8. März, internationaler Kampftag der werktätigen Frauen

„Die Stellung der Frauen beruht wie alles in unserer komplexen Gesellschaft auf der ökonomischen Basis.“ (Eleanor Marx und Edward Aveling)

Wer putzt? Wer kocht? Wer wäscht? Wer erzieht unsere Kinder? Die gesamte Arbeitswoche der Arbeiterinnen wird auf 99,6 Stunden geschätzt. Die Arbeiterin soll sich nach der Lohnarbeit im Bereich der vier „K“ bewegen: Kind, Küche, Kleider, Kirche. Von allen Seiten wird versucht, die Frauen ruhig und dumm zu halten und sie zu entpolitisieren. Diese Doppelbelastung durch Lohnarbeit und Arbeit in der Familie ist die besondere Form der Ausbeutung der erwerbstätigen Frau im Kapitalismus. Die Befreiung der Frau ist kein reiner Geschlechter- oder Reformkampf sondern weiterführend ein Klassenkampf. Wenn wir unsere Lage nicht mehr als Schicksal betrachten, sondern endlich die Augen aufmachen, dann wird uns auch bewusst, wer uns unterdrückt und wie notwendig unser Kampf gegen Kapital und Patriarchat ist.

Die Proletarierinnen haben zusammen mit den bürgerlichen Frauen wichtige Errungenschaften für die Frauen erkämpft. Die bürgerliche Frauenbewegung beschränkt sich jedoch auf Reformkämpfe und hat nicht den Anspruch, den Rahmen des kapitalistischen Systems zu sprengen.

Heute sind es Quotenregelungen bei der Verteilung von Machtpositionen, die die bürgerliche Frauenbewegung fordert. Die mächtigste Frau auf der Welt sei Angelika Merkel liest man im Standard. Diesem Verständnis nach ist der größte Beitrag zur Frauenemanzipation deren gleichwertige Beteiligung an Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiter/innenklasse.

Besitzende oder gut verdienende Frauen können eine andere Frau bezahlen, die für sie kocht, putzt und ihre Kinder erzieht. Die Situation der Arbeiterin hingegen ist eine ganz andere. Solange die Hausarbeit eine weitgehend private und Angelegenheit der Frau ist, können angebliche „Chancengleichheiten“ außerhalb des Hauses überhaupt nicht wahrgenommen werden, sie sind rein formal und können nur von einer Elite von Frauen in Anspruch genommen werden. Genauso verhält es sich mit der formalen Gleichberechtigung vor dem Gesetz. Dem kapitalistischen System nützt Frauenunterdrückung und Patriarchat. Die konsequente Befreiung der Masse der Frauen ist also eine Klassenfrage. Während für die bürgerliche Frau die Verfügungsgewalt über ihre eigenen Produktionsmittel die Freiheit bedeutet, beutet sie als Mitglied der bürgerlichen Klasse die Arbeiterinnen aus.

Die proletarische Frauenbewegung kämpfte und kämpft um die wirkliche Frauenbefreiung. Sie beteiligte sich an jedem radikalen Reformkampf und erreichte für die Frauen unter vielen anderen das Recht auf Abtreibung. Sie blieb jedoch nicht stehen bei Zugeständnissen, im Gegenteil. Durch die Eingliederung der Frau in den Produktionsprozess unterlag nun die Arbeiterin demselben Herrn wie der Arbeiter. Sie haben einen gemeinsamen Feind, wobei sich die Arbeiterin in einer besonderen Lage der Ausbeutung befindet. Die Frauen der revolutionären, auch sozialistischen Frauenbewegung genannt, waren sich  ihrer Lage bewusst, nämlich dass sie einen wesentlichern Teil des gesamten ausgebeuteten Proletariats ausmachen und sich das Proletariat nur selbst im Kampf gegen die Ausbeuterklasse befreien kann. Dass die Arbeiterinnen einer besonderen Ausbeutung unterliegen und diese Tatsache die Notwendigkeit voraussetzt, dass sie sich von den Ketten des Patriarchats nur selbst befreien können, indem sie sich organisieren  und eigenständig den Kampf aufnehmen.

Mit dem, dass die Frau für den Produktionsprozess herangezogen wurde, verfolgte die Bourgeoisie nicht das Interesse, die Frau aus der materiellen Abhängigkeit vom Mann zu befreien. Der Frühkapitalismus zeichnete sich durch eine hohe Produktivitätssteigerung aus, das heißt, dass die Frauen als billigere Arbeitskräfte eingesetzt werden mussten, damit die aufkommende Industrialisierung vorangetrieben werden konnte. Von diesem Zeitpunkt an waren es in jeder Wirtschaftskrise die Frauen, die als erstes von Massenentlassungen betroffen waren. Die Erwerbstätigkeit der Frauen ist abhängig vom jeweiligen Bedarf an weiblichen Arbeitskräften. Vor dem ersten Weltkrieg wurden die Frauen massenhaft  in den Produktionsprozess einbezogen, besonders in Munitionsfabriken um männliche Arbeitskräfte für die Front freizusetzen. Jugend-, Arbeiterinnen- und Kinderschutz wurden für die gesamte 1. Weltkriegsdauer aufgehoben. Nicht anders war es vor dem 2.Weltkrieg und in jeder nachfolgenden Krise. Die Frauen im Reproduktionsbereich sind eine industrielle Reservearmee, die herangezogen bzw. zurück an den Herd gedrängt wird, wie es dem System gerade passt. 

