Weg mit der kapitalistischen Klassen-Medizin!

Eine wirkliche Gesundheitsversorgung für die Arbeiter/innenklassekann ohne proletarische Revolution nicht erreicht werden!

Das ganze Gesundheitssystem ist heute krank.

Wenn wir die Entwicklung der letzten 50 Jahre verfolgen, sehen wir dass die Gesund­heitsversorgung heute deutlich schlechter ist als um 1975. Besonders wenn wir uns die Qualität und die Kosten der Krankenkassen-Versorgung der brei­ten Masse der Arbei­ter/innen und kleinen Ange­stellten anschau­en, wird deutlich, dass einerseits die Gebüh­ren drastisch zugenommen haben (Kran­ken­ver­sicherungsbeitrag, Selbstbehalte, Rezept­ge­bühren,…), andererseits aber die durch­schnittliche Qualität der medizinischen Ver­sor­gung (Betreuung durch Ärzte/innen und Kran­ken­pfleger/innen, Bezahlung von Be­hel­fen wie Brillen, Zahnkronen usw.) stark ge­sun­ken ist.

Das ist natürlich nicht die Schuld des medizi­ni­schen Personals, den „kleinen“ Stations­ärzten und Krankenpfleger/innen – bei de­nen ist die Arbeitshetze sogar deutlich gestie­gen und sie müssen sich heute sogar noch mehr abstrudeln als früher. Es ist eine Frage der staat­lichen Organisierung des Volks­gesund­heits­wesens im Kapitalismus.

Ärzt/innen, die sich dem System der Patienten­selektion widersetzen und ihr Fachwissen offensiv den Patient/innen en zur Verfügung stellen, funktionieren nicht im Sinne des Kapitals. Aus diesem Grund wird alles versucht, sie aus dem Stand der Ärzteschaft zu entfernen. Zuerst werden sie über die Medien­öffentlichkeit unmöglich gemacht, dann kommen Gerichtsverfahren und Bestechungs­ver­suche, wenn das alles nichts hilft, die Psychiatrie. Konkrete Bei­spiele dafür sind Werner Vogt vom Wiener Unfall­krankenhaus in früheren Jahren oder Wolfgang und Ursel Huber aus Heidelberg.

Heute gilt in Österreich inzwischen – wie in vielen anderen Ländern der EU: Bist du kein/e Privatpatient/in und zahlst du nichts drauf (bar oder über selbst­finanzierte Zusatzversicherung), dann wirst du wie der letzte Dreck behandelt, bestenfalls am Fließband. Sowohl beim Doktor als auch im Krankenhaus.

Heute schon ist es so, dass Ärzt/innen eine Jahres­abrech­nung über ihre Verschreibungen (Medika­mente, Verbandsmaterial usw.) des letzten Jahres bekom­men. Darin wird festgehalten, ob sie unter oder über den vorgesehenen Kosten pro Patient/in liegen. Wenn sie billiger waren kriegen sie Bonuspunkt, wenn sie mehr Ausgaben als vorgesehen pro Patient/in verrechnet haben, gibt’s Maluspunkte.

Bei der Bewilligung, ob ein/e Patient/in 30 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus eine weitere Bewilligung für eine mobile Hauskrankenpflege zu­gesprochen bekommt, läuft es so ab: Der Chefarzt der Gebietskrankenkassa am Wienerberg schaut sich nicht die Patient/innen an, sondern standardmäßig die Fotos der Wunde und entscheidet ohne Studium des Pflegschaftsberichts, ob z.B. ein professionel­les Wechseln des Verbandes durch eine/n diplomierte/n Krankenpfleger/in notwendig ist oder nicht. Der Chefarzt schaut sich weder die Wunde noch die medizinische Dokumentation des Patienten an, weil das würde zu viel Zeit dauern; es sind aber pro Pa­tient/in nur maximal 2 Minuten zur Beurteilung vor­gesehen. Fließbandabfertigung im übelsten Sinn!

Besonders krass zeigen sich die Probleme des der­zeitigen österreichischen „Krankenversorgungs­wesens“ am Beispiel des größten Krankenhauses in Österreich, dem Wiener AKH:

Überall wird gespart: beim Essen für die Patienten ebenso wie beim Verbandmaterial (z.B. Silber­ver­bands­präparate für offene Wunden, das desin­fizie­rend wirkt und nicht mit der Wunde ver­klebt).

Schon jetzt sind die Nachtdienste in vielen Kranken­häusern – nicht nur im AKH – unterbesetzt; das zeigt sich vor allem in Nächten mit vielen Notfällen. Jetzt sollen im AKH weitere Posten eingespart werden.

Für jeden seriösen Arzt ist es unmöglich, dass gleich­zeitig die Ambulanz und der Operationssaal betreut werden – aber sie werden über die Knebelverträge u.a. im AKH dazu gezwungen.

Ähnliche Situationen gibt es bei den Krankenträ­ger/innen, die zu manchen Zeiten praktisch ohne Pause stundenlang durcharbeiten müssen.

Im AKH gibt es schon heute einen derartigen Perso­nal­notstand, dass viele Beschäftigte kaum Urlaub ma­chen können und ihr Urlaubsanspruch verfällt.

