DOKUMENT: Die Probleme der internationalen kommunistischen Bewegung

von Indra Mohan Sigdel ‚Basanta‘, UCPN(Maoist), Nepal

Die internationale kommunistische Bewegung, die als bewusste Bewegung nach dem Erscheinen des Kommunistischen Manifests im Jahr 1848 begann, besteht bis heute seit 162 Jahren. Verglichen mit der ungefähr 500 Jahre langen Geschichte des Kapitalismus ist das eine kurze Zeit. Aber trotz dieser kurzen Dauer hat die kommunistische Weltbewegung ungeheure Siege erzielt. Der Sieg der sozialistischen Revolution in Russland und die neudemokratische Revolution in China haben die imperialistische Weltordnung unmittelbar in ihren Grundfesten erschüttert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts triumphierte außerdem der Sozialismus in mehreren osteuropäischen Ländern und siegreiche neudemokratische Revolutionen entwickelten sich in einigen ostasiatischen Ländern. Tatsächlich setzte zu einem bestimmten Zeitpunkt das Proletariat auf einem Drittel der Erdoberfläche den Sozialismus um. Die proletarische Revolution hatte sich zur Haupttendenz der Weltpolitik entwickelt. Der Widerspruch zwischen Sozialismus und Kapitalismus hatte sich in einen der grundlegenden Widersprüche der Welt verwandelt. Diese Geschichte der internationalen kommunistischen Bewegung ist eine ruhmreiche Sache für das Proletariat.

Aber im Gegensatz zu dieser Tendenz stand die Konterrevolution in Russland 1956 und in China 1976. So haben wir eine Situation erreicht, wo das Weltproletariat keine Macht hat. Zweifellos hat das Proletariat wegen dieser Konterrevolutionen seine Macht verloren, aber die Revolutionen und Konterrevolutionen des 20. Jahrhunderts haben dem Proletariat viele Erfahrungen hinterlassen, sowohl positive als auch negative, um die Revolutionen im 21. Jahrhundert voranzutreiben. Diese Erfahrungen sind unschätzbare Werte für die kommunistischen Revolutionär/innen.

Angesichts des Rückfalls in weit verbreiteten Pessimismus nach den Konterrevolutionen in Russland und China, fiel der sowjetische Sozialimperialismus in offnen Kapitalismus zurück. Das war, wenig überraschend, eine günstige Zeit für die Verteidiger des Imperialismus, die  behaupteten, dass diese offensichtliche Degeneration des Revisionismus in nackten Kapitalismus den Zusammenbruch des Sozialismus darstelle – und so machten sie es auch. Die Verteidigung des Marxismus war im Zusammenhang mit lächerlichen Redensarten wie „der Sozialismus ist an seinen Fehlern gescheitert“, „der Marxismus ist fehlgeschlagen und daher ist der bürgerliche Parlamentarismus das einzig mögliche System“ zu einer Frage von größter Wichtigkeit für die Revolutionär/innen geworden.

Einer der Siege, die die Revolutionär/innen im ideologischen und politischen Kampf gegen die Verteidiger des Imperialismus und die Revisionisten zu jener Zeit erzielten, waren die Fortschritte im Volkskrieg in Peru und die Bildung der Revolutionären Internationalistischen Bewegung (RIM). Durch die Annahme des Marxismus-Leninismus-Maoismus als führende Ideologie durch die RIM im Jahr 1992 wurde nicht nur wieder einmal die Richtigkeit und Gültigkeit des Marxismus bestätigt, sondern damit wurde auch eine unbezwingbare ideologische Waffe für das Proletariat im 21. Jahrhundert geschaffen. Der Beginn und die Fortschritte im nepalesischen Volkskrieg und in der späteren Phase des Volkskriegs in Indien erzeugen revolutionäre Begeisterung unter den unterdrückten Klassen auf der ganzen Welt. Trotzdem konnte die kommunistische Weltbewegung bis heute nicht aus ihrem derzeitigen defensiven Zustand herauskommen und keinen Sprung vorwärts machen. Die dahinter steckenden Gründe sind vor allem ideologische und politische. Die Entwicklung der Bewegung beruht darauf, dass die Probleme erkannt und gelöst werden.

