Nochmals zum „Massaker von Katyn“ und dem Warschauer Aufstand 1944

1. Katyn

Das angebliche sowjetische „Massaker von Katyn“ ist derzeit (April 2010) wieder einmal in aller Munde. Am 7.April 2010 gab es Trauerdarbietungen und Kranzniederlegungen der Herren Ministerpräsidenten Putin und Tusk. Der polnische Staatspräsident Kaczynski war dazu nicht eingeladen, nachdem er kurz zuvor bei einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen hauptsächlich gegen die Rolle des „bolschewistischen Russland“ in Zweiten Weltkrieg gehetzt hatte. So scharte Kaczynski eine Hundertschaft seiner engsten Getreuen um sich und organisierte sich für den 10.April 2010 seine eigene Privatveranstaltung in Katyn. Makabres Pech und irgendwie vielleicht „List der Geschichte“, dass Kaczynski und ein paar Dutzend weitere Repräsentanten der finstersten polnischen Reaktion dabei durch einen Flugzeugabsturz im Anflug auf Katyn starben. Es entbehrt nicht einer bizarren Note, dass diese Figuren auf diese Weise Opfer ihrer eigenen Propaganda wurden. (Dafür wurde seine Leiche in der „Gruft der Könige“ in Krakau in einer Loge direkt neben der des Faschisten Pilsudski untergebracht.)

Das Massaker von Katyn wurde und wird – inzwischen mit der größten Selbstverständlichkeit – von interessierter Seite der Sowjetunion in die Schuhe geschoben. Angeblich hätte der sowjetische Geheimdienst nach 1939 30.000 oder 22.000 oder 15.000 oder 4.000 (da gibt’s verschiedene Versionen, manchmal sogar mehrere in verschiedensprachigen Ausgaben ein- und desselben Buches), jedenfalls die „gesamte intellektuelle Elite des Landes“, umgebracht. Es sei nämlich, meinen diese Kreise, ein Anliegen der Sowjetunion gewesen, genau das zu tun, was eigentlich die Nazis planten und in Angriff nahmen, nämlich Polen zu versklaven und auszulöschen. Für die Reaktionäre und Imperialisten aller Couleurs „gilt das heute als erwiesen“.

Die Katyn-Lüge wurde zum ersten Mal am 13.April 1943 in die Welt gesetzt und zwar vom deutschen Propagandaministerium über den Rundfunk. Die Rede war damals von 15.000 Toten, deren Leichen man in einem früheren sowjetischen Arbeitslager bei Katyn gefunden hätte. Die Sowjets hätten nach 1939, nach ihrem Einmarsch in „Ostpolen“ (zu diesem Begriff weiter unten), dieses Massaker begangen und die Nazis hätten die Massengräber gefunden, als sie im Zuge ihres Angriffs auf die Sowjetunion auch das Lager Katyn „befreiten“.

Rekonstruieren wir die historischen Tatsachen. In Katyn hatte es in der Tat ein sowjetisches Arbeitslager gegeben. Wie war es zu diesem gekommen? Die Sowjetarmee war am 17. September 1939 in das sogenannte  „Ostpolen“ eingerückt, nachdem Hitlerdeutschland die westlichen Teile Polens besetzt hatte (1. – 18. September 1939) und die Reste der polnischen Regierung nach London geflüchtet waren, es also tatsächlich keine polnische Regierung mehr gab. Dabei wurden 1.700 Offiziere der Armee des faschistischen Polen [1], die sich der Roten Armee entgegenstellten, verhaftet und in einem Arbeitslager in Katyn interniert. Sie wurden vorwiegend im Straßenbau eingesetzt.

Nach dem Angriff Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion am 22.Juni 1941 zog sich die Rote Armee aus dem Raum Smolensk zurück und ließ die Lagerinsassen von Katyn zurück. Die Nazis erklärten das Gebiet um Katyn, bis dahin frei zugängliches und beliebtes Ausflugsgebiet der Smolensker Bevölkerung, unverzüglich zum militärischen Sperrgebiet und zwischen September und Dezember 1941 wurden dort über 4.000 Lagerinsassen umgebracht. Das war im Einklang mit der anti-slawischen rassistischen Doktrin und der völkermörderischen Politik Nazideutschlands, die tatsächlich auf die nationale Auslöschung der „minderwertigen  slawischen Rassen“ zielte, darunter auch der Polen. Nach der Okkupation „Westpolens“ durch Nazideutschland 1939 wurden weite Teile Polens abgetrennt und dem „Deutschen Reich“ zugeschlagen; Restpolen wurde zum „Generalgouvernement Polen“. „General-Gouverneur“ Frank hatte als eine ausdrückliche Aufgabe die „Liquidierung des führenden Polentums“ (Heydrich), d.h. u.a. die Auslöschung der polnischen Intelligenz (Schließung aller Schulen außer vierklassigen Volksschulen [2], Konzentrationslager, physische Vernichtung der Intelligenz etc.) und die völlige Versklavung und teilweise Ausrottung der Polen [3]. Sofort in den ersten Monaten der Okkupation wurden Zehntausende Polen erschossen [4]. Unverzüglich wurden drei Konzentrationslager (Auschwitz, Majdanek, Treblinka) errichtet. 900.000 Zwangsarbeiter wurden in das „Reich“ deportiert. 1,5 Millionen wurden aus dem annektierten „Warthegau“ unter unglaublichem Terror ausgesiedelt. Insgesamt sollten nach den Plänen der Nazis 70-80% der Polen aus polnischem Gebiet ausgesiedelt (oder ausgerottet) werden [5], um „germanischen Lebensraum“ freizumachen. Als die Nazis im Juni 1941 auch in „Ostpolen“ und in der Sowjetunion einfielen, fielen auch die bis dahin verschont gebliebenen „ostpolnischen“ Gebiete in ihre Hände und schließlich auch das Lager Katyn. Das Massaker von Katyn war im Rahmen der Nazipolitik überhaupt nichts Besonderes oder besonders Bedeutendes. Es gab massenhaft Naziverbrechen wie das in Katyn. Kurz zuvor hatte sich ein ähnliches Massaker in Lwow abgespielt und die Nazis hatten ebenfalls (erfolglos) versucht, das den „Bolschewisten“ in die Schuhe zu schieben. Das Massaker von Katyn war nur ein kleines Puzzle-Steinchen in der nationalsozialistischen Mordmaschinerie. Insgesamt verlor Polen durch die deutsche Kriegs- und Ausrottungspolitik 6 Millionen Menschen (davon 2,7 Millionen Juden).

