Mietwucher, Spekulation und Wohnungsnot:

Eine wirkliche Lösung der Wohnungsprobleme im Sinne der Arbeiter/innenklasse ist im Kapitalismus unmöglich

 Arbeiter/innen aller Länder, vereinigt euch!   Arbeiter/innen aller Länder und unterdrückte Völker, vereinigt euch!  21.Juli 2012 (142 npc)

 

Wohnen ist ein unverzichtbares Be­dürfnis jedes Menschen, genauso wie Essen, Trinken, Kleidung, Erholung und Freizeit. Die Wohnungskosten zählen zu den größten Ausgaben, die jede/r von uns hat. Dass Wohnen zu­neh­mend unerschwinglicher wird, weiß jede/r aus eigener Erfahrung. Trotzdem lässt sich bei der Wohnung extrem schwer sparen.

Wohnen ist zugleich eine notwendige Voraussetzung, um (lohn)arbeiten zu können. Wer obdachlos ist oder in einer extrem miesen Unterkunft lebt, kann sich nur schwer für die heutigen Ansprüche der Kapitalisten arbeitsfähig erhalten.

Auch die herrschende Klasse in indus­triell hochentwickelten Ländern wie Ös­terreich hat ein gewisses Interesse an halbwegs ausreichenden Wohnungen. So waren die Wiener Gemeindebauten der 1920er Jahre auch ein Zugeständnis an die kämpferische Arbeiter/innenklasse, um sie von der Revolution abzuhalten. Aber im Kapitalismus wird die Wohnung immer eine Ware sein, die den Arbei­ter/innen einen großen Teil vom Lohn wegfrisst und den Ausbeutern zu Profi­ten verhilft.

 

Das bestehende Gesellschaftssystem, der Kapita­lis­mus kennt keine wirkliche Bedürfnisbe­friedi­gung der Arbeiter/innenklasse. Alles wird nur er­zeugt und angeboten, um Profit zu machen. Wenn eine Wohnung mit Profit vermietet werden kann, wird sie am Markt angeboten, sonst lässt sie der Haus­besitzer oft leer stehen. Es gibt genug Wohnraum: Allein in Wien stehen zehntausende Wohnungen leer, während zehntausende Menschen obdachlos sind – bei Bekannten, in Abbruchhäu­sern, Toiletten, U-Bahnanlagen, Kanälen die Näch­te verbringen.

Es wird uns eingeredet, die Obdachlosen seien selbst schuld an ihrem Schicksal; aber es sind die kapitalistischen Verhältnisse und ihre Auswirkun­gen, die jeden von uns auf die Straße werfen kön­nen: Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Vereinsa­mung, Alkoholismus und psychisches Elend.

Wir Lohnarbeiter/innen, die eine Großteil aller Warenwerte in dieser Gesellschaft erzeugen, er­halten als Lohn im Wesentlichen nur so viel, wie wir zum Leben brauchen, den anderen Teil der erzeugten Werte streicht der Besitzer der Produk­tionsmittel, der Kapitalist, als Mehrwert ein. Kaum

Der offizielle „Armutsbericht“ der Statistik Austria fasst die Unzufriedenheit mit der Wohnungssituation so zusammen:

6% der Gesamtbevölkerung oder 456.000 Menschen kla­gen demnach über „Überbelag“,

7% oder 571.000 über Lichtmangel („dunkle Räume“),

9% oder 772.000 Luft-, Umweltverschmutzung,

15% oder 1.225.000 über Feuchtigkeit, Schimmel,

21% oder 1.753.000 über Lärm und immerhin

1% oder 115.000 haben kein eigenes Bad/WC.

 

Die Probleme der „niedriger Einkommensgruppe“ (das sind die 12% oder 1.004.000 Menschen unter der „Ar­muts­gefähr­dungsschwelle“ von 1.030 Euro pro Monat) sind im Ver­gleich mit der „hohen Einkommensgruppe“ (das sind die knapp 10% oder 794.000 Menschen, die mehr als das Drei­fache dieser „Armutsgefährdungsschwelle“ verdienen, also  mindestens 5.150 € pro Monat) noch deutlicher:

In der „niedrigen Einkommensgruppe“ klagen

30% über Lärm (gegenüber 16% in der „hohen Ein­kom­mens­gruppe“),

24% über Feuchtigkeit und Schimmel (10% in der „hohen Einkommensgruppe“) und

16% über Überbelag (den es in der „hohen Einkommens­gruppe“ überhaupt nicht gibt).