Es heißt, dass das Erkennen eines Problems schon die halbe Lösung ist. In diesem Sinn muss die  Überwindung der ideologischen und politischen Probleme in der internationalen kommunistischen Bewegung damit beginnen, sie kennen zu lernen. Die wichtigsten ideologischen und politischen Probleme, die die Entwicklung der Revolution im 21. Jahrhundert aufhalten sind folgende:

1. Der dialektische und historische Materialismus, die Philosophie des Marxismus, ist die wissenschaftlichste Ideologie, die die Arbeiter/innenklasse auf dem Weg zu ihrer eigenen Befreiung je erreicht hat. Diese entwickelt sich weiter, wenn sie im Klassenkampf, in der  materiellen Produktion oder im wissenschaftlichen Experiment angewendet wird. Aufgrund genau dieses Prozesses entwickelte sich der Marxismus in den Marxismus-Leninismus und schließlich in den Marxismus-Leninismus-Maoismus. Ohne sich auch ideologisch weiter zu entwickeln kann keine Revolution in irgendeinem Land Fortschritte machen. Aber zwei Strömungen haben immer Hindernisse bei der Entwicklung der Ideologie bereitet. Die rechte revisionistische Strömung setzt sich für die Entwicklung der Ideologie ein, aber im Namen der Kreativität weicht sie von den grundlegenden Prinzipien des Marxismus ab. Das dogmatische Sektierertum betont die Notwendigkeit, die Ideologie zu verteidigen, aber mangelnde Kreativität hält die Entwicklung auf. Diese beiden Strömungen sind eine ernste Gefahr in der gegenwärtigen kommunistischen Bewegung, aber in der derzeitigen Situation stellt der rechte Revisionismus die Hauptgefahr dar. In der internationalen kommunistischen Bewegung gibt es keine angemessene Betonung des Kampfs hauptsächlich gegen den rechten Revisionismus, die Wichtigkeit der Ideologie und die Notwendigkeit, diese weiter zu entwickeln.

2. Der Marxismus-Leninismus-Maoismus ist ein umfassendes Ganzes. Er ist nicht eine arithmetische Gesamtsumme der ideologischen, politischen und militärischen Beiträge von Marx, Lenin und Mao. Aber es gibt in der internationalen kommunistischen Bewegung eine Tendenz, ihn eher als eine arithmetische Gesamtsumme verschiedener Lehren zu verstehen als ein umfassendes Ganzes. Sogar marxistisch-leninistisch-maoistische Parteien aus unterdrückten Ländern mit halbfeudalen und halbkolonialen Bedingungen machen den Eindruck, dass sie die neudemokratische Revolution einzig als einen Beitrag von Mao auffassen. Ebenso scheinen jene aus kapitalistischen Ländern auch heute noch die Probleme im Zusammenhang mit der sozialistischen Revolution einfach mit Lenin und dem Leninismus lösen zu wollen. Dieser Zustand ergibt sich aus einem Verständnis des Maoismus als Philosophie der Dritte-Welt-Revolution, die auf Länder anwendbar ist, die vom Imperialismus unterdrückt werden, und des Leninismus, der auf die kapitalistischen Länder anwendbar sei. Das ist ein Ergebnis der Unfähigkeit der Kommunist/innen die Tatsache zu begreifen, dass in der heutigen Zeit niemand Marxist/in-Leninist/in sein kann ohne auch Maoist/in zu werden.

