12.Februar 1934

Rede der IA.RKP auf der 12.Februar-Demo bei der Zwischenkundgebung im Gerl-Hof (Wien-Brigittenau)

(Vorbemerkung: Wie jedes Jahr beteiligten sich auch heuer Aktivist/innen und Sympathisant/innen der IA.RKP und des RKJV an der von der KPÖ Brigittenau initiierten Demonstration zum 12. Februar, die vom Schwester-Restituta-Platz über den Gerl-Hof zum Hrdlicka-Denkmal am Höchstädtplatz führt.

Der Gerl-Hof liegt in der Stromstraße 39-45, 1200 Wien und ist nach Josef Julius Gerl, einem Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und Revolutionären Sozialisten benannt, der am 24. Juli 1934 zum Tod verurteilt und gehenkt wurde. Die Gedenktafel wurde 1950 von Theodor Körner, damals Wiener Bürgermeister, enthüllt.)

Wir Revolutionärer Kommunist/innen möchten hier beim Denkmal für Genossen Gerl, der im Jahr 1934 von den Austrofaschisten aufgehängt wurde, auf zwei Punkte eingehen:

Das eine ist die ständig wiederholte Behauptung, dass in Österreich der Faschismus mit dem Einmarsch der Truppen Nazi-Deutschlands begonnen habe. Gerade erst vor zwei Tagen, am Donnerstag, hat der ÖVP-Funktionär Khol bei einer Podiumsdiskussion des „Standard“ im Museum der Stadt Wien auf unerträgliche Weise das faschistische Dollfuss-Regime verteidigt und gerechtfertigt. Khol ist wahrlich ein Vertreter des austrofaschistischen Flügels in der ÖVP und schreckte in seiner Stellungnahme nicht einmal davor zurück Dollfuss und seinen faschistischen Putsch gar als antifaschistische Heldentat zu glorifizieren. Tatsächlich – und das ist uns allen Anwesenden klar – beginnt der Faschismus in Österreich nicht 1938 sondern 1933 mit dem Verbot der KPÖ, des KJV und des Republikanischen Schutzbundes – sowie mit der gewaltsamen Auflösung des Parlaments, das nach der angeblichen „Selbstauflösung“ bei der nächsten geplanten Sitzung durch Polizeigewalt am Zusammentreten gehindert wurde. Und das war alles 1933. Es ist eine wichtige Aufgabe aller antifaschistischen Kräfte in Österreich, das immer wieder klar zu stellen und gegen Leute wie Kohl und gegen den 1945 vereinbarten SPÖ-ÖVP-Konsens den Austrofaschismus als Todfeind der österreichischen Arbeiter/innenklasse zu benennen. Das gilt umso mehr, als die heutigen Neofaschisten sich immer stärker als österreichische Faschisten definieren, meistens mit rot-weiß-roten Fahnen und Aufnähern in Erscheinung treten – und nicht mehr, wie früher, als deutschnationale .

Als zweiten Punkt auf der heutigen Kundgebung beim Gerl-Denkmal möchten wir Revolutionären Kommunist/innen betonen, dass wir die Opfer der Februar-Kämpfe 1934 – und der Kämpfe in den folgenden Jahren – nicht nur als Kämpfer/innen gegen den Faschismus ehren und ihrer gedenken. Wir ehren sie auch als Kämpfer/innen für eine neue Gesellschaft, als Kämpfer/innen für den Sozialismus.

Die Parole aus dem Jahr 1934: „Von der Februar-Niederlage zum Roten Oktober!“ hatte vielleicht einen voluntaristischen Zug, denn nach so einer schweren politischen und militärischen Niederlage führt der Weg nicht flott zur proletarischen Revolution. Aber diese Parole drückt aus, mit welcher Einstellung und Orientierung Genoss/innen wie Josef Gerl den Kampf gegen den Faschismus führten. In diesem Sinn war der Jungsozialist Josef Gerl auch nicht ein verirrter Abenteurer, der eine Eisenbahnlinie sprengte und einen Polizisten erschoss, sondern ein Genosse, der wusste, dass nur im bewaffneten Kampf die Diktatur der Bourgeoisie gestürzt und eine neue Gesellschaftsordnung, der Sozialismus erkämpft werden kann.

Das Problem des Josef Gerl und vieler anderer klassenbewusster Arbeiter/innen jener Zeit war, das die falsche Partei, nämlich die reformistische SDAPÖ, die nahezu unumschränkte Führung inne hatte. Dass sowohl die politische als die militärische Generallinie der in Wien alles beherrschenden Sozialdemokraten die Defensive und nicht die Offensive war.

Im Republikanischen Schutzbund mit seinen bis zu 100.000 bewaffneten Mitgliedern standen sich zwei unversöhnliche politisch-militärische Linien gegenüber. Einerseits der Plan des Schutzbundführers Körner, dem späteren Bundespräsidenten, der als erfahrener Militärwissenschaftler das Konzept des Partisanenkriegs – heute würde man sagen: Guerillakrieg – vertrat. Angesichts der Übermacht des kapitalistischen Staatsapparats mit bürgerlichem Heer, Gendarmerie, Polizei und faschistischer Heimwehr gegenüber den bewaffneten Einheiten der Arbeiter/innenklasse bedeutet dieses Konzept, genau dort zuzuschlagen, wo der Feind schwach ist, sich rasch zurückzuziehen und Gegenstößen des übermächtigen Feindes elastisch auszuweichen. Dieses Kampfkonzept wurde aber auf Druck der sozialdemokratischen Parteileitung abgelehnt, stattdessen wurde das Konzept von Julius Deutsch umgesetzt, das auf die Strategie und Taktik des Abwehrkampfs einer regulären bürgerlichen Armee aufbaute. Diese verheerende Entscheidung war natürlich politisch begründet, denn die sozialdemokratische Führung wollte ja den friedlichen Weg zum Sozialismus gehen, den Weg über Wahlen und schrittweise kleine Reformen zum Sozialismus.

Wie viele Februar-Kämpfer/innen entschied sich Josef Gerl damals für einen anderen Weg, für den Weg des bewaffneten Kampfs.

Wenn wir heute wirklich den revolutionären Weg zum Sozialismus gehen wollen, müssen wir auch aus den Februar-Ereignissen lernen. Was wir brauchen, ist eine revolutionäre kommunistische Partei, eine Kampfpartei, die ihre Mitglieder im Feuer des Klassenkampfs gewinnt, eine Partei der Offensive gegen die bürgerliche Herrschaft, eine Partei, die ihre politische und organisatorische Arbeit auf den politischen Generalstreik, den bewaffneten Kampf und den Volkskrieg orientiert.

In diesem Sinne: Offensiv gegen den Faschismus! Offensiv gegen das Kapital! Für die proletarische Revolution!

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