Von 1941 bis 1943 fiel von Naziseite kein Wort über Katyn. Warum hätte man auch die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit darauf lenken sollen? Und auf die Idee, das Massaker der Sowjetunion in die Schuhe zu schieben, war man noch nicht gekommen. Erst im April 1943, die Nazis hatten gerade die Schlacht um Stalingrad verloren und versuchten angesichts der Wende im Kriegsverlauf an der „Ostfront“ mit allen Mitteln, die antisowjetische Propaganda verstärken und einen Keil in das Bündnis der Alliierten zu treiben[6], setzte Goebbels die Geschichte vom „sowjetischen Massaker in Katyn“ in die Welt. Es handelt sich um eine rein auf Lügen aufgebaute und konstruierte Erfindung. Von 22.000 Leichen war die Rede. Eine Liste mit Namen angeblicher sowjetischer Lagerkommandanten wurde veröffentlicht, allesamt frei erfundene Namen nicht existierender Personen, übrigens überwiegend mit jüdischen Namen (offenbar ein Beispiel für die „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“!). Aber Pech gehabt! Der britische Geheimdienst hatte natürlich seine eigenen Informationen. Am 4.Mai 1943 erklärte der britische Außenminister Eden im britischen Parlament, dass „die Nazi, Mörder von Hunderttausenden Polen und Russen, diese Massakergeschichte nur nutzen wollen, um die Einheit der Alliierten zu zerstören“. Churchill schrieb an Stalin über einen (von Sikorski begeistert aufgegriffenen und propagierte) Vorschlag von Goebbels, eine „Untersuchung“ unter Beteiligung des Roten Kreuzes und der polnischen Exilregierung sowie unter dem „Schutz der Wehrmacht“ zu veranstalten: „Eine solche Untersuchung wäre ein Betrug, und ihre Ergebnisse würden durch Terror zustande kommen. Hr.Eden wird heute mit Hr.Sikorski zusammentreffen und ihn so energisch wie nur möglich drängen, jeder Untersuchung unter dem Schutz der Nazis die Unterstützung zu entziehen.“ Am 8.Mai 1943 schrieb Goebbels in sein Tagebuch: „Leider ist in den Gräbern von Katyn deutsche Munition gefunden worden… Jedenfalls ist es notwendig, diesen Fall vorläufig noch streng geheim zu halten; würde er zur Kenntnis unserer Feinde kommen, so würde damit die ganze Katyn-Angelegenheit hinfällig werden.“ Da damals tatsächlich die ganze Welt davon ausging, dass es sich hier um ein Nazi-Massaker handelte, und kein Mensch (außer vielleicht den Sikorskis & Co) die Goebbels’sche Lügengeschichte glaubte, verschwand die ganze Angelegenheit rasch von der Bühne.

Ende August 1943, nur wenige Monate später, nach Zurückdrängung der Hitlerfaschisten und Rückeroberung des Gebietes um Smolensk und damit auch Katyn, setzte die Sowjetunion sofort eine breit angelegte Untersuchungskommission ein, die ihre Arbeiten im Jänner 1944 abschloss. Alle in dem detaillierten Untersuchungsbericht dokumentierten Zeugenaussagen, darunter von Frauen, die beim Stab der Gestapo in Kosij Gory, wo die meisten Erschießungen vorgenommen worden waren, gearbeitet hatten, von Leuten, die von den Nazis gezwungen worden waren, die Leichen auszugraben, diesen alle „verfänglichen“ Dokumente etc. abzunehmen und sie wieder einzugraben, von Leuten, die in und um Katyn wohnten und arbeiteten und die die Nazitransporte gesehen und die Schüsse gehört hatten, von Leuten, die die Nazis zwingen wollten, im Fall einer „Untersuchung“ Falschaussagen zu machen, und von anderen Augenzeugen, aber auch bei den Toten gefundene Briefe und Schriftstücke, die mit November 1940 bis Juni 1941 datiert sind,  und andere Beweisstücke bestätigten eindeutig, dass es sich bei den mehr als 4.000 gefundenen Leichen um die Opfer deutscher Kriegsverbrechen handelte. Dazu kam die deutsche Munition in den Schädeln [7] und die im allgemeinen (Massenerschießungen [8]) und in den Details (Genickschuss) typische Tötungsmethode der Nazis, speziell der SS. Ebenso kamen Pathologen und Gerichtsmediziner in einem äußerst detaillierten (allerdings für den normalen Leser schwer verdaulichen und grausigen) Untersuchungsbericht auf Grund des Verwesungszustandes der Leichen zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die Morde nach der Besetzung Katyn’s durch die Nazis am 22. Juni 1941 begangen worden sein mussten. Auch die Bepflanzung über den Massengräbern wies auf ein noch sehr junges Datum des Massakers hin. Der Untersuchungsbericht datiert das Massaker auf den Zeitraum September bis Dezember 1941. 1944 war das alles noch völlig unbestritten (außer bei den Sikorskis & Co).