3. Revolutionäre Modelle, die in bestimmten Ländern verwendet wurden, können nicht einfach in einem anderen nachgemacht werden. Aber in der heutigen kommunistischen Bewegung gibt es zwei Strömungen: Erstens denken Revolutionär/innen in unterdrückten Ländern nur innerhalb der Perspektive des langdauernden Volkskriegs and zweitens sehen die Revolutionär/innen in den entwickelten Ländern die Möglichkeit der Revolution einzig in der Perspektive des russischen Aufstandsmodells. Das ist politischer Ausdruck des vorher genannten zweiten ideologischen Problems. Nach dem Erfolg der chinesischen Revolution haben langdauernde Volkskriege, die in verschiedenen Ländern geführt wurden, erfolgreich das Stadium des strategischen Gleichgewichts erreicht, aber sie haben schwere Rückschläge erlitten, als sie sich für den Übergang in die strategische Offensive vorbereiteten. Die Kommunist/innen in den kapitalistischen Ländern bringen das Argument vor, dass derzeit keine revolutionäre Situation wie damals in Russland besteht. Aber anstatt sich zu bemühen, neue Wege zu finden, um mit dieser Situation in beiden Arten von Ländern fertig zu werden, scheinen sie Lösungen in den bestehenden Modellen zu suchen. Das ist ein Problem eines mechanisch-materialistischen Verständnisses der Revolutionsmodelle. Das errichtet Barrieren vor einer kreativen Anwendung von Strategie und Taktik jedes der Modelle in der besonderen Situation und den Notwendigkeiten einer bestimmten Revolution.

4. Die Theorie leitet die Praxis an und die Praxis bereichert die Theorie, aber die Praxis ist die Mutter der Theorie. Es gibt eine dialektische Beziehung zwischen ihnen. Wenn eine Theorie in der Praxis angewendet wird, bringt sie Erfahrungen hervor, sowohl positive als auch negative. Nur die korrekte Synthese der Erfahrungen bereichert die Theorie. Aber zwei Strömungen wurden in diesem Zusammenhang zu Hindernissen. Die erste Strömung ist die der Sponanität, die behauptet, dass die Praxis automatisch die Theorie entwickle. Die zweite ist die buchgläubige Strömung, in der sich jemand in unendliche Studien zur „Entwicklung“ der Theorie verliert und dabei mit der Ausrede daherkommt, dass ohne Entwicklung der Theorie keine Praxis ausgeführt werden könne. Diese beiden Strömungen bilden große Hürden für die Entwicklung der internationalen kommunistischen Bewegung.

5. Fast ein Jahrhundert ist seit dem Erfolg der russischen Revolution vergangen. Die Globalisierungs-, Privatisierungs- und Liberalisierungspolitik, die vom Kapitalismus durchgeführt wurde, hat zusammen mit strukturellen Anpassungsprogrammen zu zahlreichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen sowohl in den imperialistischen als auch in den unterdrückten Ländern geführt. Die wachsende Urbanisierung, die Entwicklung von bürokratischem und Kompradoren-Kapitalismus, die Revolution der Informationstechnologie und der ausgedehnten Transport-Verbindungen sogar in den unterdrückten Ländern haben auch zu beträchtlichen Veränderungen der alten gesellschaftlichen Klassenstruktur geführt. Ohne die Taktik diesen Veränderungen der Situation entsprechend anzupassen, kann der revolutionäre Klassenkampf nicht voranschreiten. Der kommunistischen Weltbewegung ist es  nicht gelungen, in Schwung zu kommen, weil sie unfähig ist, eine Taktik zu entwickeln, die auf einer konkreten Analyse der konkreten Bedingungen beruht.

6. Die Strategie ist verbunden mit dem Programm für die Revolution und entscheidet die Richtung, die die Bewegung einschlagen muss. Um die Ziele einer festgelegten Strategie zu erreichen, werden Taktiken angewendet und jede Taktik muss der genannten Strategie dienen. Die Taktik hat vorwärtstreibenden Charakter und gilt für eine kurze Zeitspanne. Es besteht ein dialektisches Verhältnis zwischen Taktik und Strategie. Aber in der kommunistischen Bewegung gibt es ernste Probleme beim Verständnis und bei der Entwicklung einer passenden Taktik. Wenn jemand keine Taktik entwickelt, tritt die Strategie an ihre Stelle und die Aufgaben der Revolutionär/innen werden zu einer unendlichen Wiederholung der Strategie selbst. Wenn die Taktik falsch ist, geht der Weg zur Erreichung einer Strategie unterwegs verloren, was zu rechtem Revisionismus führt. Diese Probleme haben der Entwicklung der Revolution schweren Schaden zugefügt.

