäreinheit außerhalb Europas zum Kampf gegen Terroristen und Rebellen ausgerückt (Tschad/Zentralafrika). Durch die EU ist es für Österreich jetzt möglich, auch ohne direkte Beteiligung des deutschen Imperialismus weltweite Truppenverlegungen durchzuführen.

12. Aushöhlung des Neutralitätsgesetzes und Staatsvertrags (kommt noch von mk.)

Abgrenzung von RF/MLPÖ

Zerschlagung der EU und revolutionäre Orientierung auf Sozialismus

13. Widersprüche in der EU und ihre Nutzung für den revolutionären Kampf

Für uns ist die Zerschlagung der EU kein selbstständiges strategisches Ziel, sondern dem Kampf für die sozialistische Revolution und Diktatur des Proletariats untergeordnet. Im Rahmen dieses Kampfes kann eine Reihe von Widersprüchen genutzt werden, die sich mit der Schaffung der EU herausgebildet oder verschärft haben.

a) Die nach wie vor anhaltende Offensive zur Zerschlagung, Kommerzialisierung und Privatisierung aller öffentlichen Einrichtungen trifft innerhalb der EU vor allem die unteren Schichten der Arbeiter/innen und Werktätigen.

Während die Rechte des Kapitals EU-weit gesetzlich festgelegt sind (z.B. AG-Gesetz), wird das Arbeits- und Sozialrecht zum Regionalrecht degradiert (z.B. keinerlei „Mitbestimmungsrechte“ im EUropäischen AG-Gesetz). Kollektivverträge werden vom EUGH für ausländische Firmen als nicht verbindlich erklärt usw.

Nach EU-Recht sind z.B. auch Bildung und Erziehung nicht Aufgabe des Staates.

Unser Weg ist der Aufbau einer breiten Einheitsfront der Arbeiter/innenklasse und ihrer Verbündeten für die Zerschlagung der EU, wobei das einheimische Monopolkapital auf Korn genommen werden muss. Ziel ist ein breites und dauerhaftes Bündnis der Anti-EU-Kräfte in Österreich unter Führung der Arbeiter/innenklasse mit dem Widerstand und Kampf der Arbeiterklasse und Volksmassen in anderen EU-Ländern und vor allem den Volksmassen der vom österreichischen Imperialismus neokolonial ausgebeuteten Länder innerhalb und außerhalb der EU.

b) Widersprüche zwischen der imperialistischen Offensive nach außen und der Arbeiter/innenklasse und Volksmassen von Ländern außerhalb der EU richten sicht meist gegen eine bestimmte imperialistische Macht (z.B. Deutschland, Frankreich, England, Österreich) und nicht gegen die EU insgesamt. Insofern stehen für uns politisch die Widersprüche unterdrückter Völker speziell gegen den österreichischen Imperialismus im Vordergrund.

d) Widersprüche zwischen den einzelnen imperialistischen EU-Mächten können aufgrund der derzeitigen Schwäche der Arbeiter/innenbewegung praktisch nicht genützt werden ohne in Gefahr zu laufen, sich zum Spielball anderer Imperialisten zu machen.

14. EU-kritische Bewegungen

Für sich genommen stellt ein Austritt des imperialistischen Österreichs aus der EU keine „Zwischenetappe“ auf dem Weg zur proletarischen Revolution dar. (Zugleich betonten wir aber, dass die Forderung des Austritts aus der EU bzw. des Nichteintritts in diese, für nicht-imperialistische und halbkoloniale Länder eine andere Bedeutung hat.)

Die meisten derzeit in Österreich aktiven EU-kritischen Bewegungen sehen die EU nicht als feindliches imperialistisches Gebilde, sondern treten für Reformen innerhalb der EU ein. Viele glauben, dass nach der Durchsetzung der „Kapitalfreiheiten“ in der EU jetzt die Phase der „sozialen Rechte“ kommen müsse. Nur sehr wenige erkennen in der die EU ein monopolkapitalistisches Projekt – die es tun, schlagen meist einen irrealen antimonopolistischen Kurs für einen Kapitalismus unter Zurückdrängung der Monopole ein.