Für die Zukunft ist bereits geplant, dass weiter diplo­miertes Pflegepersonal eingespart werden soll und stattdessen mehr Pflegehilfskräfte eingesetzt werden sollen. Zunehmend sollen die Diplomkranken­pfle­ger/innen nur noch zu Pflegevisiten einsetzt werden – die tägliche Patientenversorgung soll dann durch an­ge­lernte Hilfskräfte erledigt werden.

Weitere Probleme gibt es durch die unzureichende Schutz­kleidung für Pflegepersonal, Träger und Reini­gungspersonal besonders auf den Infektionsabtei­lun­gen – natürlich aus Kostengründen.

Aber noch einmal: Dass eine überlastete Kranken­schwester 40 Patient/innen zugleich betreuen muss, ist nicht ihre Schuld. Dass bei überlasteten Kassen­ärzten die Kranken bis ins Stiegenhaus Schlage stehen müssen, ist nicht deren Schuld. Dass du als Normalpatient wochenlang auf einen Operations­termin warten musst, ist nicht Schuld des Ärzteteams der Abteilung.

Schuld an den immer krasseren Missständen im all­ge­meinen „Gesundheitswesen“ ist das kapita­lis­tische Ausbeutersystem!

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der Zeit der Hochblüte des Imperialismus und Neokolonialismus, wurde das Gesundheitswesen in den imperialis­ti­schen Metropolen (wie Österreich) für breite Teile der Volksmassen immer weiter verbessert. Es war die Zeit des großen Aufschwungs nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs. Die Kapitalisten hatten einen Mangel an gesunden Arbeitskräften, und der groß­zügige Ausbau der Gesundheitsversorgung für die Massen (Ausbau der Krankenhäuser, Wegfall der sogenannten „Selbstbehalte“, flächendeckende Vor­sorgeuntersuchungen usw.) hat vor allem dazu ge­dient, eine gesunde und gut ausbeutbare Arbei­ter/in­nen­klasse bereitzustellen.

Mit dem krisenhaften Umschwung Mitte der 1980er Jahre hatten die Kapitalisten dann immer weniger Bedarf an frischen Arbeitskräften, die Arbeitslosen­zahlen stiegen – und eine Krankenversorgung auf immer niedrigerem Niveau (für die breiten Massen der Arbeiter/innenklasse) wurde Teil der staatlichen Politik des allgemeinen Sozialabbaus. Wozu mehr als unbedingt notwendig für die Krankenversor­gung ausgeben? Es gibt ohnehin zu viele über­schüssige arbeitslose Menschen, die noch dazu viel zu lange leben, obwohl sie nicht mehr aus­beutbar sind! So denken die Ideologen des Kapitals und die Massen­medien schreiben: Die Krankenhäuser kosten zu viel! Die Krankenkassa ist dauernd im Defizit! usw. Aber klassenbewusste Arbei­ter/innen fragen: Was gibt es wichtigeres als Gesundheit? und kritisieren die Zwei-Klassen-Gesundheitsversorgung: Wer Geld hat, kann sich eine Spitzenversorgung kaufen – aber die von einem Durchschnittslohn oder darunter leben müssen, können schauen wo sie bleiben….

Im kapitalistischen Ausbeutersystem, wo die Herren der Banken und Konzerne die Politik bestimmen, können Verbesserungen im Volks­gesundheitswesen nur vorübergehend durchgesetzt werden – z.B. in Phasen des Wirtschaftsauf­schwungs (d.h. hoher Profite für die Kapitalisten), wo ein Arbeits­kräfte­mangel die Positionen der Arbeiter/innenklasse ge­gen­über der Kapitalistenklasse stärkt.

Erst wenn die Arbeiter/innenklasse die politische Macht erobert hat, wenn die Arbeiter/innen und kleinen Angestellten die gesellschaftlichen Angele­gen­heiten in ihrem Interesse regeln, dann ist auch eine wirklich umfassende Gesundheits­versor­gung für alle Teile der Arbeiter/innenklasse und des Volkes mög­lich. Weil dann entscheiden nicht die Profitinter­essen des Kapitals auch über das Gesund­heits­wesen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine proletarische Revolution und der Sturz der Kapitalistenklasse – sonst wird das Kapital immer sein Interesse gegen das der großen Mehrheit der Bevölkerung durch­setzen.

Wer nicht will, dass das Gesundheitswesen bei uns so wird wie in den USA, wer nicht will, dass die Versor­gung der Kranken, Behinderten usw. eine Frage des Einkommens, der Ersparnisse und der Privatversi­che­rung ist, muss heute schon am revolu­tio­nären Kampf für die sozialistische Revolution teilnehmen. Eine Strategie der zwei Stufen – heute für Verteidigung des Bestehenden, morgen dann für eine bessere Gesellschaft – ist der falsche Weg. Damit können wir we­der die besseren Zustände von vorher wiederher­stellen noch insgesamt weiter kommen.

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IA*RKP in Zusammenarbeit mit SPK/PF (Sozia­listisches Patientenkollektiv/Patient/innenfront Österreich), spkpfoe@geomix.at

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