Nach 1945 hatte sich die Weltlage verändert. Hitlerdeutschland gab es nicht mehr und der Widerspruch zwischen dem Imperialismus mit dem US-Imperialismus an der Spitze und der Sowjetunion trat in der Vordergrund. Als  die Sowjetunion 1946 Katyn bei den Nürnberger Kriegsverbrecher Prozessen thematisieren wollte, wurde dies von den USA mit der Begründung unterdrückt, die Sowjets wollten die Prozesse für ihre Zwecke instrumentalisieren und man wolle den eigentlichen Zweck der Prozesse dadurch nicht beeinträchtigen lassen. Der sowjetische Ankläger Rudenko wurde mit Verhaftung durch die US-Militärverwaltung bedroht, wenn er nicht sofort aufhöre, über Katyn zu reden. So konnte Katyn in Nürnberg nicht behandelt werden. Der Kalte Krieg zeichnete sich bereits ab. 1951 gruben dann die US-Imperialisten die Sache auf ihre Art und Weise wieder aus und schufen eine „Untersuchungskommission“ (unter Teilnahme des berühmten Herrn McCarthy), die eine Neuauflage der Goebbels-Propaganda inszenierte (und selbstverständlich auf die sowjetische Untersuchungskommission, deren Ergebnisse 1952 nochmals in mehreren Sprachen publiziert wurden, nicht einmal einging). Seither ist das angebliche „sowjetische Massaker“ Gemeinplatz der imperialistischen Propaganda und gehört nach ein paar Jahrzehnten zur imperialistischen „Allgemeinbildung“.

Jahre später sprangen Gorbatschow (1990) und Jelzin (1992), die ihren Beruf in der restlosen Durchsetzung privatkapitalistischer Verhältnisse und in der noch konsequenteren „Abrechnung“ mit der sowjetischen Vergangenheit, als Chruschtschow das betrieben hatte, sahen, auf diesen Zug auf und versuchten, die US-Propaganda sogar noch zu übertreffen. Dabei gab es allerdings etliche Pannen. Gorbatschow und Jelzin hatten, als sie erklärten, „Russland nehme alle Schuld auf sich“, offenbar nicht damit gerechnet, dass jemand die ominösen „Akten von 1940“, auf die sie sich bezogen, sehen wollte, und zwar  nicht nur die Zweifler, sondern auch diejenigen, die sich vor lauter Begeisterung über das „sowjetische Massaker“ gar nicht mehr halten konnten. Es dauerte daher ein bisschen, bis irgendwelche „Akten“ produziert waren. Zumal derselbe Jelzin kurz zuvor erklärt hatte, dass es leider keine Akten mehr gebe, da Chruschtschow sie vernichtet habe. Ausgerechnet Chruschtschow, der größte „Entstalinisierer“ aller Zeiten, hätte sich die Nutzung solcher „Akten“ entgehen lassen? Und warum hatte in der gesamten Zeit seit der „Entstalinisierung“, also spätestens seit 1956, niemand von denjenigen, die mit Schaum vor dem Mund die „Verbrechen Stalins“ „enthüllten“, etwas von diesen „Akten“ erwähnt?  Dazu erklärte Jelzin, das sei deswegen so, weil diese „Akten“ unter persönlichem Verschluss des jeweiligen Generalsekretärs der KPdSU gehalten und nur von einem zum nächsten weitergegeben wurden. Jedenfalls bleiben die „Kopien der Akten von 1940“, die Jelzin der polnischen Regierung übergeben haben soll, bis heute im Dunkel. Publiziert und tausendfach reproduziert (z.B. in Wikipedia unter dem Stichwort Katyn) wurde eine einzige „Akte“, die Seite 1 eines Dokumentes, das noch niemand im Original und von dem noch niemand die behaupteten Folgeseiten gesehen hat. Dieses Dokument, sofern es nicht ebenfalls insgesamt eine Fälschung ist, ist die erste Seite einer Aktennotiz von Beria an Stalin, in der die Rede davon ist, dass polnische Offiziere Widerstand gegen die Rote Armee leisten und man dagegen vorgehen müsse. Keine Rede von Erschießungen und keine Rede von Katyn. Seltsam auch, dass jemand auf diese maschinegeschriebene Aktennotiz mit der Hand das Datum 5.3.1940 eingetragen hat. Noch seltsamer, dass die Seiten 2 etc., die den „Beweis“ für die angeblichen sowjetischen Gräueltaten darstellen sollen, nicht publiziert wurden und werden. Es wäre es doch ein Leichtes, das ganze Dokument im Original herauszugeben, die restlichen Seiten mit dieser ominösen Seite 1 zu vergleichen und es von unabhängigen Kriminalisten untersuchen zu lassen. Zwar wird viel über diese „Akten“ geplappert, aber genau genommen ging die Sache mit den „Akten“ komplett in die Hosen. Neben der Panne mit den „Akten“ gab es noch eine zweite: Im Überschwang der Begeisterung wurde zunächst eine sowjetisch-polnische, später russisch-polnische Untersuchungskommission eingesetzt, die „Beweise“ für die sowjetische Verantwortung für das Massaker finden sollte. Obwohl die Burschen ihr Bestes taten und dazu ordentlich drangsaliert wurden, konnten sie – offenbar im Anflug eines Rests von wissenschaftlicher Ehrlichkeit – keinerlei Beleg für eine Beteiligung der Sowjetunion finden. Sie bestätigten indes die Zahl der Toten des sowjetischen Untersuchungsberichts und dass sich (noch immer) deutsche Munition in den Schädeln der Leichen befand. Also wurde es gleich wieder still um die Kommission.

Der Rest ist bekannt, die Lügenpropaganda wird auf der ganzen Welt nachgeplappert, heute auch von den russischen Machthabern, Gedenkstätten wurden errichtet [9], Kranzniederlegungen usw. Es ist in der Tat frivol, wie der Sowjetunion die Motive und die Handlungsweise der Nazis unterstellt werden und wie zugleich in Bezug auf Katyn das Naziregime beschönigt und weißgewaschen wird.