Einige rechte und faschistische Strömungen vernebeln völlig den Zusammenhang zwischen den Interessen des österreichischen Monopolkapitals und seiner Beteiligung an der EU. Sie gebärden sich als wütende EU-Gegner, lenken die empörten Arbeiter/innen und Volksmassen in die Irre, treten für eine Stärkung der „österreichischen Wirtschaft“ ein und stärken damit die Position des österreichischen Imperialismus innerhalb der EU.

15. Verhältnis der Kampfes gegen die EU und gegen den „eigenen“ österreichischen Imperialismus

Wir führen den Kampf gegen die EU in erster Linie als Kampf gegen die „eigene“ imperialistische Bourgeoisie und für ihren Sturz in einer proletarischen Revolution. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass bei einer kommenden revolutionären Welle allein in Österreich die Bedingungen für eine proletarische Machtübernahme heranreifen, sondern – aufgrund der engen Verflechtung in der EU mehr noch als 1918 – ebenso in einer Reihe von Nachbarländern. Das begünstigt unseren Kampf, erlaubt uns aber nicht, auf Hilfe und Unterstützung von außen zu hoffen oder gar zu warten. Unser größter Beitrag zur Zerschlagung der EU ist der Sturz der „eigenen“ Bourgeoisie.

16. Ausrichtung unseres Kampfes insgesamt

Wir führen den Kampf für die Zerschlagung der EU als Teil des Kampfes für den Sozialismus. Unter bestimmten Bedingungen – vor allem massive Kampftätigkeit der Arbeiter/innenklasse – ist ein „Austritt aus der EU“ für uns bestenfalls ein taktisches Teilziel. Unser strategisches Ziel bleibt dabei der Sturz der Bourgeoisie und die Errichtung der Arbeiter/innenmacht (Diktatur des Proletariats) in Form der Rätemacht. Dieses Ziel wird, wenn möglich, im Bündnis mit Rätebewegungen in benachbarten EU-Ländern, vor allem der Neokolonien erreicht werden.

(Die vorstehenden Thesen wurden nach mehreren Jahren intensiver Auseinandersetzung mit der konkreten Entwicklung der EU und mit Fragen der generellen Entwicklung des Imperialismus im 21. Jahrhundert auf einer Mitgliederversammlung im Juni 2008 beschlossen. Wie bei allen unseren Thesen ist damit unsere Diskussion keineswegs abgeschlossen und wir freuen uns über kritische Beiträge.)

Kapitalismus zerstört den Fußballsport!

1. Juni 2008

„Marx sah schon vor 150 Jahren die Widersprüche des Kapitalismus, er hat eingesehen, daß Geld die Welt zerstört. Und es zerstört auch den Fußball. Ich möchte kein konformistischer Fußballer sein.“ (Ivan Ergic, Kapitän des FC Basel, WOZ, 3.Mai 2007)

