Erster Mai 2009

Es ist bewiesen: Revolutionen sind möglich! 

Und nicht nur das: Sie sind die Motoren der Weltgeschichte

 

Es ist der 1. Mai 2009 und wir reden von Moto­ren? Wir haben was gegen Individualverkehr, sind allerdings auch dagegen, dass die öffent­lichen Verkehrsmittel heute fahren. Erinnert euch, das war doch eine nette Tradition, das zu-Fuß-in die-Innenstadt gehen… mit der Sektion… welcher Partei? Aber: Tradition hin oder her, scheiß drauf. Die Partei ist jedenfalls verrottet und hat mit der Tradition des 1. Mai, mit einer kämpferischen Arbeiter/Innen-bewegung nix mehr am Hut (Hüte werden auch kaum mehr getragen, grade noch die Männer von den Blas­kapellen haben welche…).

Aber nicht die Traditionspflege, nur der revo­lutionäre Bruch mit den Verhältnissen ermög­licht deren grundlegende Änderung – und die streben wir an. Uns scheint deshalb heute wich­tiger, euch an ein paar andere „Motoren“ zu erin­nern. Wir halten uns kurz, denn einige wenige stichhaltige Argumente müssten genügen, damit klassenbewusste, denkende Arbeiter/innen sich über den Kern der Sache ein eigenes Bild ma­chen und Schlüsse ziehen können. Und es gilt, sich zu entscheiden, freilich immer von Neuem, stets kritisch und fragend, doch geleitet von der fundamentalen Erkenntnis, dass Halbheiten der Reaktion dienen.

 

 

Der 1. Motor ist die Pariser Kommune.

1871. Der deutsch-französische Krieg geht endlich, endlich seinem Ende zu. Die Zustände sind für alle Klassen und Schichten unsicher und labil. Arbeiterinnen und Arbeiter von Paris – des Krieges müde, der Herrschaft müde – wa­gen es, sie errichten die proletarische Staatsmacht, die Diktatur des Proletariats. Es war dies das erste Mal in der Geschichte und die Kommune hatte auch nur zwei Monate Bestand. Fehler wurden gemacht – daraus ist zu lernen: – Dass nicht diktatorisch genug daran gegangen wurde, die alten Herren niederzuhalten beispielsweise, dass der alte Staatsapparat von oben bis unten zerschlagen werden muss. Das sind Lehren.

Das Großartige und Leuchtende jedoch ist nicht allein die Tatsache des ersten Versuchs, sondern auch, dass es neu bewiesen ist: Es ist möglich. Die Arbeiter/innen nehmen ih­re Geschicke in ihre eigenen Hände, regieren selbst, über­legen selbst, was zu tun, zu planen und zu beschließen ist. Nicht mehr in der alten Form werden Entscheidungen ge­troffen, neue Formen entstehen. Verantwortlich für Ent­scheidung und Durchführung sind nicht irgendwelche Politiker, sondern die Versammlung und ihre Mitglieder selbst. Die Kraft und Neuerungen der Pariser Kommune sind uns lebendig und leuchtend.

 

Da ist ein anderer, ein mächtiger Motor, die russische Oktoberrevolution 1917, wohl das bedeutendste Ereignis des 20. Jahrhunderts. „Ereignis“ ist hier das Wort, das kor­rekt beschreibt, wie ungeheuer die Macht ist, die Arbeiter/­in­nen, Soldaten, Bäuerinnen – ihres elenden Lebens und der zaristischen Herrschaft überdrüssig, entwickeln kön­nen. Sie ist ein wirkliches Ereignis, sie macht Geschichte. Diese Elenden stehen auf, wehren sich, kämpfen und in einer längeren revolutionären Periode entwickeln auch sie neue Formen der Organisation, neue Organe, es sind das die Sowjets, die Räte. Und noch etwas tritt ein. In dieser bewegten Zeit zu Beginn des Jahrhunderts, gelingt es den revolutionären Sozialdemokraten, den Bolschewiki, ausge­rüstet mit einer revolutionären Theorie auf der Höhe der Zeit, eine Partei aufzubauen, die das Vertrauen der Mas­sen gewinnt und imstande ist, die Bewegung zu führen. Eine Partei, die es versteht, den richtigen Moment für den Aufstand zu nützen und den revolutionären Umsturz sieg­reich anzuführen – für die Beendigung des Krieges, den Sturz des Zaren und den Sturz des ganzen kapitalistischen Systems in Russland. Diese Partei der Bolschewiki, eine revolutionär kommunistische Partei, straff organisiert, und gleichzeitig flexibel und geschmeidig, ausgerüstet mit der richtigen Strategie und Taktik, sie ist leuchtendes und ge­lungenes Beispiel einer Partei für den Aufstand.