Die Katyn-Lüge ist eng verbunden mit den Lügen über den „Hitler-Stalin-Pakt“ [10] und den „Überfall der Sowjetunion auf Polen“, also die sowjetische Besetzung „Ostpolens“. Dazu folgende Anmerkung. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchten die imperialistischen Mächte zuerst, die Sowjetmacht durch Interventionskriege von allen Seiten zu stürzen. Als dies gescheitert war, dachte man über eine mögliche Friedensregelung nach. Während der polnische Faschist Pilsudski die „Wiederherstellung Großpolens in den Grenzen von 1772“, also unter Einschluss Weißrusslands und der Ukraine forderte, setzten die Alliierten 1919 als polnische Ostgrenze die „Curzon Line“, benannt nach dem britischen Außenminister Lord Curzon, fest. Diese Linie orientierte sich an ethnisch-sprachlichen Grenzen. Östlich der Curzon Line lebten keine Polen, sondern nur Weißrussen und Ukrainer. Dennoch griff Polen im April 1920 die Sowjetunion an, Gegenstoß der Roten Armee fast bis Warschau, dann Eingreifen Frankreichs und Rumäniens an der Seite Polens, Rückzug der Roten Armee und schließlich der „Friede von Riga“ (18.März 1921), in dem die nach dem Ersten Weltkrieg und drei Jahren Bürgerkrieg völlig ausgeblutete Sowjetunion, die unbedingt an einem raschen Frieden interessiert war (analog zu Lenins Parole 1917/18: „Raum verloren, Zeit gewonnen.“), große Gebiete Weißrusslands und der Ukraine, 250 Kilometer tief in sowjetisches Gebiet, abtrat. Dieses Gebiet, also von Polen okkupiertes sowjetisches Gebiet, wurde von der Sowjetunion 1939 zurückgeholt. Ein Vergleich zweier Karten, nämlich der Curzon Line aus 1919 und des 1939 von der Sowjetunion besetzten „Ostpolen“, wie man sie in jedem besseren Historischen Atlas findet,  zeigt, dass dieses „Ostpolen“ in Wirklichkeit die von Polen 1920 räuberisch eroberte Westukraine und Westweißrussland sind. Durch ihren Wiedergewinn 1939 wurden nicht nur die Ausgangsbedingungen der sozialistischen Sowjetunion für den bevorstehenden Krieg deutlich verbessert, allein schon hinsichtlich der militärischen Bereitstellungsräume und der für die Nazis verfügbaren Ressourcen, sondern es wurden auch viele Millionen Ukrainer und Weißrussen (und auch eine Menge Polen, darunter auch die im Lager Katyn!) immerhin noch zwei Jahre lang vor dem Naziregime geschützt.

Es ist bemerkenswert, dass eine derart krass den Tatsachen widersprechende Lüge wie die um Katyn eine so breite und dauerhafte Präsenz in der bürgerlichen Propaganda gewonnen hat. Ebenso bemerkenswert ist, dass unter denen, die die Lüge glauben, nie die Frage nach den Motiven gestellt wird. Erklärten die Nazis nicht offen, Polen auslöschen zu wollen? Begingen sie nicht tatsächlich Massenmord unfassbaren Ausmaßes überall in Polen wie auch in Katyn? Demgegenüber aber: Warum, aus welchen Motiven, hätte die Sowjetunion Völkermord an Polen begehen und nicht umgekehrt versuchen sollen, möglichst viele Polen für den Kampf gegen die deutschen Okkupanten zu gewinnen? Offenkundig haben wir es hier mit einer reinen Projektion der Motive und Gräueltaten der Nazis auf die Sowjetunion zu tun. Aber das hat eben mit den Klasseninteressen der imperialistischen Bourgeoisien zu tun. Für ihre Hetzkampagnen und ihre Kriegstreiberei dienen ihnen immer wieder auch reine Erfindungen als Vorwände. Denken wir nur an den „Tonkin-Zwischenfall“ von 1964 für den Einstieg in den Vietnam-Krieg und – vor ein paar Jahren – die „Massenvernichtungswaffen Saddam Hussein’s“ für den in den zweiten Irak-Krieg. Bloß hatten die beiden letztgenannten Lügen mehr oder weniger kurze Beine, während die Katyn-Lüge sich nach ihrer Aufwärmung durch die USA im Kalten Krieg bis heute beharrlich hält.

 

2. Warschauer Aufstand 1944

Wo über das Massaker von Katyn gelogen wird, ist meist der Warschauer Aufstand von August 1944 nicht weit. Am 1.August 1944 rief die polnische Exilregierung von London aus einen Aufstand zur Befreiung Warschaus von den Nazis aus, der nach wochenlangen Kämpfen von den Nazis brutal niedergeschlagen wurde, mit dem Ergebnis der vollständigen Zerstörung Warschaus und über eine Viertelmillion Toten auf polnischer Seite. 15.000 Soldaten des polnischen Widerstands und eine Viertelmillion wahllos ermordete Zivilisten starben im Zuge der Aufstandsbekämpfung und mehr noch durch Racheakte der Wehrmacht und der SS nach der Niederschlagung des Aufstands. Allerdings bissen auch 10.000 Wehrmachtssoldaten und SS-ler ins Gras. Zu den Verlusten der Aufständischen in Warschau selbst kommen die Soldaten der im Bündnis mit der Roten Armee bei Warschau kämpfenden Soldaten der polnischen „Volksarmee“ und 160.000 in diesen Wochen vor Warschau gefallene sowjetische Soldaten. Es war ein heldenhafter, unglaublich mutig und erbittert geführter Aufstand Zehntausender Warschauer Partisanen und unter breitester Beteiligung und Unterstützung durch die Volksmassen, der – von der Intention der aufständischen Warschauer her – einen Beitrag zur Befreiung Warschaus leisten und zugleich die Nachschublogistik der östlich von Warschau gegen die Rote Armee kämpfenden deutschen 9.Armee unterbrechen sollte.