7. Nachdem die grundlegende Theorie aufgegriffen wurde, sollte sie kreativ in die Praxis umgesetzt werden. Die Grundlage für Kreativität bleibt das Lernen durch Handeln, nicht das Handeln durch Lernen. Da gibt es zwei Probleme: 1. grundlegende Prinzipien im Namen von Kreativität zu verlassen und 2. sich aus Angst vor Fehlern auf eine mechanische Nachahmung zu beschränken. Dieses Problem taucht bei solchen Revolutionär/innen auf, die den dialektischen und historischen Materialismus verbal anerkennen, aber kein tiefgehendes Verständnis davon haben.

8. In einer Gesellschaft, die auf Klassen beruht gibt es ein Netz von Widersprüchen, von denen einer der hauptsächliche ist. Eine richtige marxistische Politik besteht darin, den Hauptfeind zu isolieren und die zweitrangigen Feinde zu zeitweiligen Verbündeten zu machen oder, wenn das nicht geht, sie zu neutralisieren. Wenn alle Feinde gleichzeitig angegriffen werden, wird das Lager des Feindes stärker, und das schwächt das revolutionäre Lager. Eine Forderung oder ein Aufruf werden nicht genügen, sondern es ist vielmehr die Politik der kommunistischen Partei, die Widersprüche bei den Feinden erzeugen muss. Und nur dann kann die Möglichkeit entstehen, dass Widersprüche unter den Feinden ausgenützt werden können. Das Unvermögen von Revolutionär/innen, Widersprüche unter den Feinden festzustellen und ihre Unfähigkeit sie auszunützen, bremst den Schritt der Revolution.

9. Ein richtiges und revolutionäres Herangehen sucht nach Fragen, zu denen Einheit mit allen zeitweiligen Verbündeten hergestellt werden kann, die ihre eigenen Widersprüche mit dem Hauptfeind haben, und geht den Weg der Einheit bis zum weitest möglichen Punkt. Aber die Art, wie Kommunist/innen zuerst drauf schauen, Punkte zu finden, wo es Differenzen gibt und dann erst die, wo es Einheit unter Verbündeten gibt, hat zu riesigen Verlusten in der heutigen kommunistischen Bewegung geführt. Das ist ein Problem, das auftaucht, wenn jemand nicht das dialektische Prinzip verstanden hat, dass die Einheit der Gegensätze relativ, möglich und zeitgebunden ist und der Kampf absolut ist. Um die gegenseitige Zusammenarbeit unter Kommunist/innen auszudehnen, sollte die Praxis so sein: Betonung der positiven Seiten und Aufmerksamkeit gegenüber den negativen Seiten, aber das genaue Gegenteil ist bis jetzt Realität.

10. Der Marxismus ist eine Wissenschaft, aber Wissenschaft ohne Kunst bringt keine Revolution hervor. Es gibt ein dialektisches Verhältnis zwischen Wissenschaft und Kunst. Dabei ist die Wissenschaft die Hauptseite. Die Wissenschaft bringt nur dann positive Ergebnisse, wenn sie kunstvoll angewendet wird. Der Fehler, die Wissenschaft zu vergessen, wenn versucht wird die Kunst zu verstehen und umgekehrt hat in der kommunistischen Bewegung dazu geführt, dass  sie Unfähig ist, wieder in Schwung zu kommen.

Insgesamt hängen alle Probleme der kommunistischen Weltbewegung, einschließlich der vorher erwähnten hauptsächlich mit dem Verständnis des  Marxismus-Leninismus-Maoismus, mit seiner kreativen Anwendung und seiner Entwicklung zusammen. Ohne den Marxismus zu verstehen kann er nicht korrekt angewendet werden, und ohne korrekte Anwendung entwickelt er sich nicht weiter. Wenn er sich nicht weiterentwickelt, kann er auch nicht verteidigt werden. Der Marxismus, der sich ständig weiterentwickelt, ist ein unbegrenzter Vorrat von Wissen. In der internationalen kommunistischen Bewegung gibt es eine dominierende Strömung, die den Marxismus teilweise versteht, während sie behauptet, dass ihr Verständnis vollständig und korrekt sei, und gleichzeitig behauptet, dass das Verständnis der anderen unvollständig und falsch sei. Das hat Hindernisse für die Entwicklung der ideologischen Einheit unter den kommunistischen Revolutionär/innen hervorgebracht, und auch für die Verteidigung, Anwendung und Weiterentwicklung des Marxismus. Der Grund für die derzeitige Unfähigkeit der kommunistischen Bewegung, das Herzstück des Kommunistischen Manifests, „Arbeiter/innen aller  Länder, vereinigt euch“  in die Praxis umzusetzen, sollte in dieser Strömung festgestellt werden.