„Brot und Spiele“ sind geeignet die Laune der Untertanen zu fördern und vor allem deren Regierbarkeit zu gewährleisten, das wußten bereits die alten Römer. Die Lebensmittelpreise ziehen schon seit geraumer Zeit empfindlich an. Gegen Teuerung der Waren des alltäglichen Bedarfs hilft vor allem Lohnkampf, das sagt uns der gewerkschaftliche Hausverstand. In den, von den Imperialisten in Abhängigkeit gehaltenen Weltregionen, besonders in Afrika, Asien und Lateinamerika stehen Hungerrevolten auf der Tagesordnung. Die elenden Zustände in den abhängigen Ländern, gehen den Hauptverantwortlichen, den HERRschenden der imperialistischen Staaten wie z. B. Österreich, am Gesäß vorbei. Zur Verschleierung der Zusammenhänge haben sie unter anderem (derzeit) fünf Stück Parlamentsparteien und jede Menge verbeamtete und freiberufliche Demokratie- und Menschenrechtsheuchler im Sold.
Um das alltägliche Ungemach des kapitalistischen/imperialistischen Systems erst einmal vergessen zu machen, werden wir jetzt mit einer Fußball-EM zwangsbeglückt. Dabei ist das sportliche Ereignis eher nur die Rahmenhandlung umsatzfördernder Maßnahmen der Marketingabteilungen diverser Banken und Konzerne.
Aber es geht durchaus nicht nur um Pommes Frites, Fleischlaberl, braune Zuckerlimonade, Bier, Sportbekleidung, Unterhaltungselektronik und ähnliches mehr oder weniger entbehrliches Zeugs, es geht darüber hinaus um sogenannte hehre Werte, das erkennen wir bereits an den rot-weiß-roten Fetzen, die jetzt überall Furore machen. Nationale Wallungen sind gut zu gebrauchen, um die Ziele der herrschenden Klasse notfalls mit kriegerischen Mitteln durchzusetzen. Jetzt schon sind österreichische Truppen z.B. am Balkan oder in Afrika im Einsatz, weil der österreichische Imperialismus dort Kriegspartei ist. Internationale Sport-Wettkämpfe sind zur nationalen Mobilmachung in „Friedenszeiten“ prima geeignet. Wir sowohl klassen- als auch politisch bewusste Arbeiter/innen wissen aus vielfacher leidvoller Erfahrung, daß die Nation niemals unser Mittel der Wahl ist, sondern vor allem das des Klassenfeinds, der Bourgeoisie. Unsere Vorkämpfer Karl Marx und Friedrich Engels haben bereits vor nunmehr 160 Jahren klargestellt:
„Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.“ (Manifest der Kommunistischen Partei, 1848)
Nicht zuletzt deshalb sehen wir auch jetzt, anläßlich der „Scheiß EM 08“ keinen nachvollziehbaren Grund für den klassenübergreifenden Schulterschluss. Im Gegenteil, wir sind entschieden dafür, endlich wieder an frühere klassenkämpferische Traditionen auch der österreichischen Arbeiter/innenklasse anzuknüpfen, um die asozialen Attacken die Staat und Kapital uns, den Arbeiter/innen und Werktätigen seit Jahr und Tag zumuten, entschieden zurückzuweisen und zurückzuwerfen, um in weiterer Folge selbst offensiv voranzugehen! Die Geschichte der Klassenkämpfe der Neuzeit lehrt unerbittlich, dass die Bourgeoisie nur eine Sprache versteht: das heißt wir müssen ihr ans Eingemachte gehen, also an den Geldsack oder noch besser an die Staatsmacht. Die derzeitigen Kommerzfestspiele können über die Misere des österreichischen und EU-Imperialismus keineswegs hinwegtäuschen. Von den Mißständen im Gesundheitswesen, im Bildungswesen, in der Altersversorgung usw. werden wir das ganze Jahr über heimgesucht, erst recht wenn sich der Katzenjammer nach der Eu(ro)phorie unweigerlich einstellt. Der alljährlichen Automobilmachung in Kärnten können ja auch höchstens gehirnamputierte Parlamentarier wie der Herr Westentaler etwas abgewinnen. Im Vollrausch, der das Element solcher Erscheinungen ist, zumal sie im Zustand der Nüchternheit unverzüglich Hand an sich legen müssten, erscheint denen die dortige orange-blau-braune Megamißwirtschaft als Segen.