Ein anderes Ziel verfolgte indessen die polnische Exilregierung in London, eine reaktionäre Bande ehemaliger Militärs des faschistischen Polen, die aber in ihrem antisowjetischen Eifer die Unterstützung und Sympathie der „Westmächte“ genoss. Sie musste mit allen Mitteln einer Befreiung Warschaus durch die Rote Armee zuvorkommen. Sie war durch den schnellen Vormarsch der Roten Armee über 700 Kilometer in fünf Wochen (!) überrascht worden. Am 28.Juli war als neues Operatives Ziel der 1.Weißrussischen Front ausgegeben worden, am 2.August Siedlce (etwa 100 Kilometer östlich von Warschau) zu erobern und die Weichsel bis 8.August zu erreichen, um anschließend Warschau zu befreien. Für die polnischen Obristen war jetzt „Feuer am Dach“. Eine Befreiung Warschaus durch die Rote Armee musste unbedingt verhindert werden. So kam es zu der nur durch die reaktionären politischen Ziele der Londoner Exilregierung bestimmte Entscheidung, am 1.August ohne Rücksicht auf die militärische Lage, ohne entsprechende Vorbereitung und ohne jegliche Koordination mit der Roten Armee und der polnischen „Volksarmee“ den Aufstand auszurufen, was in Warschau im Vertrauen auf eine richtige Lagebeurteilung und getrieben vom Hass gegen die Nazibesatzer befolgt wurde. Die Sowjetunion und die polnische „Volksarmee“ bzw. das Lubliner Komitee wurden davon bewusst nicht rechtzeitig informiert (dies geschah erst am 4.August durch eine Botschaft Churchills an Stalin und durch nach Moskau gereiste Mitglieder der Londoner Exilregierung). Der verfrühte Aufstandsbefehl war eine verbrecherische Wahnsinnstat der polnischen Obristen im Londoner Exil. Nur ein Zehntel der in Warschau befindlichen Kämpfer war zu Beginn des Aufstands überhaupt bewaffnet, schweres Gerät und Ausrüstung fehlte völlig, die Munition reichte nur für Offensivoperationen von 2-4 Tagen. Die Obristenclique führte die Volksmassen sehenden Auges in die Katastrophe, nur mit dem Ziel vor Augen, ihr eigenes politisches Überleben zu retten.

Der ganze Wahnsinn der überstürzten Aufstandsentscheidung springt ins Auge, wenn man sich die militärische Lage an diesem Frontabschnitt vergegenwärtigt. Ende Juli 1944 standen die Panzerverbände der 1.Weißrussischen Front  nach der Vernichtung der gesamten deutschen „Heeresgruppe Mitte“ (28 Divisionen mit 350.000 Mann und fast die gesamte 3.Panzerarmee) etwa 100 Kilometer östlich von Warschau. Durch das Tempo des Vormarsches (700 km in fünf Wochen (!)) traten schwere Nachschubprobleme auf. Darüber hinaus wurden sie ab dem 30.Juli in schwerste Kämpfe mit der deutschen 9.Armee verwickelt, was den Vormarsch vorübergehend stoppte und der Roten Armee zeitweise die Initiative aus der Hand nahm. Das Ziel, bis 8.August das östliche Weichselufer zu erreichen, war zur Illusion geworden. Die sowjetischen Panzerverbände konnten unter den gegebenen Umständen nicht „einfach“ gegen Warschau vorrücken, um dem Aufstand zu Hilfe zu kommen. Sie mussten zuerst den Sperrgürtel der deutschen 9.Armee zerschlagen. Diese war eiligst um eine weitere Infanteriedivision und 4 weitere Panzerdivisionen, darunter die 5. und 3. SS-Panzerdivision („Wiking“ und „Totenkopf“) und die Fallschirm-Panzer-Division 1 „Hermann Göring“ verstärkt worden, um „Warschau um jeden Preis zu halten“ (Guderian). Auch hatte die deutsche Luftwaffe zu diesem Zeitpunkt zeitweilig die Lufthoheit zurückerobert. Die Rote Armee setzte ihren Vormarsch Richtung Praga, östlich der Weichsel, fort, stieß dabei aber auf unerwartet massiven Widerstand der Wehrmacht. In der sog. Panzerschlacht von Praga, die von Ende Juli bis Mitte September im Raum zwischen Warschau und Siedlce tobte, wurde sogar zeitweilig die sowjetische Panzerspitze (2.Gardepanzerarmee), die die Weichsel bereits fast erreicht hatte, abgeschnitten und große Truppenteile vernichtet. 500 sowjetische Panzer (und fast ebenso viele deutsche) wurden zerstört und es fielen in wenigen Wochen 160.000 sowjetische Soldaten. Erst im September, nach schweren und äußerst verlustreichen Kämpfen mit der deutschen 9.Armee, kam die sowjetische Offensive wieder voran.

Als die sowjetische Regierung vom begonnenen Aufstand Kenntnis erlangt hatte, informierte sie sofort die Alliierten und auch die polnische Exilregierung (Premierminister Mikolajczyk begab sich nach Moskau und führte ab 3.August mehrere Gespräche mit Stalin) ausdrücklich über ihre Einschätzung der militärischen Situation, der Kräfteverhältnisse in Warschau und der Aussichten des Aufstandes. Dessen ungeachtet unterstützte die Sowjetunion selbstverständlich den nun einmal begonnenen Aufstand von Anfang an so gut sie konnte, vor allem durch die Luftwaffe und die Artillerie, durch Versorgung aus der Luft und das Zurverfügungstellen von Militärflugplätzen für Materialabwürfe der Alliierten, durch Waffenlieferungen, Pionierausrüstung, Logistik (Radiosender, Aufklärung …) und natürlich auch durch den Versuch, die eigene Offensive wieder in Gang zu bringen. Die deutsche 9.Armee samt ihrer zusätzlichen Panzerdivisionen, in Kämpfe mit der Roten Armee verstrickt, konnten in Warschau selbst nicht eingesetzt werden, sodass den Nazis im Wesentlichen mehrere SS-Verbände plus die Panzerdivision „Hermann Göring“ zur Verfügung standen. Am 2.September starteten die zu diesem Zweck zusammengezogenen Naziverbände in Warschau ihre Gegenoffensive gegen die von den Aufständischen besetzten Kerngebiete Warschaus. Am 8.September beschloss die Londoner Exilregierung angesichts einer aussichtslos erscheinenden Situation die Kapitulation und leitete Kapitulationsverhandlungen mit den Nazis ein.