Unsere Partei betont die Weiterentwicklung der Revolution und der Ideologie. Aber einige der Taktiken, die wir im Lauf der Entwicklung unserer Revolution angenommen haben, bleiben in der internationalen kommunistischen Bewegung umstritten. Das ist nicht seltsam. Insbesondere nachdem wir Friedensgespräche begonnen haben, sind die Meinungen einiger geschwisterlicher Parteien in offenen Briefen veröffentlicht worden. Nicht alle diese Kritiken, die erhoben wurden sind falsch, tatsächlich sind einige von ihnen richtig. Es war nicht falsch, in der Taktik der demokratischen Republik die Gefahr des Rechtsrevisionismus zu spüren. In unserem Zusammenhang war die Taktik jedoch korrekt und wurde erfolgreich vollendet, nachdem von der Verfassungsgebenden Versammlung die Republik erklärt wurde. Die gegenwärtige Taktik ist die Föderative Volksrepublik. Wir denken, das die ideologische Basis, von der aus wir kritisiert werden, nicht ausreicht um den Herausforderungen zu widerstehen, der die Revolution jetzt gegenübersteht. Die Revolution geht nicht in gerader Linie weiter. Unsere Partei betont, dass der  ideologische Kampf gegen Rechtsrevisionismus und Linkssektierertum innerhalb und außerhalb der Partei richtig geführt werden muss. In diesem Prozess geht die Revolution in unserm Land voran und die Entwicklung der Weltrevolution kann sich darin nicht unterscheiden.

Die gegenwärtige kommunistische Bewegung befindet sich in einer Defensivsituation. Aber das Wesen der heutigen Defensivsituation unterscheidet sich von der im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Die Synthese des Maoismus, die Entwicklung des antiimperialistischen Kampfes auf der Welt, die Ausdehnung der maoistischen Bewegung in Indien, Philippinen und anderen Ländern und die Möglichkeit des Sieges der neudemokratischen Revolution in Nepal haben auf der ganzen Welt Begeisterung hervorgerufen. Das ist sehr positiv für die proletarische Revolution.

Gegenwärtig wird die Weltlage allmählich günstiger für die Revolution. Der US-Imperialismus, der sich für den Führer einer unipolaren Welt hielt, ist jetzt zum Epizentrum einer andauernden Wirtschaftskrise geworden. Die Wirtschaftskrise, die von Amerika ausging, hat jetzt die ganze Welt erfasst, und es sind keine Anzeichen einer Erholung am Horizont zu sehen. Alle grundlegenden Widersprüche auf der ganzen Welt werden sich verschärfen, darunter der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, die zwischenimperialistische Widersprüche und der gegenwärtige Hauptwiderspruch auf der Welt zwischen Imperialismus und unterdrückten Nationen und Völkern. Der Imperialismus, der sich bis jetzt auf einzelne verstreute Kriege und die Rüstungsindustrie gründete, kann sich nicht mehr dadurch erhalten, dass sie einfach fortgesetzt werden. Um sich vor dem Ruin zu bewahren, muss er die Ausbeutung der Dritten Welt weiter verstärken und völkermörderische Kriege führen, wofür er mehr Zerstörungswaffen produziert. Als Folge davon werden sich die Widersprüche weiter verschärfen. Dass zeigt, dass sich die Welt in eine Richtung bewegt, wo die Situation reif für die Revolution wird. Das ist eine große Gelegenheit für das Weltproletariat und ebenso eine große Herausforderung.

