9. November 1938: Novemberpogromnacht

9.November: Kampf dem Antisemitismus! 19 Uhr Wien, ehem. Aspang-Bahnhof

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Vor nunmehr 75 Jahren wurden in der Woche um den 9. November ca. 400 Men­schen ermordet und ca.30.000 in Konzentrationslager verschleppt. Zahlreiche Sy­nagogen und jüdische Friedhöfe wurden verwüstet, Geschäfte und Wohnungen ge­plündert und zerstört…

Die faschistischen Novemberpogrome des Jahres 1938 stellen einen Einschnitt in der Geschichte Österreichs und Deutschlands dar, den Übergang vom in der ös­ter­reichischen Gesellschaft „normalen“, Jahrhunderte lang üblichen und gehegten Anti­semitismus, dem Hass, der Diskriminierung und Ausgrenzung hin zur syste­matischen Verfolgung während des deutschen Faschismus, die in der planmäßigen und industriellen Vernichtung eines Großteils der europäischen Jüdinnen und Ju­den im gesamten Machtbereich des NS-Staates während des Zweiten Weltkriegs mündete.

Entgegen der Propaganda des Faschismus an der Macht waren die November­pogro­me nicht Ausdruck eines „spontanen Volkszorns“ als angebliche Reaktion auf die Ermordung eines deutschen Diplomaten durch einen Juden. Vielmehr wa­ren die Pogrome staatlicherseits vorbereitet und geplant und es wurde das Ziel ver­folgt, die Enteignung jüdischen Eigentums (sogenannte „Arisierungen“) zu beschleunigen um dadurch den Kriegskurs des deutschen Imperialismus zu be­günstigen.

Die weit verbreitete gängige Geschichtsschreibung, dass es in Wahrheit keinen jü­dischen Widerstand gegeben hätte, dass sich „die Juden“ vielmehr „wie die Scha­fe zur Schlachtbank“ ins KZ haben abtransportieren lassen, setzt die rassistische Geschichtsschreibung der herrschenden Klasse fort, fügt sich ins antisemitische Weltbild und verbirgt kaum den immer noch bestehenden Antisemitismus – die Juden seien eigentlich selbst Schuld an ihrer Vernichtung.

Neben unsrer Trauer für die Opfer und unserer Wut auf die herrschenden Verhält­nisse, die immer noch grundlegend die selben, kapitalistischen sind, die den Nazi-Faschismus hervorgebracht haben, erinnern und gedenken wir anlässlich des 9. No­vembers der Heldinnen und Helden des antifaschistischen Widerstands­kampfes:

Der großen Zahl jüdischer antifaschistische Kämpfer/innen im spanischen Bür­ger­krieg, wenig später in den faschistischen Konzentrationslagern, den Ghettos, im Untergrund. Jener, die die Kraft besaßen, im „Deutschen Reich“ organisierten und bewaffneten Widerstand zu leisten, als „Stadtguerillas“, als Partisan/innen und als Soldat/innen der Roten Armee.

Der Aufstand im Warschauer Ghetto von 1943 ist relativ bekannt. In mehr als 100 Ghettos in Polen, Litauen, Weißrussland und der Ukraine entstanden Untergrund­organisationen, die den bewaffneten Aufstand zum Ziel hatten. Und es gab Revol­ten in Ghettos wie Bialystok oder Wilna. Auch in den Konzentrationslagern wur­den bewaffnete Aufstände organisiert, vor allem in den Vernichtungslagern Sobi­bor, Treblinka und Auschwitz-Birkenau. Ein Element jüdischen Widerstands war auch, dass beispielsweise in zahlreichen Ghettos Schulen und Theater gegründet, Konzerte organisiert, Untergrundzeitungen und Flugblätter, Wandzeitungen usw. gedruckt wurden. Viele jüdische Menschen oder Gruppen verweigerten den Nazis den Gehorsam. Der Kampf ums Überleben, das Schmuggeln von Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten in die Ghettos und Lager gehörte ebenfalls zum Widerstand.

Gegen die Verbrechen der herrschenden Klasse unseren Kampf organisieren!

 

Buch­empfehlungen:

Marek Edelmann: Das Ghetto kämpft: Warschau 1941-43 (Harald Kater Ver­lag, Berlin 1993)

Autorenkollektiv: Über den Wider­stand in den KZs und Vernichtungslagern des Nazifaschismus (Verlag Olga Bena­rio und Herbert Baum, Offenbach 1998)

Franziska Bruder: Hunderte solcher Helden. Sobibor  (Unrast-Verlag, Hamburg 2013)

Jules Schelvis: Sobibor (Unrast-Verlag, Hamburg 2003)

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