Die faschistische Gefahr geht vom Kapitalismus aus! (WKR-Ball)

Alle Jahre wieder in der Faschingszeit richten die Spitzen der kapitalistischen Gesellschaft und ihre Wasserträger Bälle aus: Industrielle, Zuckerbäcker, Offiziere usw. Deutsch-nationale Farbstudenten wollen natürlich auch nicht abseits stehen, weshalb zwanzig lokale Studentenverbindungen zum nunmehr 57. Mal den Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) durchführen. Die studentischen Männerbünde stellen traditionell ein wichtiges Verbindungsglied zwischen den parlamentarischen Rechtsparteien und dem außerparlamentarischen Rechtsextremismus dar. Prominentes Beispiel ist Martin Graf. Er ist zugleich „alter Herr“ der rechtsextremen Burschenschaft Olympia und demokratisch legitimierter dritter Nationalratspräsident. Auf diese Schlüsselposition im parlamentarisch-kapitalistischen System kam der Deutschtümler Graf, weil ihm die Mehrheit der SPÖ- und ÖVP-Abgeordneten zum österreichischen Nationalrat die Steigbügel gehalten hat.

Die im WKR zusammengeschlossenen Burschenschaften stehen für Frauenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, NS-verherrlichenden Geschichtsrevisionismus, Revanchismus, Sexismus, Homophobie, Antikommunismus und ähnlichen gemeingefährlichen, ideologischen Schrott. Der von diesen Herrschaften dargestellte Rechtsextremismus ist eine militante Steigerungsform bürgerlich-kapitalistischer Werte und Anschauungen. Kapitalistische Vergesellschaftung erzeugt zwangsläufig bürgerliche Herrschaft und konkurrenzbedingte Ausgrenzung. Deshalb besteht zwischen gemäßigten Eliten im kapitalistischen System und offenen Faschisten auch weniger ein Gegensatz als ein kontinuierlicher Übergang. Allein der Ort, an dem der WKR-Ball stattfindet, nämlich in den Repräsentations-Gemäuern der Wiener Hofburg, der ehemaligen Kaiserresidenz, ist ein deutliches Indiz der Nähe zwischen rechtsrechten Männerbündlern und der herrschenden Klasse.

Der ideologische Sperrmüll der Ultrarechten verbreitet sich nicht nur im Milieu, wo die Oberen Zehntausend unter sich bleiben, er wird leider auch an die breite Öffentlichkeit gezerrt. FPÖ und Kronenzeitung trommeln für den Wien-Wahlkampf mit Parolen, die den Tatbestand der Pogrom-Hetze locker erfüllen: „Zuwanderungslawine“, „Asyl-Verbrechen“, „Kriminalitätsexplosion“, „Mafiabanden aus Osteuropa“ usw.

Es genügt nicht, gegen Zombie-Bälle und andere rechtsextreme Veranstaltungen oder gegen rassistische Ausfälle von FP-Wahlkämpfern zu demonstrieren. Antifaschismus, der sich darauf beschränkt, FPÖ und ÖVP Wähler/innen abspenstig zu machen, um sie SPÖ und Grünen zuzuführen, ist auch bloß Wasser auf den Mühlen der Herrschenden. Schließlich stehen sämtliche Parlamentsparteien ohne wenn und aber fest auf dem Boden des Lohnarbeitssystem und der Diktatur der Bourgeoisie. Es gilt jede Form befreiungs-feindlicher Ideologie und dazugehörige wirtschaftliche und gesellschaftliche Grundlagen tagtäglich zu bekämpfen, ansonsten ist Antifaschismus nichts als die Selbstbeschränkung auf ein sich Abarbeiten an der sprichwörtlichen sichtbaren Spitze des Eisbergs!

Das Gefüge der bürgerlichen Gesellschaft bringt unablässig reaktionäre Ideen hervor:

Nachhaltiger Antifaschismus zielt darauf ab befreiungs-feindlichen Denkformen die Grundlage zu entziehen!

(18.1.2010)

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