Eine Monstershow wie die Fußball EM, ist aber auch wie kaum ein anderes Ereignis geeignet den Notstand des imperialistischen Systems selbst zu proben. Alle 27.000 Polizisten, die sich der österreichische Staat nach offiziellen Angaben derzeit hält, sind mit Urlaubssperre belegt und werden während der gesamten EM-Dauer im Einsatz sein. Polizeikräfte aus anderen Staaten sekundieren, wodurch insofern ein realistisches Szenario geschaffen wird, als sich die EU-Aufstandsbekämpfungs-Einsatzpläne der EU-Innenminister auch grenzübergreifend gegen die Arbeiter/innenklasse richten. Das EM-Spektakel muss unbedingt auch unter dem Gesichtspunkt der Faschisierungsabsichten der österreichischen und EU-Bürokraten gesehen werden. Das imperialistische System höhlt tendenziell den noch vorhandenen Bestand an demokratischen Errungenschaften aus. Nur der ununterbrochene Kampf der Arbeiter/innen und der Unterdrückten des imperialistischen Systems für die eigenen Interessen kann dieser höchst gefährlichen Tendenz Einhalt gebieten.
Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt des aktuellen Großereignisses ist freilich auch die Selbstbeweihräucherung des patriarchalen Systems, die mit dem EM-Scheiß unweigerlich einhergeht. Althergebrachte Riten des Männlichkeitswahns werden im Fußballsport und der dazugehörigen Fankultur weitgehend unhinterfragt ausgelebt. Monströse Familientragödien, wie der Fall in Amstetten, sind die andere Seite der Medaille, der spektakuläre, der nur ausnahmsweise sichtbarwerdende Teil. Der Hort des Terrors ist das (klein-)bürgerliche Familienidyll, das tagtäglich, auch in alternativen Formen propagiert wird, weil es so eine feste Stütze des Staats und des Systems darstellt.
Zu dieser Seite der EM gehört auch das Aufblühen der Zuhälterei und des Frauenhandels, das von den Verantwortlichen des bürgerlichen Staats bewußt in Kauf genommen wird. Indem zum Beispiel Migrantinnen einerseits der Zugang zum regulären Arbeitsmarkt verwehrt wird, ihnen andererseits die Prostitution als legale Erwerbsmöglichkeit zugewiesen wird, fungiert der bürgerliche Staat selbst als Zuhälter. Merke: es ist nicht nötig diverse Figuren des Rotlichtmilieus mit mehr Verachtung zu strafen als die Repräsentanten des bürgerlichen Staats. Skandalöse Enthüllungen bringen in regelmäßiger Abfolge die enge Verflechtung zwischen „guter“ Gesellschaft und Halbwelt zum Vorschein. Der Frauenhandel funktioniert auf der Basis des Patriarchats und des imperialistischen Systems. Das imperialistische System, das seine Basis in den imperialistischen Zentren, v.a. in der EU, in den Staaten von Nordamerika und in Japan hat, fabriziert die Not und das Elend, das in den drei Kontinenten Afrika, Asien und Lateinamerika aber auch an der europäischen Peripherie (z.B. Balkan) vorherrscht.
Die imperialistische und rassistische Grundausrichtung des herrschenden kapitalistischen Systems spiegelt sich auch im Spitzensport selbst wieder. Die talentiertesten Fußballspieler der Welt stammen traditionell aus Lateinamerika oder Afrika. Für sie eröffnet sich mitunter die Möglichkeit ihrem durch Geburt im falschen Land bestimmten Schicksal zu entgehen. Das Glück von finanzkräftigen europäischen Fußballvereinen eingekauft zu werden erweist sich für einige ähnlich „segensreich“ wie ein Hauptgewinn im Lotto. Unverhältnismäßig größer ist die Zahl derer, die der imperialistische Moloch auf der Suche nach dem kleinen Glück zugrunderichtet.
Der Spätkapitalismus hat alle gesellschaftlichen Lebensbereiche im globalen Maßstab mit der rücksichtslosen wilden Jagd einer zahlenmäßig kleinen aber äußerst skrupellosen Finanzoligarchie nach Maximalprofit durchdrungen. Das Schwert, das allein geeignet ist den Gordischen Knoten, der dem historischen Fortschritt in der Quere steht, zu durchtrennen, ist die Proletarische Revolution:
„Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.
Proletarier aller Länder, Vereinigt euch!“

(Marx/Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, 1848)

01.06.2008