9. November 1938: Novemberpogromnacht

Arbeiter/innen aller Länder, vereinigt euch!
Arbeiter/innen aller Länder und unterdrückte Völker, vereinigt euch!
9. November 2014 (143 npc)

FB11-novemberpogrom.doc  FB11-novemberpogrom.pdf

Am 9. November 1938 und in den folgenden Tagen wurden etwa 400 Men­schen er­mordet und ca. 30.000 in Konzentrationslager verschleppt. Zahlreiche Sy­na­go­gen und jüdische Friedhöfe wurden verwüstet, Geschäfte und Wohnungen ge­plün­dert und zerstört…

Die faschistischen Novemberpogrome des Jahres 1938 stellen einen Einschnitt in der Geschichte Österreichs und Deutschlands dar: Jahrhundertelang war es in der ös­ter­reichischen Gesellschaft üblich, die Menschen jüdischen Glaubens auszu­gren­zen, zu diskriminieren, zu hassen und in Notzeiten als Sündenböcke zu ver­fol­gen und zu ermorden. Ab November 1938 ging es dem Hitler-Faschismus aber um die systematische, staatlich organisierte Verfolgung, die in der planmäßigen und in­dustriellen Vernichtung eines Großteils der europäischen Jüdinnen und Juden im ge­samten Machtbereich des NS-Staates während des Zweiten Welt­kriegs mün­de­te.

Die November­pogro­me waren nicht Ausdruck eines „spontanen Volkszorns“ als an­geb­liche Reaktion auf die Ermordung eines deutschen Diplomaten durch einen Juden. Vielmehr wa­ren die Pogrome staatlicherseits vorbereitet und geplant und es wurde das Ziel ver­folgt, die Enteignung jüdischen Eigentums (sogenannte „Ari­sierungen“) zu beschleunigen um dadurch den Kriegskurs des deutschen Imperialismus zu be­günstigen.

Die weit verbreitete gängige Geschichtsschreibung, dass es in Wahrheit keinen jü­dischen Widerstand gegeben hätte, dass sich „die Juden“ vielmehr „wie die Scha­fe zur Schlachtbank“ ins KZ haben abtransportieren lassen, setzt die rassistische Geschichtsschreibung der herrschenden Klasse fort, fügt sich ins antisemitische Weltbild und verbirgt kaum den immer noch bestehenden Antisemitismus – die Juden seien eigentlich selbst Schuld an ihrer Vernichtung.

Neben unsrer Trauer für die Opfer und unserer Wut auf die herrschenden Verhält­nisse, die immer noch grundlegend die selben, kapitalistischen sind, die den Nazi-Faschismus hervorgebracht haben, erinnern und gedenken wir anlässlich des 9. No­vembers der Heldinnen und Helden des antifaschistischen Widerstands­kampfes:

Der großen Zahl jüdischer antifaschistische Kämpfer/innen im spanischen Bür­ger­krieg, wenig später in den Ghettos, im Untergrund, den faschistischen Konzentra­tions­lagern. Jener, die die Kraft besaßen, im „Deutschen Reich“ organisierten und bewaffneten Widerstand zu leisten, als „Stadtguerillas“, als Partisan/innen und als Soldat/innen der Roten Armee.

Der Aufstand im Warschauer Ghetto von 1943 ist relativ bekannt. In mehr als 100 Ghettos in Polen, Litauen, Weißrussland und der Ukraine entstanden Untergrund­organisationen, die den bewaffneten Aufstand zum Ziel hatten. Und es gab Revol­ten in Ghettos wie Bialystok oder Wilna. Auch in den Konzentrationslagern wur­den bewaffnete Aufstände organisiert, vor allem in den Vernichtungslagern Sobi­bor, Treblinka und Auschwitz-Birkenau. Ein Element jüdischen Widerstands war z.B. auch, dass in zahlreichen Ghettos Schulen und Theater gegründet, Konzerte or­ganisiert, Untergrundzeitungen und Flugblätter, Wandzeitungen usw. gedruckt wur­den. Viele jüdische Menschen oder Gruppen verweigerten den Nazis den Ge­hor­sam. Der Kampf ums Überleben, das Schmuggeln von Lebensmitteln, Klei­dung und Medikamenten in die Ghettos und Lager gehörte ebenfalls zum Wider­stand.

Der mutige Kampf der jüdischen Bevölkerung in den Jahren des Nazi-Faschismus ist Teil des Kampfes gegen die herrschende Klasse und ihre Unterdrückerpolitik.

Gegen die Verbrechen der herrschenden Klasse unseren Kampf organisieren!

 

Buch­empfehlungen:

Marek Edelmann: Das Ghetto kämpft: Warschau 1941-43 (Harald Kater Ver­lag, Berlin 1993)

Autorenkollektiv: Über den Wider­stand in den KZs und Vernichtungslagern des Nazifaschismus (Verlag Olga Bena­rio und Herbert Baum, Offenbach 1998)

Franziska Bruder: Hunderte solcher Helden. Sobibor (Unrast-Verlag, Hamburg 2013)

Jules Schelvis: Sobibor (Unrast-Verlag, Hamburg 2003)

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