 

Die objektiven Bedingungen für die Entfaltung von Woh­nungskämpfen durch Mobilisierung und unter Einbeziehung breiter Teile der proletarischen Massen sind also durchaus vor­­handen. Wenn bürgerliche Mei­nungsforscher behaupten, dass „der Leidensdruck wohl noch nicht groß genug“ sei (z.B. Filzmaier im Falter 16/12), be­schö­nigen sie die mi­serablen Zustände im heutigen impe­rialistischen Österreich. Woran es den proletarischen Mas­sen fehlt, ist das Selbst­bewusstsein zum Kampf, die Zuver­sicht in radikale Ver­än­de­rungs­möglichkeiten und vor allem die sozialistische Per­spektive.

ist der Monatslohn ausgezahlt, verlangt schon ein

anderes Mitglied der Kapitalistenklasse, der Haus­besitzer, seinen Tribut. So zahlt die Arbeiter/in­nenklasse Monat für Monat für die Benutzung je­ner Häuser, die sie selbst gebaut hat.

Vielfach wird uns durch Mietwucher, horrende Ab­lösen, sogenannte Provisionen, Kautionen und son­stige Spekulationen ein weiteres Mal Geld aus der Tasche gezogen. Auch eine Eigentumswohnung ist kein Ausweg, weil sie zu jahrzehntelanger Vers­chul­dung führt; außerdem wird damit das Klas­senbewusstsein untergraben. Häuselbauer können an überhaupt nichts anderes mehr denken, als an ihre Hütte.

Erfreulicherweise wehren sich immer wieder Be­troffene gegen Delogierungen, Mieterhöhungen usw. und besetzen leerstehende Wohnungen. Doch viel zu selten wird den Häuserkapitalisten militant entgegengetreten und werden kämpferische Mie­ter/innen-Zusammenschlüsse organisiert.

Es ist höchste Zeit, dass wir der Kapitalistenklasse unsere Rechnung präsentieren!

Um das kapitalistische Wohnungselend zu been­den, genügt es nicht, gegen Hausherrenwillkür, Mie­tenterror und für Mietrechtsänderungen zu kämpfen, die wieder nichts Entscheidendes an der Lage der Arbeiter/innen verändern. Die Wohnung ist ein Grundbedürfnis und darf keine Ware mehr sein! Um das zu erreichen, muss die Macht des Ka­pitals und seines Staatsapparats gebrochen wer­den. Die Arbeiter/innenklasse muss ihre eigene Klas­senherrschaft errichten, alle Wohnungen aus den Händen der Kapitalisten in ihre Verwaltung übernehmen und über selbstverwaltete Wohnungs­ämter unbürokratisch an Wohnungssuchende ver­teilen. Im Sozialismus wird es keine Kapitalisten mehr geben, die ihre Wohnungen leer stehen und ihre Häuser verfallen lassen, weil sei auf höhere Profite spekulieren. Ihr Besitz wird entschä­di­gungs­los enteignet und an Bedürftige zugeteilt. Niemand soll mehr Wohnraum haben, als er oder sie selbst benötigt.

Doch alle derartigen wesentlichen Verbesserungen im Interesse der Arbeiter/innenklasse und des Vol­kes können nicht erreicht werden, ohne die radi­ka­le Umwälzung der bestehenden  gesellschaftlichen Verhältnisse. Nur durch die politische Machtergrei­fung der Arbeiter/innenklasse  in der proletari­schen Revolution können die Lebensbedingungen für die Volksmassen entscheidend und dauerhaft verbessert werden.

Patriarchat, Rassismus und Jugendfeindlichkeit am kapitalistischen Wohnungsmarkt

 

Besonders betroffen von der systematischen Woh­nungsnot im Kapitalismus sind die weiblichen Werk­tätigen. Auf vielfältige Weise sind sie extrem benachteiligt und werden als Anhängsel eines Man­nes behandelt. Nur wenige Frauen verdienen so viel, dass sie eine ordentliche Wohnung für sich (und eventuell ihre Kinder) bezahlen könnten. So sind sie gezwungen, mit einem Mann zusammen­zu­ziehen, von dem sie sich nur schwer wieder tren­nen können, weil sie von ihm materiell abhängig sein. Alleinerziehende Frauen sind von Armut und Verelendung ganz besonders bedroht.

Arbeitsimmigrant/innen (ausländische Kolleg/in­nen) sind durch die rassistischen Sondergesetze in einer ganz extremen Lage. Sie müssen am kapita­lis­tischen eine entsprechende Wohnung finden, ganz gleich, wie viel die Vermieter für ein mieses Loch verlangen, sonst verlieren sie ihre Aufent­halts­genehmigung und werden abgeschoben. So sind sie der Willkür der Häuserspekulanten, „Woh­nungsvermittler“ und Kredithaie ausgeliefert.

Ein großes Problem ist die Wohnungsverknappung im Kapitalismus auch für viele jugendliche Arbei­ter/innen, die es bei ihren Eltern nicht mehr aus­halten, selbstständig leben wollen, ohne die stän­di­gen Streitereien in der überbelegten Wohnung, aber keine Chance haben, eine für sie erschwing­li­che Unterkunft zu finden.

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