 

Da ist die Kulturrevolution in China 1966.

Die Geschichte der Revolution in China im 20. Jahrhundert ist bewegt und lehrreich. Eine Abteilung der chinesischen Kommunisten, aufs äußerste besorgt und unzufrieden we­gen der Verrottung der kommunistischen Partei, der Dege­neration beim sozialistischen Aufbau, der drohenden kapi­talistischen Restauration, zusätzlich und mit Schrecken an das Beispiel der revisionistischen Entwicklung in der Sow­jetunion erinnert, beschließt, sich auf den Kern zu besin­nen, und dieser Kern heißt Revolution, nicht Reform, heißt Bewegung nicht Stillstand, Beweglichkeit nicht Erstarrung. Diese wenigen Kommunist/innen beschließen, dass die Re­volution fortgeführt sein muss, solange, bis alle Über­reste der alten Gesellschaft beseitigt sein werden. Ihre Be­fürchtungen bezüglich der Entwicklung der Partei und der ganzen Gesellschaft sind groß und berechtigt. Und was folgt ist ungeheuer! In breit angelegten Kampagnen werden die Massen der Arbeiter und Arbeiterinnen, der städtischen Jugend, der Soldaten und Bauern mobilisiert. Sie sind auf­gefordert zu diskutieren und Kritik zu üben, aufgefordert zu handeln, damit sie und nicht die Partei für sie und schon gar nicht Bürokraten aus der Partei, den Aufbau des Sozia­lismus in die eigene Hand nehmen. Die Volksmassen ma­chen die Geschichte und Revolutionen, die nicht vorange­trieben werden, kehren sich um, Bürokraten und Schlim­meres wachsen und wuchern dann im Selbstlauf. Ganz be­wusst muss dagegen die Selbsttätigkeit der Massen, die Selbstregierung der Massen durchgesetzt und immer und immer wieder von neuem eingefordert und verteidigt wer­den. Die chinesische Kulturrevolution ermahnt uns so zur äußersten Wachsamkeit!

 

Wir haben gesehen: Die Frage, ob es denn möglich sei, die bestehenden Verhältnisse grundlegend umzuwälzen, ist be­antwortet. Entsprechende Beweise wurden erbracht. Diese und noch andere Sterne leuchten und die Lehren stehen uns zur Verfügung.

Doch Fragen müssen gestellt, damit Antworten gefun­den werden!

Etwa: „Können unsere geringen Kräfte heute so etwas zuwege bringen?“

Wieso geringe Kräfte? Das Weltproletariat wächst nach wie vor täglich – auch zahlenmäßig an, und die Proleten und Proletinnen – eingeschlossen selbstverständlich auch sol­che, deren Arbeitskraft am Markt (zum Beispiel in Zeiten der Krise) gerade nicht nachgefragt wird – sie stellen die große Mehrheit der Weltbevölkerung.