„Die Familie ist die kleinste, aber wertvollste Einheit im Aufbau des ganzen Staatsgefüges.“ Das brachte Hitler schon mal auf den Punkt. Im Faschismus kam es zur vollkommenen Wiederbelebung der patriarchal-autoritären Familienform. Die Frauen mussten sich ihrem „Naturberuf“ als Ehefrau und Hausfrau widmen. Die unbezahlte Arbeit der Frauen innerhalb der Familie, die ihnen aufgehalst wird, dient dazu, die Reproduktionskosten der Arbeitkraft zu senken. Die Ehe, mit der die Familie als lebenslängliche Versorgungsinstitution untermauert wird zeichnet ebenfalls die Besonderheit der doppelten Unterdrückung und Ausbeutung der proletarischen Frau aus. In unseren Köpfen besteht der Tag aus Arbeit und der Rest wäre dann Freizeit. Das Leben als Arbeiterin oder Arbeiter  wird nicht als ganzes gesehen. Du kannst ja nur arbeiten, wenn du dich dazwischen wieder erholst, schläfst, isst, jene Bedürfnisse erfüllst, die notwendig sind, damit sich deine Arbeitskraft regenerieren, „reproduzieren“ kann. Viele dieser Aufgaben bleiben an der „Frau im Haus“ hängen. Das System zieht einen großen Nutzen aus diesem Umstand, denn es braucht sich weniger um die Wiederherstellung der Arbeitskraft zu kümmern solange es die Frauen dafür gibt.

Gleichzeitig sollen wir unsere Kinder nach genau den Rollenbildern, die das System für unsere Unterdrückung vorgesehen hat, erziehen. Wir sollen TrägerInnen, VerfechterInnen und VermittlerInnen der bestehenden Werte und Muster sein, mit denen wir im Kapitalismus und Patriarchat funktionieren. Ausbeutung und Unterdrückung, Sexismus, und Frauenfeindlichkeit sollen hingenommen bzw. gar nicht erst gesehen werden. Es soll nicht lange nachgedacht werden und schon gar nicht nach einem Warum gefragt werden.

Die Familie erfüllt ebenfalls den Zweck eines Ventils zur Machtausübung des Mannes. Dies ist der wichtigste Bereich im gesellschaftlichen Leben wo ein ausgebeuteter Arbeiter bestimmen, entscheiden und herrschen kann  (oder wo er sich das zumindest einbilden kann). Ärger und Frustration kann er innerhalb der Familie Luft machen, ohne eine Gefährdung fürs System darzustellen – im Gegenteil. Diese autoritären Werte sind fundamental für das Fortbestehen des Kapitalismus. Die Tätigkeiten im Haus erhält die Isolation vieler Frauen von der Gesellschaft. Dies spiegelt sich in Verbindung mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit auch in der emotionalen Abhängigkeit  von den Ehemännern, Lebensabschnittspartnern, Haberern, Vätern, Strizzis wider. Durch die künstliche Trennung der Lebensbereiche wird völlig vernebelt, welch bejahende Stellung wir mit unserer „privaten“ Lebensweise, objektiv, gegenüber dem System einnehmen. Es gibt nichts system-stabilisierenderes als das Leben nach dem vorherrschenden patriarchalen bürgerlichen Familienbild.

In einer Gesellschaft, in der Geld die Werte bestimmt, ist die Hausarbeit der Frau wertlos und gilt deshalb nicht als Arbeit. Jede produzierte Ware hat im Kapitalismus einen Gebrauchswert und einen Tauschwert. Der Gebrauchswert definiert sich über die Frage ob ein Ding überhaupt benötigt wird. Dann erst gibt es einen Tauschwert, nämlich wenn man dieses brauchbare Ding verkaufen kann. Die Haushaltsarbeit schafft reinen Gebrauchswert, keinen Tauschwert obwohl enorm viel Arbeit dahinter steckt.

Die patriarchale und sexistische Objektivierung von Frauen, ihrer Körper und ihrer Sexualität, und ihre Vermarktung für den männlichen Konsum, fügt sich in das System der kapitalistischen Wirtschaftsbeziehungen und der bürgerlichen Familie hervorragend ein.

Im Sozialismus beispielweise in der Sowjetunion der 1920er-Jahre oder während der Kulturrevolution in  China wurden große Anstrengungen unternommen, die private Hausarbeit zu vergesellschaften. Es wurden Volkskantinen bzw. Gemeindeküchen gebaut, in denen auch Männer arbeiteten. Die Erziehung der Kinder wurde nicht mehr allein den Eltern bzw. den Frauen überlassen, sondern vergesellschaftet. Das sind Voraussetzungen, wodurch die materielle Grundlage zur Diskriminierung der Frauen entzogen wird.

Patriarchat, Ausbeutung und Unterdrückung werden durch Reformen innerhalb dieses Systems nicht beseitigt. Das System reproduziert diese jeden Tag neu. Erst im Sozialismus können die Bedingungen und Voraussetzungen geschaffen werden, die die Frauen aus ihrer untergeordneten Position herauslösen. Das heißt jedoch nicht, dass es mit der Umgestaltung der ökonomischen Verhältnisse durch die sozialistische Revolution alleine getan ist. Im Gegenteil; nötig ist die Revolution in den kulturellen und privatesten Bereichen des menschlichen Zusammenlebens. Die Befreiung der Frau und der gesamten vom Kapital Unterdrückten erfordert die sozialistische Revolution. Also organisieren wir uns in revolutionären Organisationen, um die proletarische Revolution und die Befreiung der Frau aus jahrhundertelanger Knechtschaft voranzutreiben.

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