Zu diesem Zeitpunkt drehte die militärische Lage und es gelang der Roten Armee, die Initiative wieder an sich zu reißen. Am 9.September gelang es der Roten Luftwaffe, die deutsche Lufthoheit zu brechen; die deutschen Stellungen vor und in Warschau wurden bombardiert; die Panzerverbände drängten die Wehrmacht zurück und erreichten am 14.September das östliche Weichselufer. Die Rote Luftwaffe flog 2.000 Einsätze, um Waffen, Munition und anderes Material an die Aufständischen abzuwerfen, während die sowjetische Artillerie die deutschen Stellungen jenseits der Weichsel unter Beschuss nahm. Am 15.September griffen die nördlich und südlich Warschaus im Bündnis mit der Roten Armee kämpfenden 3 Divisionen der polnischen „Volksarmee“ an und überquerten die Weichsel, um den deutschen Nachschub von Westen her zu unterbinden und sich mit den Aufständischen zusammenzuschließen, scheiterten aber und mussten sich am 23.September wieder über die Weichsel zurückziehen. Als über die Aussichtslosigkeit des Aufstandes kein Zweifel mehr bestehen konnte, bot das sowjetische Oberkommando an, mit Artillerie-Dauerfeuer die Naziverbände niederzuhalten und so einen Schutzring zu bilden, um die Aufständischen über die Weichsel zu evakuieren; dieses Angebot wurde von der Londoner Exilregierung nicht angenommen. Es gelang den Naziverbänden, die letzten noch von Aufständischen besetzten Stadtteile zurückzuerobern. Am 1.Oktober kapitulierten die Verbände der Londoner Exilregierung. Es folgte ein Massenmord unvorstellbaren Ausmaßes an der Zivilbevölkerung. Himmler hatte den Befehl gegeben, alle Einwohner Warschaus zu ermorden, was freilich aus Munitionsmangel und sonstigen logistischen Gründen nicht möglich war.

Auch nach dem 1.Oktober gingen die Kämpfe zwischen den Verbänden der Wehrmacht und der SS einerseits und der Roten Armee mit unverminderter Heftigkeit weiter. Während die Verbände der polnischen „Volksarmee“ weiter an der Seite der Roten Armee kämpften, rief die Londoner Exilregierung nach dem gescheiterten Aufstandsabenteuer ihre militärischen Verbände, die sog. „Heimatarmee“, dazu auf, die Kämpfe einzustellen. Aus ihrer Sicht war der Kampf um die Wiedererrichtung eines unabhängigen „nationalen“, aber halt auch kapitalistischen Systems und faschistischen Regimes in Polen aussichtslos geworden.

Résumé: Am 1.August 1944 hatte die polnische Exilregierung nur eines im Sinn gehabt, nämlich mit allen Mitteln zu verhindern, dass Warschau von der Roten Armee befreit wurde. Dazu zettelte sie einen äußerst schlecht vorbereiteten und unkoordinierten Aufstand an und opferte bedenkenlos Land und Leute. Der überstürzte Aufstand war eine „Panik“reaktion angesichts der wachsenden Stärke des Lubliner Komitees und speziell des Vormarschs der Roten Armee. Mehr als eine Viertelmillion Polen wurde Opfer dieser antikommunistischen Wahnsinnstat der Londoner Exilregierung.

Bald nach der Niederschlagung des Aufstands wurde die Geschichte von eben dieser famosen Regierung (und nach dem Krieg generell von westlicher Seite) umgelogen, und zwar dahingehend, dass die Rote Armee, quasi im luftleeren Raum, als ob es keine deutsche Wehrmacht mehr gegeben hätte, ohne weiteres hätte weiter vorrücken können, aber bewusst „stoppte“ und „still hielt“, um den Nazis die Niederschlagung des Aufstandes zu ermöglichen und so das „nationale Polen“ zu schwächen [11]. Die Tatsachen [12] beweisen, dass das Märchen von der „Untätigkeit“ und vom „Stillhalten“ der Roten Armee bis Mitte September eine glatte Lüge ist. Wie widerlich und erbärmlich diese Lüge ist, kann man ermessen, wenn man die ungeheuren Verluste der Roten Armee zwischen Ende Juli und Mitte September 1944 betrachtet. 160.000 beim „Stillhalten“ und „Abwarten“ gefallene Rotarmisten? Ebenso die massive Unterstützung des – obgleich als falsch eingeschätzten – Aufstands! Und dann bleiben noch weitere Fragen: Warum rückte die Rote Armee nicht gleich am 2.Oktober in Warschau ein, als doch die ihr angedichteten bösen Motive hinfällig geworden wären? Warum dauerte es noch bis Jänner 1945 (!), dass die Rote Armee Warschau tatsächlich befreien konnte? Fragen, auf die es seitens der antisowjetischen Hetzer ebenfalls keine Antworten gibt.

 

Nachtrag (August 2010)

In den drei sowjetischen Wochenzeitungen „Sowerschenno Sekretno“, „Versia“ und „Moj Rajon“ wird berichtet über eine kürzlich eingerichtete Untersuchungskommission der russischen Duma unter der Leitung von Victor Iljuchin, Leiter des Sicherheitsausschusses der Duma, Vertreter der sog. „Kommunistischen Partei Russlands“ (eine schlimme Partei des breschnewistischen Staatskapitalismus, aber zweifellos nicht schlimmer als die Jelzins, Gorbatschows, Putins etc.) , die sich neuerdings mit den o.a. „Geheimdokumenten“ zu Katyn beschäftigt. Es hat sich nämlich jemand gemeldet und vor Iljuchin als Zeuge ausgesagt, dass diese, darunter auch der berühmte „Beria-Brief“, und „Hunderte“ weiterer Dokumente in den frühen 1990er Jahren im Auftrag der Jelzin-Clique, konkret des damaligen Duma-Abgeordneten Jakowlew, „produziert“ oder „mittels Eintragung von verzerrten Nachrichten und mittels Fälschung von Unterschriften verfälscht worden“ und in die Akten eingeschleust worden seien. Auch „Dokumente“ über die „Zusammenarbeit unserer Sicherheitsorgane mit denen der Reichssicherheit Deutschlands“ seien darunter. der Er selbst war daran beteiligt. Er macht äußerst detaillierte Angaben über die Zusammensetzung der Kommission, die Arbeitsmethoden etc. dieser Fälscher-Kommission, die „in der Struktur des Sicherheitsdienstes des russischen Präsidenten Boris Jelzin“ gearbeitet und bis 1996 bestanden hätte. (Diese ganze „Affäre“ ist möglich, weil in Russland nach der völligen Zerstörung des Breschnew-„Kommunismus“ und dem dem zugrunde liegenden Interesse an umfassender Privatisierung etc. inzwischen eine neue Phase begonnen hat, die zwar am Privatkapitalismus festhält, aber diesen mit einer neuen Stärke Mütterchen Russlands verbinden möchte.  Dies schließt einen neuerlichen Geschichtsrevisionismus des bisherigen Geschichtsrevisionismus ein und kann insofern dazu dienen, partielle Wahrheiten ans Licht zu bringen.)