Gar nicht zu reden von möglichen Bündnispartnern: Zu­sammen mit den armen Bauern und Bäuerinnen in Ländern mit feudalen Resten, sowie einigen Teilen des Kleinbürger­tums und schließlich mit dem Großteil der Jugend, denn wer als die Jugend sollte den revolutionären Elan aufbrin­gen, kann es gelingen und muss es gelingen. Nicht mehr länger und schon längst nicht mehr wollen diese riesigen Menschenmassen sich über die Verfügbarkeit ihrer Arbeits­kraft fürs Kapital definieren. Ihre vereinte Kraft gegen das Kapital gewandt ist unaufhaltsam!

 

„Aber die Kapitalisten werden sich wehren; können wir standhalten?“

Ja, es ist wahr. Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass die herrschende Klasse mitsamt ihrem Staatsapparat alle ihr zur Verfügung stehenden Geschütze auffahren wird, um ihre Macht zu verteidigen. – Die Bourgeoisie besitzt und ver­waltet Waffen und Menschen – Waffenarsenale, Solda­ten und Polizisten. Und sie besitzt noch andere Waffen – sie besitzt eine mächtige Ideologie, die bürgerliche, impe­ria­listische, die ihre Herrschaft und die Ausbeutung legi­ti­mieren soll. Das sind kampferprobte, scharfe Waffen. Trotz­dem sollen wir uns nicht fürchten. Das Recht des his­to­rischen Fortschritts ist auf unserer Seite. Ja, wir wissen, das klingt abstrakt. Aber es stimmt trotzdem. Denn unsere Ideologie nützt den Proleten, dem Großteil der Weltbevöl­ke­rung. Unsere Ideologie und unsere kommunistische Theo­rie sind nicht Werkzeuge, um Ausbeutung und Unter­drü­ckung zu legitimieren, sondern sie sollen helfen, sie ab­zu­schaffen und zu einer klassenlosen Gesellschaft zu kommen.

Die revolutionäre Gesellschaft, für die wir kämpfen, wird das zuwege bringen und auch die Grundsteine legen, die es menschlichen Individuen – Frauen und Männern – er­mög­licht, ihre Beziehungen wieder frei von Tausch­verhält­nissen und auf Freiwilligkeit beruhend zu gestalten. Womit schließlich staatliche Strukturen überflüssig werden und der Staat absterben kann.

 

„Aber wie beginnen? Die Probleme, Schwierigkeiten und Hindernisse sind groß und übermächtig.“

Längst ist es Zeit, unsere Ohnmacht zu überwinden! Orga­ni­sierung der revolutionären Kräfte ist angesagt. Wir brau­chen eine revolutionäre, kommunistische Partei! Ohne die­se Vorbedingung brauchen wir an den Aufstand nicht zu den­ken, das ist wahr. Und der Aufbau einer Partei ist mög­lich – die Revolutionäre in Russland haben es bewiesen. Disziplinierte zähe Arbeit ist dazu vonnöten. Die Erfahrun­gen der kommunistischen Bewegungen der Vergangenheit müssen wir kritisch auswerten und daraus die Lehren zie­hen. Dann aber kann es gelingen.

 

Auch die Frage: „Wie lange haben wir noch Zeit?“, stellen sich sicher viele Unzufriedene und Ungeduldige – so auch wir.

Doch keine Prophet/innen sind unter uns. Im Bestreben, die Verhältnisse zu analysieren sollen wir uns um Genau­ig­keit und Wissenschaftlichkeit bemühen. Dann können wir Ent­wicklungen erkennen und versuchen abzuschätzen.  

Und wir wissen, die Geschichte verläuft nicht linear, son­dern sie macht Sprünge in ihrer Entwicklung. Manchmal kann alles ganz schnell gehen. Ein Ereignis kann eine Ket­ten­reaktion auslösen. Auch das ist eine Gewissheit. Wir soll­ten also wirklich alles daran setzen, für so einen Fall vor­bereitet zu sein:

 

Für den Aufstand, für die proletarische Revolution und für die Fortführung der Revolution bis zum Sozia­lis­mus und Kommunismus!

 

1. Mai  2009 (139 npc)

 

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