Obwohl die Weltlage zunehmend günstiger für die Revolution wird, bleiben die subjektiven Kräfte der kommunistischen Revolutionär/innen äußerst schwach. Auch die Parteien, die behaupten maoistisch zu sein, schauen in alle vier Himmelsrichtungen. Gegenwärtig ist die prinzipienfeste proletarische internationalistische Einheit sehr schwach. Die CoRIM, die ursprünglich nach der Gründung einige wichtige ideologische und organisatorische Arbeiten ausführte, ist heute nicht sehr aktiv. Um in der sich günstig entwickelnden Situation ideologische und materielle Stärke zu gewinnen, müssen die revolutionären Kommunist/innen daher folgende Aufgaben anpacken:

Erstens sollte der ideologische und politische Kampf planmäßig unter den kommunistischen Parteien ausgeführt werden, die den Marxismus-Leninismus-Maoismus als führende Ideologie anwenden. Darüber hinaus ist es notwendig, den ideologischen Kampf mit anderen kommunistischen Parteien zu entwickeln, die die Mao-Ideen in umfassendem Sinn akzeptieren und der Großen Proletarischen Kulturrevolution zustimmen. Diese beiden Kräfte sind strategische Partner. Der ideologische Kampf unter diesen Kräften – als strategische Partner – sollte auf der Zusammenfassung aller positiven und negativen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts beruhen, eine gemeinsame internationale Taktik für die Revolution im 21. Jahrhundert entwickeln, interne Debatten und Diskussionen einschließen, um die Probleme innerhalb der kommunistischen Bewegung möglichst zu verringern, und eine neue Art von Internationale aufbauen.

Zweitens sollten kameradschaftliche Beziehungen unter jenen kommunistischen Parteien entwickelt werden, die sich selbst als pro-Mao verstehen, aber der Kulturrevolution nicht zustimmen, und auch mit denen, die den Mao-Ideen nicht zustimmen, aber den Marxismus-Leninismus anwenden. Zusätzlich dazu ist es notwendig, freundschaftliche Beziehungen mit jenen nationalen Befreiungsbewegungen aufzubauen, die für das Recht auf Selbstbestimmung gegen national-chauvinistische Kräfte kämpfen. Diese zwei Arten von Kräften sind taktisch gesehen antiimperialistische Verbündete. Die Beziehungen zu diesen Kräften sollen mit dem Ziel entwickelt werden, eine internationale antiimperialistische Front aufzubauen, um der imperialistischen Unterdrückung und Einmischung, der inneren kolonialen Unterdrückung entgegenzutreten und ebenso zur Unterstützung des gerechten Kampfs der Massen die Stimme zu erheben.

Schließlich steht trotz aller ernsten Herausforderungen der Revolution eine helle Zukunft bevor. Aber in der gegenwärtigen besonderen Situation der imperialistischen Ära ist die Frage der Entwicklung oder gar der Verteidigung der Revolution in jedem Land schwieriger als früher und ist direkt verbunden mit der Entwicklung und Ausdehnung der kommunistischen Weltbewegung und der antiimperialistischen Kämpfe. Die unmittelbaren Aufgaben für die kommunistischen Parteien, die sicherstellen, dass die kommunistischen Revolutionär/innen die Weltrevolution vorantreiben können, sind: der Aufbau von Parteien, wo es keine gibt, der Beginn und die Entwicklung von Revolutionen, wo Parteien bestehen, der Versuch der Machtergreifung, wo sich Revolutionen entwickelt haben, und gleichzeitig die ununterbrochene harte Arbeit, um eine starke strategische Einheit unter den revolutionären und eine taktische Einheit mit den antiimperialistischen Kräften zu entwickeln. Setzen wir uns alle dafür ein.

20. April 2010

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in: I.M. Sigdel ‚Basanta‘: Imperialism and Proletarian Revolution in the 21st Century; Internationales Büro der UCPN(Maoist), Kathmandu (Nepal) 2010 – Übersetzung IA*RKP (Österreich), iarkp.wordpress.com

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Anmerkung: Wir dokumentieren diesen Text der UCPN(M) und stellen ihn zur Diskussion. Die Positionen der IA.RKP zu mehreren der angeschnittenen Punkte sind z.B., in den Erklärungen „Revolutionärer Kommunismus“ und „Antimaoismus bedeutet Antikommunismus“ (PR 44/2011) dargelegt.

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