[1] Es geht also nicht um „die gesamte polnische Elite“, sondern hauptsächlich um kriegsgefangene faschistische Offiziere der Pilsudski-Armee. Fast alle der insgesamt 180.000 polnischen Kriegsgefangenen von 1939 (darunter 14.700 Offiziere und Unteroffiziere) wurden gleich wieder entlassen, nur der „harte Kern“ der faschistischen Militärs (etwa 1.700), deren Kollaboration mit den Nazis drohte, blieb aus naheliegenden Gründen interniert. Es müssen von den Nazis also neben diesen 1.700 Offizieren noch weitere 2.700 Menschen in Katyn umgebracht worden sein.  

[2] In einer Notiz des SS-Chefs Himmler hieß es dazu: „Für die nicht-deutsche Bevölkerung des Ostens darf es keine höhere Schule geben als die vierklassige Volksschule. Das Ziel dieser Volksschule hat lediglich zu sein: Einfaches Rechnen bis höchstens 500, Schreiben des Namens, eine Lehre, dass es ein göttliches Gebot ist, den Deutschen gehorsam zu sein, und ehrlich, fleißig und brav zu sein. Lesen halte ich für nicht erforderlich. Außer dieser Schule darf es im Osten überhaupt keine Schule geben… (Dies führt) dann zwangsläufig … im Laufe der nächsten zehn Jahre (zu) einer verbleibenden minderwertigen Bevölkerung… Diese Bevölkerung wird als führerloses Arbeitsvolk zur Verfügung stehen und Deutschland jährlich Wanderarbeiter und Arbeiter für besondere Arbeitsvorkommnisse … stellen.“

[3] Ein deutscher Lagerkommandant in Katyn sagte, „dass die Schädlichkeit der Polen und ihre Minderwertigkeit geschichtlich erwiesen sei und dass darum die Verringerung der Bevölkerung Polens eine Düngung des Bodens sein und die Möglichkeit für die Erweiterung des deutschen Lebensraumes schaffen werde… Es seien überhaupt keine Intellektuellen mehr geblieben, weil man sie aufgehängt, erschossen oder in Lager gesperrt hat.“ (Zeugenaussage aus dem sowjetischen Untersuchungsbericht von Jänner 1944)

[4] Der deutsche General-Gouverneur Frank (1946 hingerichtet) sagte im Februar 1940 zu Journalisten: „In Prag waren z.B. große rote Plakate angeschlagen, auf denen zu lesen war, dass heute 7 Tschechen erschossen worden sind. Da sagte ich mir: Wenn ich für je 7 erschossene Polen ein Plakat aushängen lassen wollte, dann würden die Wälder Polens nicht ausreichen, das Papier herzustellen für solche Plakate.“

[5] Ähnliche Pläne bestanden für die Ukrainer, Ruthenen und andere Völker. Insgesamt ging das Naziregime nach einer Schätzung Himmlers davon aus, dass etwa 30 Millionen Slawen umgebracht und weitere viele Millionen nach Sibirien deportiert werden müssten, um den notwendigen Lebensraum für das „deutsche Volk“ zu schaffen. Zu dessen Besiedlung wurde übrigens sofort nach dem Einmarsch in Polen alles, was irgendwo an Deutsch(ab)stämmigen kreuchte und fleuchte, „heimgeholt“, z.B. in den sogenannten „Warthegau“ in Polen.

[6] Im speziellen ging es auch darum, die polnische Londoner Exilregierung unter Sikorski gegen die Sowjetunion auszuspielen. Das war nicht allzu schwer. Sikorski war General der alten faschistischen Armee und enger Pilsudski-Freund. Diese Regierung hatte immer das Bündnis mit Hitlerdeutschland gesucht und gegen die Sowjetunion gekämpft und hätte selbst nach 1939 Hitlerdeutschland gegenüber der Sowjetunion bevorzugt. Der „Kampf gegen den Kommunismus“ war ihre Mission. Nach dem „Münchner Abkommen“ von 1938 nützte sie die Gelegenheit, die Tschechoslowakei zu überfallen und ein Stück an sich zu reißen. Die Politik Hitlerdeutschlands machte allerdings alle Optionen in dieser Richtung hinfällig. Nach dem deutschen Überfall flüchtete die polnische Regierung nach London und verstärkte die Beziehungen mit Frankreich und England. Aber erst als die Pläne Nazideutschlands auf Auslöschung Polens nicht mehr zu übersehen waren und sie die polnischen Massen nicht mehr zurückhalten konnte, schloss sie 1941 widerwillig auch einen militärischen Bündnisvertrag mit der Sowjetunion, worauf die Sowjetunion alle polnischen Kriegsgefangenen und Internierten freiließ. 1943 glaubte Sikorski Goebbels oder glaubte ihm auch nicht, jedenfalls sprang er auf den Goebbels’schen Zug auf. Immerhin war die Niederlage Hitlerdeutschlands zu diesem Zeitpunkt besiegelt und für die polnische Exilregierung war „perspektivisch“ die Sowjetunion schon wieder zur größten „Bedrohung“ geworden. Die Sowjetunion brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen ab. Der als antisowjetischer Hetzer und Saboteur des polnischen Volkswiderstandes sogar für die westlichen Alliierten immer mehr zum Problem gewordene Sikorski starb im Juli 1943 bei einem angeblich von Churchill veranlassten Flugzeugabsturz bei Gibraltar. Die polnische „Volksarmee“, in der Kommunisten, Sozialisten, demokratische Elemente der Bauernpartei u.a.m. arbeiteten, hatte seit Mai 1942 im Bündnis mit der Roten Armee operiert. Im Jänner 1944 wurde in Lublin der „Polnische Volkskongress“ gegründet. Die sogenannte polnische „Heimatarmee“ dagegen war der militärische Arm der Londoner Exilregierung. Diese „Heimatarmee“, bestehend aus exilierten Polen, kämpfte vor allem in den Reihen der Alliierten an der Westfront, hatten aber auch Untergrundverbände in Polen. Die Londoner Exilregierung und die „Heimatarmee“ spielten in Polen selbst über weite Strecken eine zwielichtige Rolle im antifaschistischen Kampf (zuerst Ablehnung des Partisanenkriegs, „Gewehr bei Fuß“, nur Sabotageakte; ab November 1942 notgedrungen Aufnahme der Kämpfe, da man die sog. „Bauernmilizen“ nach Beginn der deutschen Aussiedlungspolitik nicht mehr halten konnte; Ablehnen aller Bemühungen der „Volksarmee“ um eine Einheitsfront oder auch nur Aktionseinheit; im Sommer 1943 Anzetteln bürgerkriegsähnlicher bewaffneter Kämpfe gegen die polnische „Volksarmee“ (!) und Gründung des „Antikommunistischen Komitees“; Anfang August 1944 die Wahnsinnstat des Warschauer Aufstands; nach dessen Niederschlagung durch die Hitlerfaschisten ab Herbst 1944 Einstellen der bewaffneten Kämpfe gegen die Nazis). Geleitet und getrieben waren die Londoner Exilregierung und das Kommando der „Heimatarmee“ nur von einem, nämlich die Sowjetunion zu bekämpfen. Auf operativer Ebene gab es indes sehr wohl auch Zusammenarbeit mit der Roten Armee (z.B. bei der Befreiung von Lublin oder Vilnius) und nach Gründung des „Lubliner Komitees“ traten einige Einheiten der „Heimatarmee“ – gegen die Londoner Exilregierung – diesem bei. 1945 brachen übrigens auch die USA, Großbritannien und Frankreich die diplomatischen Beziehungen zu dieser polnischen Exilregierung ab, nachdem deren „Kampf“ gegen die Sowjetunion zur lächerlichen Farce geworden war und sie ihnen nichts mehr nützen konnte.

[7] Soweit das nicht mehr vertuscht werden konnte, wurde von Goebbels behauptet bzw. als Antwort auf dieses „Problem“ in den Raum gestellt, dass Deutschland in den Jahren zuvor Munition an die baltischen Staaten geliefert hätte, die später der Sowjetunion in die Hände gefallen sei, welche sie – zur Täuschung – in Katyn verwendet hätte. Als sich das als Rohrkrepierer entpuppte, da Goebbels zuvor als Zeitpunkt des „bolschewistischen Massakers“ März 1940 angegeben hatte, während die Rote Armee erst 4 Monate später überhaupt in die baltischen Staaten eingerückt war, setzte Goebbels die Alternativvariante in die Welt, Deutschland hätte auch der Sowjetunion direkt Munition geliefert.

[8] Es gab in der Sowjetunion niemals Massenerschießungen, selbst nicht während des imperialistischen Aggressions- und Bürgerkriegs 1918-1920 oder während der bürgerkriegsähnlichen Zustände im Zug der Kollektivierung der Landwirtschaft 1930-34. Man kann sicher sein, dass sich die Solschenyzins usw. wie Besessene darauf gestürzt hätten, wenn es so etwas auch nur im Ansatz gegeben hätte.

[9] Dabei kommt es manchmal zu skurrilen Entgleisungen. So erklärte im April 2010, anlässlich des Treffens zwischen Putin und Tusk, die Leiterin der Katyner „Gedenkstätte“, dass es noch viele Tausende bisher nicht entdeckte Opfer geben müsse, denn über allen Gräbern seien damals zum Verbergen Fichten gepflanzt worden und es gebe, wie jeder sehen könne,  noch derart viele Fichten in der Umgebung….

[10] Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt bzw. die sich daran festmachende antisowjetische Hetze, übrigens genau derjenigen Kräfte, die sich damals mit Hitler gegen die Sowjetunion zusammentun wollten bzw. es teilweise, soweit deutsches Interesse bestand (z.B. „Münchner Abkommen“), auch taten, wären eine gesonderte Behandlung wert. Hier sei nur festgehalten, dass die Sowjetunion sich seit Jahren um das Zustandekommen eines Bündnisses gegen Nazideutschland bemüht hatte, aber vergeblich. England und Frankreich wollten Nazideutschland überhaupt nicht entgegentreten, sondern es vielmehr stärken und gegen die Sowjetunion lenken. Als alle sowjetischen Versuche definitiv gescheitert waren und ein deutscher Angriff auf die Sowjetunion immer drohender wurde, gewann die Sowjetunion durch diesen Vertrag Zeit für die eigenen Kriegsvorbereitungen. England und Frankreich waren ausgetrickst, die Sowjetunion aber gewann zwei Jahre Zeit. Der Vertrag war von Hitlerdeutschland vorgeschlagen worden, da man hier jedenfalls nicht in einen Zweifrontenkrieg verwickelt werden wollte und unschlüssig war, ob man ohne eine durch den „Westfeldzug“ erweiterte Wirtschaftsbasis den Angriff auf die Sowjetunion wagen konnte.

[11] Im Gegensatz zu dieser Lügerei findet man in der eigentlichen Militärliteratur (und natürlich auch in der deutschen Militaristenliteratur, die die „Ehre“ der deutschen Panzertruppen hoch hält und ihre Erfolge vor Warschau trommelt) meist eine realistischere Darstellung der Ereignisse. Z.B. in „The Tank Battle at Praga, July – September 1944“, wo diese „great forgotten tank battle“ als  “eine der härtesten der Ostfront während des gesamten Krieges“ bezeichnet wird.

[12] Zu diesen Tatsachen gehört z.B. auch die sehr aufschlussreiche Korrespondenz zwischen Stalin und Churchill zwischen 4. und 22.August, die die späteren antisowjetischen Lügen der polnischen Obristen klar als Lüge entlarvt.

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